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Iran-Konflikt : Amerika schickt weitere Soldaten in den Nahen Osten

  • Aktualisiert am

Der amtierende amerikanische Verteidigungsminister Patrick Shanahan kündigt am Montag in Washington die Truppenaufstockung für den Nahen Osten an. Bild: AP

Die Truppenverstärkung habe rein defensiven Charakter, sagte Verteidigungsminister Shanahan. Weitere Bilder sollen die These von Irans Schuld am Angriff auf zwei Öltanker untermauern.

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          Amerikas Präsident Donald Trump schickt im eskalierenden Konflikt mit Iran etwa 1000 weitere Soldaten in den Nahen Osten. Die Soldaten würden zu „Verteidigungszwecken“ in die Region entsandt, teilte der amtierende Verteidigungsminister Patrick Shanahan am Montag (Ortszeit) in Washington mit. Shanahan betonte zugleich: „Die Vereinigten Staaten streben keinen Konflikt mit Iran an.“

          Die Vereinigten Staaten machen Iran für die Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman am vergangenen Donnerstag verantwortlich. Teheran weist das zurück.

          Unmittelbar vor Shanahans Ankündigung versetzte Iran den Bemühungen der EU um eine Deeskalation der Krise im Nahen Osten einen erheblichen Dämpfer. Die Führung in Teheran kündigte an, bereits vom 27. Juni an einen Teil ihrer Verpflichtungen aus dem internationalen Atomabkommen nicht mehr zu erfüllen

          In der Mitteilung Shanahans hieß es, die jüngsten Angriffe bestätigten Geheimdienstinformationen über das feindselige Verhalten durch iranische Streitkräfte und ihre verbündeten Gruppen. Mit der Entsendung der zusätzlichen Truppen sollten amerikanische Soldaten und nationale Interessen in der Region geschützt werden.

          Zuletzt verschärften mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Der japanische Tanker „Kokuka Courageous“ und die „Front Altair“ aus Norwegen hatten am Donnerstag im Golf von Oman Notrufe abgesetzt, nachdem es bei beiden Schiffen an der Wasserlinie Explosionen gegeben hatte. Amerikas Präsident Trump wies Teheran die Verantwortung zu.

          Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran nehmen seit Monaten zu. Bereits Ende Mai hatten die Amerikaner ihre Truppen im Nahen Osten wegen der „anhaltenden Bedrohung“ durch iranische Kräfte um 1500 Soldaten verstärkt. Zuvor hatte das amerikanische Militär unter anderem einen Flugzeugträgerverband und eine Bomberstaffel in die Region verlegt, was Sorgen vor einem militärischen Konflikt aufkommen ließ.

          Das amerikanische Verteidigungsministerium veröffentlichte am Donnerstag neue Fotos zu den Angriffen auf die beiden Öltanker im Golf von Oman, die die Vorwürfe gegen iranische Revolutionsgarden belegen sollen. Die Bilder zeigen nach Pentagon-Angaben unter anderem das Loch, das eine Haftmine oberhalb der Wasserlinie in den Rumpf eines der Öltanker namens „Kokuka Courageous“ gerissen haben soll.

          Das am Montag vom amerikanischen Militär veröffentlichte Foto soll ein Loch zeigen, welches von einer Haftmine in die Hülle des Tankers „Kokuka Courageous“ gerissen worden sein soll.

          Ein weiteres der insgesamt elf neuen Fotos vom Montag zeigt nach amerikanischer Darstellung Rückstände einer weiteren, nicht explodierten Haftmine, die nach dem Angriff von Soldaten der Revolutionsgarden vom Schiffsrumpf entfernt worden sein soll, um Beweise zu vernichten. Auf einem von einem amerikanischen Hubschrauber aus aufgenommenen Foto soll das Schnellboot mit den Soldaten zu sehen sein, die die Mine entfernten.

          Das am Montag vom amerikanischen Militär veröffentlichte Foto soll Überreste einer nicht detonierten iranischen Haftmine an der Hülle des Tankers „Kokuka Courageous“ zeigen.
          Das am Montag vom amerikanischen Militär veröffentlichte Foto soll ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarden nach der Entfernung einer nicht detonierten Haftmine von der Hülle des Tankers „Kokuka Courageous“ zeigen.

          Bereits am Donnerstag hatte das Zentralkommando Centcom, das die amerikanischen Truppen im Nahen Osten führt, ein Video veröffentlicht, das die Entfernung der Haftmine zeigen sollte. Das Pentagon machte am Montag abermals Iran für die Angriffe verantwortlich. Als Begründung führte das Ministerium das Video an – und die „Ressourcen und Kenntnisse, die nötig sind, um die nicht explodierte Haftmine zu entfernen“.

          Die amerikanische Regierung hatte Iran schon am Tag der Angriffe für die Attacken verantwortlich gemacht. In der EU zeichnet sich aber keine geschlossene Unterstützung für die Haltung der Vereinigten Staaten ab.

          Die Vorfälle ereigneten sich einen Monat nach mutmaßlichen Sabotageakten gegen vier Schiffe vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate. Auch in diesen Fällen machten die Vereinigten Staaten Iran verantwortlich – und Teheran wies dies damals ebenfalls zurück.

          Auch die Spannungen rund um das von Trump im Mai 2018 einseitig aufgekündigte Atomabkommen mit Iran nahmen zuletzt zu. Die europäischen Vertragsstaaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien bemühen sich, das 2015 nach jahrelangen Verhandlungen geschlossene Atomabkommen zu bewahren. Iran erhöhte in diesem Zusammenhang den Druck auf die Europäer und drohte damit, sich in Kürze von Vorgaben des Abkommens zu verabschieden. Amerikas Regierung wiederum sprach daraufhin von einer „atomaren Erpressung“ und forderte, mehr Druck auf Iran auszuüben.

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