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Amerika in Aufruhr : Warum Trump im Chaos aufblüht

  • -Aktualisiert am

Amerikas Präsident Donald Trump Bild: dpa

Nach dem Rauswurf von FBI-Direktor Comey gibt sich Amerikas Präsident krawalliger denn je. Hat sich Donald Trump verkalkuliert? Oder nutzt ihm der selbst kreierte Trubel vielleicht sogar?

          Es ist kein Geheimnis, dass sich Donald Trump ausgiebig mit Umfrageergebnissen zu seiner Person befasst. „Ich bekomme sehr gute Noten für Außenpolitik“, freute er sich in dieser Woche im Gespräch mit dem Magazin „Time“. Dass seine generellen Beliebtheitswerte weiter sehr schlecht sind, sagte der Präsident nicht. Auch das alles andere als schmeichelhafte Ergebnis einer aktuellen Erhebung, wonach die ersten drei Begriffe, die Amerikanern einfallen, wenn sie an Donald Trump denken, „Idiot“ (Platz 1), „inkompetent“ (Platz 2) und „Lügner“ (Platz 3) sind, erwähnte er, wenig verwunderlich, mit keiner Silbe.

          Nach knapp vier Monaten im Amt steht nicht nur eine Mehrheit der Menschen in den Vereinigten Staaten ihrem neuen Präsidenten kritisch gegenüber, auch Trump selbst macht, zumindest auf den ersten Blick, einen immer unzufriedeneren Eindruck. So lobt er zwar seine eigene Arbeit („Ich weiß, dass ich erfolgreich bin“), beschwert sich aber gleichzeitig, dass ihm Gegner und Kritiker immer und überall Steine in den Weg legen würden („Es gibt so viel Gemeinheit da draußen“). Während viele Amerikaner Trump Realitätsverlust vorwerfen, fühlt sich der Präsident missverstanden und zunehmend unfair behandelt. Sein Weißes Haus gleicht einer Wagenburg im Dauer-Verteidigungsmodus.

          Irritation statt Zustimmung

          Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie groß der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung der Trumpschen Präsidentschaft ist, der Wirbel um die Entlassung von FBI-Direktor James Comey liefert ihn. Während Trump und seine Leute betonen, dass sie davon ausgegangen seien, mit dem Rauswurf des umstrittenen Behördenleiters breite Zustimmung zu ernten, schütteln selbst viele Parteifreunde irritiert und verärgert mit dem Kopf. Auch der Großteil der amerikanischen Bevölkerung hält Trumps Entscheidung aktuellen Umfragen zufolge für einen Fehler. Ein Präsident, der ausgerechnet den Mann feuert, der an der Spitze der Ermittlungen gegen das eigene Wahlkampfteam steht, ist in den Augen einiger politischer Analysten gar ein Skandal mit Watergate-Potential.

          Hat sich Trump verkalkuliert? Den Präsidenten und seinen engsten Zirkel scheint die negative Reaktion im Land kalt erwischt zu haben. Im Nachgang der Comey-Entlassung gibt sich Trump nun krawalliger denn je. Der von ihm geschasste FBI-Chef sei ein „Blender“ und „Effekthascher“ gewesen, empört er sich, und die „Fake-Medien“ hätten sowieso mal wieder keine Ahnung. Alle, die der Präsident nicht auf seiner Seite wähnt, bekommen ihr Fett weg. Vor allem ein Tweet in Richtung Comey, der, auch wenn das Weiße Haus später das Gegenteil behauptet, wohl als Einschüchterungsversuch verstanden werden muss, sorgt für Aufregung. „James Comey sollte besser hoffen, dass es keine ,Tonaufnahmen‘ von unserem Gespräch gibt, bevor er mit Durchstechereien an die Presse beginnt“, droht Trump dem ehemaligen FBI-Direktor.

          Zuvor hatte die Zeitung „New York Times“ berichtet, dass Trump bei einem Abendessen mit Comey im Januar dessen „Loyalität“ eingefordert habe. Comey aber habe, so soll er selbst später Vertrauten gesagt haben, nur „Ehrlichkeit“ angeboten und am Ende schließlich „ehrliche Loyalität“ zugesichert. Mehrmals wird Präsidentensprecher Sean Spicer am Freitag gefragt, ob das Weiße Haus dieses oder andere Gespräche im Oval Office heimlich aufgezeichnet habe. Er werde sich dazu nicht äußern, antwortet Spicer mehrmals. Ein Dementi sieht anders aus.

          Manche Demokraten nutzen die Gelegenheit, um mal wieder ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Trump ins Spiel zu springen. Die Abgeordneten Maxine Waters aus Kalifornien und Hakeem Jeffries aus New York fordern, dass man den Präsidenten „wegen Behinderung der Justiz“ drankriegen müsse. Bis zu einem sogenannten „Impeachment“ wäre es aber ein sehr weiter Weg, zumal die Demokraten im Kongress die Minderheit stellen. Der Abgeordnete Jared Huffman aus Kalifornien gibt sich trotzdem hoffnungsvoll und fordert die Republikaner auf, endlich „die Interessen des Landes vor die ihrer Partei“ zu stellen.

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