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Mehr Verbrauch, mehr Emission : Amerika will Umweltauflagen für Autos lockern

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Neuer, größer, sicherer? Die amerikanische Regierung begründete ihre Entscheidung auch mit einer Erhöhung der Verkehrssicherheit. Bild: obs

Um den Verkauf anzukurbeln und die Fahrzeugsicherheit zu erhöhen, entschärft die Trump-Administration die unter Obama beschlossenen Umweltauflagen. Auf Bundesebene regt sich Widerstand.

          Die Regierung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump steuert auf eine deutliche Lockerung der Umweltauflagen für Autos zu. Die Umweltbehörde EPA und die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA veröffentlichten am Donnerstag Pläne, wonach die unter dem früheren Präsidenten Barack Obama eingeführten Standards für Spritverbrauch und Emissionen deutlich zurückgeschraubt worden sollen. Diese Normen seien für den Zeitraum nach 2020 „nicht mehr angemessen und vernünftig“.

          Die Behörden argumentieren, die von der Vorgängerregierung als Klimaschutzmaßnahmen festgelegten Standards machten die Fahrzeuge zu teuer und hielten viele Verbraucher folglich vom Kauf dieser Modelle ab. Sie schlagen deshalb vor, dass die Umweltnormen für Pkw und leichte Lkw bis zum Jahr 2026 auf dem von der früheren Regierung vorgesehenen Standard für das Jahr 2020 eingefroren werden.

          Dies bedeutet, dass bis 2026 für neue Modelle die Vorgabe eines Spritverbrauchs von einer Gallone pro 37 Meilen gelten soll. Dies entspricht etwa 6,3 Liter pro 100 Kilometer. Die bisherigen Effizienzstandards sehen hingegen vor, dass bis 2025 der Verbrauch auf 4,3 Liter pro 100 Kilometer zu sinken hat. Bei diesen Werten sind die unterschiedlichen Normen für Pkw und leichte Lkw zu einer Durchschnittszahl zusammengerechnet.

          „Kalifornien wird diese Dummheit bekämpfen“

          EPA und NHTSA rechneten jetzt vor, dass die Regeln aus der Obama-Zeit die Kosten für einen Neuwagen um durchschnittlich 2340 Dollar (etwa 2000 Euro) erhöhten. Sie argumentieren auch, die Absenkung der Umweltstandards werde die Zahl der Verkehrstoten deutlich senken, da sich dann mehr Verbraucher neue und sicherere Wagen leisten könnten.

          Der Anfang Juli wegen diverser Skandale zurückgetretene EPA-Chef Scott Pruitt hatte die Lockerung der Auto-Standards bereits im April in Aussicht gestellt, damals aber noch keine konkreten Pläne vorgestellt. Die neuen Standards sind aber auch jetzt noch nicht beschlossene Sache. In den nächsten Wochen werden die Behörden dazu Kommentare einholen und Anhörungen abhalten.

          Der juristische Kampf um die neuen Auto-Normen hat allerdings längst begonnen, bereits im Mai reichte der Bundesstaat Kalifornien dagegen Klage ein. „Kalifornien wird diese Dummheit auf jedem vorstellbaren und möglichen Weg bekämpfen“, erklärte Gouverneur Jerry Brown am Donnerstag bei Twitter zu den jetzt von den Bundesbehörden präzisierten Planungen.

          Die Pläne der Trump-Regierung zielen auch auf die Aushebelung einer Sonderregelung für Kalifornien ab. Sie erlaubt es dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat bislang, für sich selbst striktere Effizienzstandards für Autos festzusetzen als die landesweit geltenden Vorgaben.

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