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Amerikas Weltraumarmee : Trumps Traum von den unendlichen Weiten

Die Idee, eine eigene Teilstreitkraft für den Weltraum aufzustellen, treibt den amerikanischen Präsidenten offenbar schon seit Monaten um. Bereits im März hatte Trump bei einem Auftritt vor Marineinfanteristen in San Diego laut darüber nachgedacht, eine solche aufzustellen. Die Idee sei ihm kürzlich gekommen, sagte Trump damals laut der amerikanischen Zeitschrift „The Atlantic.“ Der Erste war er damit nicht. Unter der Regierung von George W. Bush jr. hatte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld schon ähnliche Ziele verfolgt. Nach den Terroranschlägen von New York und Washington am 11. September 2001 waren sie allerdings kein Thema mehr – bis vor einem Jahr. Das Repräsentantenhaus hatte im Juli 2017 ein Gesetz verabschieden wollen, mit dem ein neues Weltraumkorps in der Luftwaffe aufgestellt werden sollte. Das Pentagon sperrte sich damals. Eine ranghohe Mitarbeiterin der Luftwaffe wurde von „The Atlantic“ mit den Worten zitiert, eine solche Maßnahme würde die ohnehin schon komplexe Struktur der amerikanischen Streitkräfte noch unübersichtlicher machen und nur zu höheren Ausgaben führen. Der Senat verbannte den Vorschlag später, bevor ihn Trump im Frühjahr – wissentlich oder nicht – wieder hervorholte und als seinen eigenen präsentierte.

Klar ist, dass die erste Gründung einer neuen Teilstreitkraft in den amerikanischen Streitkräften seit über 70 Jahren eine Reihe organisatorischer Veränderungen mit sich ziehen würde. Doch dieses Kästchenrücken lässt noch keinerlei Rückschlüsse darauf zu, wie stark Amerikas Präsident am Ende tatsächlich den Aufbau einer eigenen Weltraumarmee vorantreiben will. Der Verteidigungshaushalt für das Haushaltsjahr 2019, den Präsident Trump am Montag unterzeichnete, lässt Zweifel aufkommen, dass der Aufbau der neuen Teilstreitkraft mit Lichtgeschwindigkeit vorangetrieben wird.

Denn der John S. McCain National Defense Authorization Act ist mit einem Volumen von 716 Milliarden Dollar zwar der größte seit dem Ende des Irakkrieges. Auffallende Schwerpunktverschiebungen gegenüber dem Vorjahr sind jedoch nicht zu erkennen. Die größten Ausgabenposten entfallen auf die Beschaffung von 77 Luftüberlegenheitskampfflugzeugen des Typs F-35 (7,6 Milliarden Dollar). 24,1 Milliarden Dollar werden für den Bau von Kriegsschiffen ausgegeben. Auch sollen 135 Abrams-Kampfpanzer des Typs M1A2SEP v3 beschafft werden. Das kostet 1,5 Milliarden Dollar. Von der Entwicklung eigener Raumschiffe oder bemannter Stationen im Orbit ist in der Zusammenfassung des zuständigen „United States Comittee on Armed Services“ nirgendwo etwas zu lesen. Verbrieft ist lediglich ein 100-Millionen-Dollar-Posten für Forschung und Entwicklung zum Weltraum.  

Doch vielleicht hat Trump sein Ziel ja schon erreicht. Die Gründung einer eigenen amerikanischen Weltraum-Teilstreitkraft hat er mit seinem Namen verbunden. Und Star-Trek-Fans wissen ohnehin, dass große Ausgaben heute noch keine phantastischen Ergebnisse zutage fördern würden. Das erste menschliche Raumschiff mit Lichtgeschwindigkeit startet schließlich erst am  5. April 2063.

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