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Amerikas Präsident : Der globale Trump

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Doch Weltpolizist? Donald Trump wartet am Donnerstag am Eingang des Weißen Hauses auf den italienischen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni Bild: EPA

Er wolle nicht der „Präsident der Welt“ sein, hat Donald Trump immer wieder erklärt. Nun sind es trotzdem vor allem außenpolitische Themen, die seine noch junge Präsidentschaft bestimmen. Ein Überblick über die wichtigsten Baustellen.

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          „America first“, Amerika zuerst – am Motto seiner Amtszeit habe sich nichts geändert, wurden Donald Trump und seine Leute zuletzt nicht müde zu betonen. Und doch scheint aus dem isolationistisch argumentierenden Wahlkämpfer in den ersten knapp einhundert Tagen seiner Präsidentschaft ein amerikanischer Staatschef geworden zu sein, der, wie viele seiner Vorgänger, durchaus international denkt und handelt.

          Weil sie trotzdem keine klare außenpolitische Linie des Präsidenten erkennen können, warnen zahlreiche Beobachter mit Blick auf die Vielzahl der diplomatischen Krisen nun sogar davor, Trump könne sich übernehmen. „China, Russland und Iran haben echte, langfristig angelegte Strategien“, kritisierte etwa der demokratische Senator Mark Warner. „Warum haben wir keine?“

          Nordkorea: Mehr Schein als Sein?

          Pjöngjang droht mit Atomtests und der Zerstörung amerikanischer Städte, die Vereinigten Staaten reagieren mit der Ankündigung eines militärischen Alleingangs gegen Nordkorea, sollte China nicht genügend diplomatischen Druck auf Machthaber Kim Jong-un ausüben. Aber wie ernst meint es die amerikanische Regierung?

          Für Verwirrung sorgte zuletzt die Nachricht, wonach der Flugzeugträger „USS Carl Vinson“, der laut Ankündigung Trumps schon vor anderthalb Wochen Kurs auf Nordkorea hätte nehmen sollen, mehr als 5000 Kilometer entfernt von der koreanischen Halbinsel gesichtet wurde. Eigentlich hätte der Flottenverband Nordkorea Amerikas militärische Macht vor Augen führen und von weiteren militärischen Provokationen abhalten sollen.

          Auch wenn die Schiffe nun offenbar doch in die richtige Richtung unterwegs sind, bleiben Amerikas Verbündete in der Region irritiert. Einige südkoreanische Medien machten sich über Trumps „Bluff“ lustig und sprachen gar von einer „Lüge“. Möglicherweise könne man Trumps Ansagen zu Nordkorea nun überhaupt nicht mehr trauen, sagte der derzeit in den Umfragen vorne liegende Präsidentschaftsbewerber Hong Joon-pyo dem „Wall Street Journal“.

          China: Partner oder Konkurrent?

          Kein Land hatte Trump im Wahlkampf so scharf attackiert wie China. Die Handelsbeziehungen seien „unfair“, Chinas Wirtschaft würde die Vereinigten Staaten „vergewaltigen“. Nun, im Zeichen der sich zuspitzenden Nordkorea-Krise, hat der Präsident fast ausschließlich warme Worte für Pekings Führung übrig.

          „Warum sollte ich China als Währungsmanipulator bezeichnen, wenn sie mit uns am Nordkorea-Problem arbeiten? Wir werden sehen, was passiert!“ Mit dieser Twitter-Nachricht brachte Trump seine derzeitige Haltung gegenüber der Regierung von Präsident Xi Jinping vor einigen Tagen gewohnt unverblümt auf den Punkt. Wie es weiter geht im Verhältnis zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt? Völlig offen!

          In seiner Pressekonferenz mit Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) in Washington bescheinigte Trump den Chinesen „großes Bemühen“ in Bezug auf Nordkorea. Gleichzeitig habe man „in den letzten zwei, drei Stunden“ in Nordkorea „sehr ungewöhnliche Bewegungen“ registriert. Konkreter wurde Trump nicht.

          Afghanistan: Neue Soldaten?

          Der Abwurf von Amerikas größter nicht-atomarer Bombe auf ein Tunnelsystem der international operierenden Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) hatte in der vergangenen Woche auch Afghanistan für einen kurzen Moment wieder ins Zentrum der öffentlichen Debatte in den Vereinigten Staaten gerückt – auch wenn es vor allem der fragwürdige Beiname des Sprengkörpers („Mutter aller Bomben“) war, der die Schlagzeilen dominierte.

          Fest steht: Die Vereinigten Staaten haben noch rund 8400 Soldaten am Hindukusch stationiert, die afghanische Truppen sowohl im Kampf gegen den IS als auch gegen die radikalislamischen Taliban unterstützen sollen. Im Wahlkampf hatte Trump angekündigt, den IS „in Grund und Boden bomben“ zu wollen. Jetzt wird in Washington darüber spekuliert, ob Präsident und Pentagon bald neue Bodentruppen nach Afghanistan entsenden könnten.

          Im Wahlkampf beschimpfte Donald Trump China noch – jetzt findet er lobende Worte für den chinesischen Präsidenten Xi Jinping

          Syrien, Irak und Libyen: Prioritäten klar?

          Der Kampf gegen den IS, das betonte Trump am Donnerstag auf seiner Pressekonferenz, habe nicht nur in Afghanistan, sondern auch im Irak und vor allem in Syrien weiter oberste Priorität. „Wir haben keine andere Wahl, als die Welt des IS effektiv zu beseitigen“, so der amerikanische Präsident. „Ich sehe das als unsere wichtigste Aufgabe.“

          Auch in Libyen widme man sich weiter dem Kampf gegen den IS, habe dort darüber hinaus allerdings keine weiteren Pläne der Einmischung. „Ich sehe keine Rolle in Libyen“, so Trump. „Wir haben schon genug Rollen, wir haben Rollen überall.“

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