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Amokläufe in Amerika : „Wenn wir genug Leute loswerden“

  • -Aktualisiert am

Nach der Wahlniederlage von Mitt Romney gegen Barack Obama im Jahr 2012 hatte sich die Republikanische Partei deshalb vorgenommen, ihren Ton gegenüber Latinos zu verändern. Die Basis aber hatte andere Pläne und hob in den Vorwahlen Trump auf den Schild. Er spitzt die Warnungen vor dem Verlust konservativer Bastionen seit langem zu, indem er behauptet, dass die Demokraten zur Förderung ihrer Wahlchancen bewusst eine Politik „offener Grenzen“ verfolgten und dafür sorgten, dass Millionen von illegalen Einwanderern unberechtigterweise an Wahlen teilnähmen. Der Attentäter von El Paso scheint seine Schlüsse daraus gezogen zu haben – auch wenn der Verfasser des „Manifests“ hervorhebt, seine politischen Auffassungen schon „vor Trump und seiner Präsidentschaftskampagne“ gefestigt zu haben. O’Rourke sagte am Samstag Wahlkampftermine ab und flog nach El Paso zurück, wo Hunderte Menschen dem Appell der Behörden gefolgt waren und Blut spendeten. O’Rourke warf Trump vor, „Rassismus zu schüren“. Auch seine Mitbewerber meldeten sich zu Wort. Pete Buttigieg ging besonders weit. Er warf Trump vor, „Menschen zum Morden zu inspirieren“ oder zu „ermuntern“, indem er „weißen Nationalismus“ hoffähig mache. Die Vereinigten Staaten, so der Bürgermeister von South Bend weiter, würden von „einheimischen Terroristen“ angegriffen, die Rückendeckung von höchster Stelle hätten.

Praktisch alle führenden Demokraten bekräftigten nach dem Massenmord von El Paso ihre Kritik am liberalen Waffenrecht. Sie verwiesen dabei auf die Morde, die zuletzt Schlagzeilen gemacht hatten: Sechs Tage vor dem Massaker hatte ein mutmaßlich ebenfalls rechtsradikaler Täter drei Personen und sich selbst auf einem „Knoblauch-Festival“ in der kalifornischen Stadt Gilroy getötet. Zwei Tage später erschoss ein Walmart-Mitarbeiter zwei Kollegen in einer Filiale in Mississippi.

Doch schon am nächsten Morgen gab es einen noch viel krasseren Fall neuer Waffengewalt zu beklagen. In Dayton im Staat Ohio erschoss ein Mann in den frühen Morgenstunden neun Passanten in einem Vergnügungsviertel in der Innenstadt. 16 weitere wurden verletzt. Der Täter hatte sich eine Kampfmontur angezogen, benutzte nach ersten Angaben ebenfalls ein Sturmgewehr und trug etliche Magazine zum Wechseln bei sich. Keine Minute nach den ersten Schüssen töteten Streifenpolizisten den Mörder. Dadurch hätten sie wohl „Hunderte Menschenleben gerettet“, sagte Bürgermeisterin Nan Whaley am Sonntag. Der Täter soll ein 24 Jahre alter Weißer aus einem Vorort von Dayton gewesen sein. Was ihn zu seinem Massenmord bewog, ob ihn gar die Bluttat von El Paso inspiriert hatte, blieb zunächst unklar. Ob sie es sich nach den Meldungen aus Texas am Samstag hätte vorstellen können, wurde die Bürgermeisterin gefragt, dass nur 13 Stunden später ihre eigene Stadt heimgesucht werde? Die Demokratin verwies zur Antwort matt auf die Statistik, wonach sich in Dayton am Morgen das 250. amerikanische „mass shooting“ des Jahres 2019 ereignet hatte. Dazu zählt jeder Vorfall, bei dem mindestens vier Personen angeschossen wurden. Bleibt es bei den vorläufigen Totenzahlen, belegt Dayton auf dieser Liste bis auf weiteres den dritten Platz, El Paso den ersten.

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