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Amerikanische Vorwahlen : Der Albtraum der Republikaner

Derzeit klar vorne: Präsidentschaftsbewerber Donald Trump Bild: AFP

Donald Trump könnte tatsächlich der Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden. Seine Konkurrenten zerlegen bislang vor allem sich selbst. Hillary Clinton hingegen hat sich ihren „Spaziergang“ zur Kandidatur sicher anders vorgestellt.

          Nach den republikanischen Vorwahlen im Bundesstaat Süd-Carolina steht mindestens eines fest: Ein dritter Bush wird nicht als Herr im Weißen Haus einziehen. Damit fällt auch der von vielen schon herbeigeträumte Kampf der Dynastien um das Präsidentenamt aus: Ein Duell Clinton-Bush wird es nicht geben.

          Jeb Bush, der frühere Gouverneur von Florida, Sohn von George H.W. Bush und Bruder von George W., der weniger extreme Liebling des Partei-Establishments mit entsprechend prall gefüllter Kriegskasse, hat abermals enttäuschend abgeschnitten. Dass er seinen Wahlkampf suspendiert, ist nur folgerichtig. Eine Fortsetzung hätte so ausgesehen, als glaube er an Wunder.

          Aber diese Wahlsaison steht nicht im Zeichen von Wundern, sondern des Verdrusses und des Zorns der Wähler auf Politik, Politiker und, ganz allgemein, auf die Eliten. Und deswegen hat der populistische Lautsprecher Donald Trump wieder gewonnen und kräftig Delegiertenstimmen gesammelt. Er wird zum Albtraum einer Partei, die mittlerweile den Gedanken nicht mehr als Blödsinn abtun kann, dass Trump tatsächlich der republikanische Präsidentenkandidat werden kann.

          Die Sache läuft für ihn nicht schlecht, und selbst eine Kontroverse mit dem Papst hat ihm nicht geschadet; in Süd-Carolina brauchte er negative Auswirkungen allerdings auch nicht erwarten. Wer heute auf Trump wettet, sieht jedenfalls nicht mehr aus wie jemand, der gerne Geld aus dem Fenster wirft.

          Rubio ist vielleicht die letzte Hoffnung

          Wer könnte Trump verhindern? Nunmehr sieht es so aus, als kämpften nur noch die Senatoren Rubio und Cruz um das Etikett „Alternative“. Der eine, Rubio, nicht ohne Schwächen, wenn unter Beschuss, ist vielleicht die letzte Hoffnung der Parteiführung, der andere, Cruz, ist der Prediger der Kompromisslosigkeit und der Hardcore-Konservativen, was ihn logischerweise im November nicht unbedingt zur ersten Wahl der Wechselwähler machen würde.

          Auf jeden Fall muss sich das Bewerberfeld schnell lichten, müssen die aussichtslosen Bewerber die Konsequenzen aus ihrer Aussichtslosigkeit ziehen. Denn sonst zerlegt sich das große Nicht-Trump-Lager – und das ist in der Mehrheit – immer wieder selbst.

          Und die Demokraten? Selbst im Kleinstaat Nevada hat Hillary Clinton ihren Widersacher Bernie Sanders nicht wirklich abschütteln können. Die frühere Außenministerin hat sich diesen Vorwahlkampf sicher anders vorgestellt, nicht als „Kampf“, sondern als Spaziergang. Die Zweifel an ihr verschwinden nicht.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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