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Amy Klobuchar : Zu früh für „Klomentum“

  • -Aktualisiert am

Überraschte als Drittplatzierte in New Hampshire: Amy Klobuchar, Senatorin aus Minnesota Bild: AP

Amy Klobuchar hat bei der Vorwahl der Demokraten in New Hampshire einen guten dritten Platz errungen. Aber wer ist die Senatorin aus Minnesota – und hat sie Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur?

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          „Klomentum“ – das klingt auf Englisch nicht besonders elegant, aber längst nicht so lustig wie auf Deutsch. Die neue Hashtag-Wortschöpfung soll heißen, dass Amy Klobuchar jetzt „Momentum“ hat, also Rückenwind. Als Drittplatzierte bei der Vorwahl der Demokraten in New Hampshire überraschte sie viele Kommentatoren – und feierte ihren Erfolg am vergangenen Dienstag mit den Worten: „Hallo Amerika, mein Name ist Amy Klobuchar und ich werde Donald Trump schlagen!“

          Die 59 Jahre alte Senatorin aus Minnesota ist zwar durch ihre 13 Jahre im Kongress keine Unbekannte, sie genießt aber auch nicht die Berühmtheit von Bernie Sanders oder Joe Biden. Manche sehen in Klobuchar, die in New Hampshire knapp unter 20 Prozent der Stimmen holte, dennoch eine Alternative zu den beiden älteren Herren. Ihr Charisma liegt wie bei ihren Konkurrenten im Auge des Betrachters. Das „Midwestern Nice“, eine den Menschen aus dem Mittleren Westen zugeschriebene Nettigkeit, gilt als Klobuchars Markenzeichen – und macht sie in den Augen mancher Kommentatoren zur idealen Kandidatin, um auch Weiße aus den Vorstädten von Donald Trump zurück zu den Demokraten zu holen.

          Den von ihr mehrfach als unrealistisch kritisierten Vorschlägen von Bernie Sanders und dem erst 38 Jahre alten ehemaligen Bürgermeister Pete Buttigieg will Klobuchar ihren Pragmatismus und ihre Erfahrung gegenüberstellen. „Medicare for All“, Sanders' allgemeine öffentliche Krankenversicherung, findet sie ebenso zu weitgreifend wie den „Green New Deal“ der Linken im Kongress. Stattdessen will Klobuchar gemeinsam mit der Wirtschaft kleinere Reformschritte gehen – etwa mit einem detaillierten Infrastrukturplan und einer Reform der bisherigen Obamacare-Krankenversicherung. Bei der letzten Fernsehdebatte griff sie Buttigieg für sein mangelndes bundespolitisches Profil an: Die Menschen wollten eine belastbare Alternative zu Trump, keinen „coolen Newcomer“.

          Klobuchar, die an der Yale Universität und in Chicago Jura studierte und später promovierte, war vor ihrer Senatskandidatur Oberstaatsanwältin von Hennepin County. Der Landkreis ist mit mehr als einer Million Bewohner der bevölkerungsreichste von Minnesota. Sie war 2006 die erste Frau, die aus dem Bundesstaat in den Senat gewählt wurde. Heute gehört sie zu den Senatoren mit den höchsten Zustimmungswerten. Weggefährten und Journalisten beschreiben sie als klug und witzig – es gibt aber auch Berichte über einen eher ruppigen Führungsstil gegenüber Kampagnenmitarbeitern.

          Die Senatorin aus dem Mittleren Westen stammt von Einwanderern aus Slowenien und der Schweiz ab, ihr Vater war Sportjournalist, die Mutter Grundschullehrerin. Klobuchar betont häufig, dass sie die Nöte von Durchschnittsverdienern aus eigener Erfahrung nachvollziehen könne. In ihren Reden und politischen Initiativen bezieht sie sich gern auf persönliche Erfahrungen. Als ihre Tochter Abigail Mitte der neunziger Jahre auf die Welt kam, zwang man die Mutter trotz einer Erkrankung des Babys, das Krankenhaus nach 24 Stunden zu verlassen. Klobuchar zog vor das Parlament des Bundesstaates und kämpfte für ein Gesetz, das Müttern 48 Stunden im Krankenhaus bei ihren Neugeborenen garantieren sollte. Das Gesetz kam nicht nur durch, der damalige Präsident Bill Clinton machte später auch eine bundesweite Regelung daraus.

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