https://www.faz.net/-gpf-9db4g

Amerikas Weltraumarmee : Trumps Traum von den unendlichen Weiten

Das dauert noch: Raumschiffe wie die USS Enterprise (NCC-1701-A) wird selbst Amerika in absehbarer Zeit nicht bauen. Bild: Allstar/Paramount

Amerikas Präsident stößt gern in Räume vor, die noch keiner seiner Amtsvorgänger zuvor betreten hat. Doch wie ernsthaft sind die militärischen Ambitionen von Donald Trump im Weltall wirklich? Eine Analyse.

          4 Min.

          „Der Weltraum, unendliche Weiten...“ Mit diesen Worten beginnt die älteste Staffel der wohl bekanntesten Science-Fiction-Serie des Planeten. Ob Donald Trump ein Fan von Raumschiff Enterprise ist, lässt sich nicht sagen. Einem Leitsatz von Captain Kirk und Co. folgt Amerikas Präsident aber schon lange: Dorthin zu gehen, wo noch nie jemand zuvor gewesen ist. Die Grenzen dessen, was ein amerikanischer Präsident sagt, hat Trump in den mehr als 500 Tagen seiner Amtszeit stark in den polemischen und kontrafaktischen Raum hinein ausgedehnt. Nun, so scheint es, will der Präsident endgültig die nächste Stufe seiner Ambitionen zünden: Amerikas Streitkräfte sollen umfassend modernisiert werden – und den Weltraum erobern.

          „Wie der Himmel, die Erde und das Meer ist der Weltraum zum Schlachtfeld geworden“, sagte Trump am Montag vor Soldaten der amerikanischen Streitkräfte auf dem Stützpunkt Fort Drum im Bundesstaat New York. Es sei nicht ausreichend, dass Amerika im Weltall lediglich präsent sei. „Wir brauchen eine Dominanz Amerikas im Weltraum.“ Der Plan des Präsidenten ist es, eine neue Teilstreitkraft aufzustellen. Es wäre die Sechste – neben Heer, Luftwaffe, Marine, Marineinfanterie und Küstenwache. Das klingt zunächst einmal nach einem großen Aufbruch. Doch Vorstellungen von Sternenflottenschiffen oder Krieg der Sterne führen in die Irre. Bei näherer Betrachtung schrumpft Trumps Aufbruch ins All rasch zusammen.

          Staaten beschäftigen sich längst mit militärischer Nutzung

          Die führenden Staaten der Erde beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit der militärischen Nutzung des Weltraums; genauer gesagt: des erdnahen Weltraums. Bereits 1983, in einer kritischen Phase des Ost-West-Konflikts, hatte der damalige amerikanische Präsident Ronald Reagan eine Initiative angeordnet, die Vereinigten Staaten mit einem Abwehrschild vom All aus gegen sowjetische Nuklearangriffe mit Interkontinentalraketen zu schützen. Das viele Milliarden Dollar teure SDI-Programm brachte allerdings nicht die gewünschten Erfolge. Dennoch beschäftigen sich die amerikanischen Streitkräfte seitdem mit militärischen Operationen im Weltraum. Dabei geht es vor allem um Satelliten, über die heutzutage große Teile der globalen Kommunikation laufen und die Informationen sammeln; teils für zivile, häufig indes für militärische Zwecke. Sowohl dem Schutz eigener als auch der Störung oder Zerstörung gegnerischer, künstlicher Erdtrabanten kommen dabei große Aufmerksamkeit zu.

          Zudem wurde von den Vereinigten Staaten bereits 1982 ein eigenes Weltraumkommando gegründet. An der Spitze des Kommandos, das heute der Luftwaffe zugeordnet ist, steht ein General. Sein Hauptquartier befindet sich auf der Peterson Luftwaffenbasis in Colorado. Von dort aus kontrolliert er die Mitarbeiter des Kommandos, deren Zahl laut eigenen Angaben gegenwärtig bei über 30.000 Mann liegt. Ihr Hauptaugenmerk liegt bislang darauf, sich um die rund 800 amerikanischen Militärsatelliten zu kümmern, mit Radarstationen den Weltraum zu überwachen und vor gegnerischen Raketen zu warnen, die auf das Territorium Amerikas zufliegen. Seit 2009 zählt zu den Aufgaben des AFSPC auch die Kriegführung im Cyberspace.

          Die Idee, eine eigene Teilstreitkraft für den Weltraum aufzustellen, treibt den amerikanischen Präsidenten offenbar schon seit Monaten um. Bereits im März hatte Trump bei einem Auftritt vor Marineinfanteristen in San Diego laut darüber nachgedacht, eine solche aufzustellen. Die Idee sei ihm kürzlich gekommen, sagte Trump damals laut der amerikanischen Zeitschrift „The Atlantic.“ Der Erste war er damit nicht. Unter der Regierung von George W. Bush jr. hatte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld schon ähnliche Ziele verfolgt. Nach den Terroranschlägen von New York und Washington am 11. September 2001 waren sie allerdings kein Thema mehr – bis vor einem Jahr. Das Repräsentantenhaus hatte im Juli 2017 ein Gesetz verabschieden wollen, mit dem ein neues Weltraumkorps in der Luftwaffe aufgestellt werden sollte. Das Pentagon sperrte sich damals. Eine ranghohe Mitarbeiterin der Luftwaffe wurde von „The Atlantic“ mit den Worten zitiert, eine solche Maßnahme würde die ohnehin schon komplexe Struktur der amerikanischen Streitkräfte noch unübersichtlicher machen und nur zu höheren Ausgaben führen. Der Senat verbannte den Vorschlag später, bevor ihn Trump im Frühjahr – wissentlich oder nicht – wieder hervorholte und als seinen eigenen präsentierte.

          Klar ist, dass die erste Gründung einer neuen Teilstreitkraft in den amerikanischen Streitkräften seit über 70 Jahren eine Reihe organisatorischer Veränderungen mit sich ziehen würde. Doch dieses Kästchenrücken lässt noch keinerlei Rückschlüsse darauf zu, wie stark Amerikas Präsident am Ende tatsächlich den Aufbau einer eigenen Weltraumarmee vorantreiben will. Der Verteidigungshaushalt für das Haushaltsjahr 2019, den Präsident Trump am Montag unterzeichnete, lässt Zweifel aufkommen, dass der Aufbau der neuen Teilstreitkraft mit Lichtgeschwindigkeit vorangetrieben wird.

          Denn der John S. McCain National Defense Authorization Act ist mit einem Volumen von 716 Milliarden Dollar zwar der größte seit dem Ende des Irakkrieges. Auffallende Schwerpunktverschiebungen gegenüber dem Vorjahr sind jedoch nicht zu erkennen. Die größten Ausgabenposten entfallen auf die Beschaffung von 77 Luftüberlegenheitskampfflugzeugen des Typs F-35 (7,6 Milliarden Dollar). 24,1 Milliarden Dollar werden für den Bau von Kriegsschiffen ausgegeben. Auch sollen 135 Abrams-Kampfpanzer des Typs M1A2SEP v3 beschafft werden. Das kostet 1,5 Milliarden Dollar. Von der Entwicklung eigener Raumschiffe oder bemannter Stationen im Orbit ist in der Zusammenfassung des zuständigen „United States Comittee on Armed Services“ nirgendwo etwas zu lesen. Verbrieft ist lediglich ein 100-Millionen-Dollar-Posten für Forschung und Entwicklung zum Weltraum.  

          Doch vielleicht hat Trump sein Ziel ja schon erreicht. Die Gründung einer eigenen amerikanischen Weltraum-Teilstreitkraft hat er mit seinem Namen verbunden. Und Star-Trek-Fans wissen ohnehin, dass große Ausgaben heute noch keine phantastischen Ergebnisse zutage fördern würden. Das erste menschliche Raumschiff mit Lichtgeschwindigkeit startet schließlich erst am  5. April 2063.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der umstrittene Tesla-Gründer Elon Musk am Dienstagabend in Berlin, als er überraschend zur Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ auftauchte.

          Auch Design und Entwicklung : Musk verspricht Berlin eine Tesla-Fabrik

          Jetzt ist es raus: Elon Musk wird seine nächste „Gigafactory“ nahe Berlin bauen. Mehr Details ließ er sich nicht entlocken. Fest steht, dass dort nicht nur produziert, sondern auch entwickelt und entworfen wird.

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.