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Verteidiger des Präsidenten : Hemdsärmlig für Trump

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Bei den Amtsenthebungs-Anhörungen trat der republikanische Abgeordnete Jim Jordan ins Rampenlicht. Bild: AP

Bei den Anhörungen wegen der Ukraine-Affäre tritt der republikanische Abgeordnete Jim Jordan ins Rampenlicht. Der ehemalige Profi-Ringer soll die Verteidigungsstrategie von Donald Trump transportieren – wohl auch stilistisch.

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          Eine „modische Machtgeste“, ein „elegantes Sich-auf-die-Brust-Klopfen“, ein „Signal der Missachtung“ für die Demokraten: Dass der Republikaner Jim Jordan gern sein Jackett auszieht, bevor er die Zeugen bei den Amtsenthebungs-Anhörungen gegen Donald Trump befragt, brachte ihm eine Stil-Kolumne der „Washington Post“ und reichlich Twitter-Interpretationen ein. Eigentlich sollte Devin Nunes, der führende Republikaner im Geheimdienstausschuss, den Demokraten Paroli bieten. Aber die Partei setzte Jordan kurzfristig in das Gremium. Im Ausschuss für Aufsicht und Reform hatte der Abgeordnete aus Ohio sich bei den Befragungen hinter verschlossenen Türen bewährt.

          Jordan war vor seiner politischen Karriere Profi-Ringer und Trainer an der Universität von Ohio. Führende Republikaner finden, dass der Jurist der beste Verteidiger für Trump ist, weil er die Zeugen besonders scharfzüngig angreift. Steve Scalise, dritthöchster Republikaner im Abgeordnetenhaus, lobte Jordan dafür, dass er Fragen stelle wie ein Staatsanwalt. Minderheitsführer Kevin McCarthy sagte, man setze den Abgeordneten „wie einen pinch hitter“ ein – so wird ein Baseball-Spieler bezeichnet, der außer der Reihe als Reserve ins Spiel kommt. Newt Gingrich, Sprecher des Abgeordnetenhauses während des Impeachmentverfahrens gegen Bill Clinton, bezeichnete es als wichtig, jemanden zu haben, der hart vorgehe, aber in verständlicher Sprache. Jordan sei wie ein „middle linebacker“, eine Verteidiger-Position beim Football. Die Sport-Analogien zeigen, dass viele Republikaner in kämpferischer Stimmung sind und ihrem Präsidenten auch dieses Mal die Treue halten.

          Trumps Versuch, die Ukraine zu Ermittlungen gegen die Familie seines Rivalen Joe Biden zu drängen und dafür Militärhilfen zurückzuhalten, sollen die Wähler entweder für einen konstruierten Vorwand halten oder unwichtig finden. Beide Parteien wissen, dass der öffentliche Teil der Anhörungen nicht zuletzt ein Werben um die Gunst der Zuschauer ist. Und Jordans Auftreten kann den Trump-Anhängern auch signalisieren: „Ich bin einer von euch!“ Die Hemdsärmeligkeit, die Sport-Metaphern, sie passen zu Lieblingsthesen der Rechten: Dass eine selbsternannte Elite aus den Küstenstädten den Präsidenten mit allen Mitteln stürzen will, dass Republikaner wie Jordan die Sprache der einfachen Menschen sprechen, dass die Demokraten keine anständigen Patrioten sind wie sie.

          Gemeinsam mit seinen Parteikollegen arbeitet Jordan auch an einer griffigen Alternativ-Version der konkreten Ereignisse, die jeder verstehen soll. Ein „quid pro quo“, eine Erpressung oder Bestechung der Ukraine habe es nie gegeben, versicherte er am Sonntag in einem Fernsehinterview. Trump habe die Militärhilfen an die Ukraine kurz zurück gehalten und dann freigegeben, weil man die Regierung des neuen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erst genauer habe bewerten wollen. Es handele sich schließlich um ein Land mit großen Korruptionsproblemen. Erst als Trump sicher gewesen sei, dass Selenskyj ein guter Mann sei, habe er die Hilfen nicht mehr blockiert. Alle Verhandlungen mit der Ukraine hätten den amerikanischen Interessen gedient. Sämtliche Vorwürfe gegen Trump basierten auf Hörensagen. Eine Untersuchung gegen die Biden-Familie sei schließlich „nie passiert“, wehrte Jordan Rückfragen ab. Der Präsident machte sich diese Verteidigungslinie sogleich zu eigen, indem er den entsprechenden Interviewausschnitt twitterte. Dabei hatte er selbst vor Journalisten wiederholt, dass die Ukraine und auch China gut daran täten, gegen die Bidens zu ermitteln.

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