https://www.faz.net/-gpf-9dsei

Druck auf Pjöngjang : Amerika droht mit Wiederaufnahme von Manövern

  • Aktualisiert am

Südkoreanische und amerikanische Soldaten 2016 an der südkoreanischen Küste bei einem gemeinsamen Manöver. Bild: AFP

Ein streitlustiger Brief aus Nordkorea soll Präsident Trump dazu gebracht haben, die Reise seines Außenministers Pompeo in das Land abzusagen. Verteidigungsminister Mattis kündigt unterdessen das Ende einer „Geste guten Willens“ an.

          Die plötzliche Absage der Nordkorea-Reise des amerikanischen Außenministers Mike Pompeo ist amerikanischen Medien zufolge die Reaktion auf einen scharf formulierten Brief aus dem abgeschotteten Staat. Darin werde der Regierung der Vereinigten Staaten mangelnde Bereitschaft vorgeworfen, die Erwartungen des Nordens bezüglich eines Friedensvertrags zu erfüllen, berichtete CNN am Dienstag unter Berufung auf Insider.

          Dem Schreiben nach stünden die Atomgespräche auf der Kippe und könnten scheitern. Dann könnte Nordkorea seine Atom- und Raketenaktivitäten wieder aufnehmen. Zuvor hatte die „Washington Post“ amerikanische Vertreter zitiert, denen zufolge das Schreiben so streitlustig gewesen sei, dass sich Präsident Donald Trump und Pompeo zur Absage entschlossen hätten.

          „Keine Pläne, weitere Manöver auszusetzen“

          Wie am Dienstag bekannt wurde, behalten sich die Vereinigten Staaten zudem eine Wiederaufnahme ihrer Militärmanöver bei Nordkorea vor, die sie zwischenzeitlich ausgesetzt hatten. Es gebe „keine Pläne, weitere Manöver auszusetzen“, sagte Verteidigungsminister Jim Mattis am Dienstag im Pentagon in Washington. Die Aussetzung sei eine „Geste des guten Willens“ gegenüber Nordkorea gewesen.

          Trump hatte bei seinem Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un am 12. Juni überraschend angekündigt, die von Kims Regierung stets scharf kritisierten Manöver mit Südkorea zu „beenden“.

          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un beim Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Singapur

          Pompeo hatte die für diese Woche geplante Reise nach Nordkorea am Donnerstag angekündigt. Mit ihr sollte auch der neue amerikanische Nordkorea-Beauftragte Stephen Biegun seine Arbeit aufnehmen. Trump sagte den Besuch jedoch am am Freitag über Twitter ab und begründete das mit ausbleibenden Fortschritten bei der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel. „Ich habe das Gefühl, wir machen nicht ausreichend Fortschritte in Bezug auf die atomare Abrüstung“, twitterte Trump.

          CNN zufolge hatte Pompeo zuvor den Brief des ehemaligen Chefs des nordkoreanischen Geheimdienstes Kim Yong-chol erhalten. Das Präsidialamt der Vereinigten Staaten verwies für eine Stellungnahme zu dem Bericht auf das Außenministerium, das sich zunächst nicht äußerte.

          „Doppeltes Spiel“

          Mit der Absage der Reise gestand Trump erstmals öffentlich ein, dass seine Bemühungen, Nordkorea von dessen Atomprogramm abzubringen, seit dem Gipfel mit Machthaber Kim Jong-un im Juni auf der Stelle treten. Die staatliche Zeitung „Rodong Sinmun“ warf der amerikanischen Regierung am Sonntag ein „doppeltes Spiel“ vor. Während diese sich vordergründig um Dialog bemühe, engagiere sie sich zugleich in geheimen Militärübungen. So bereiteten sich in Japan stationierte amerikanische Spezialeinheiten auf einen Überfall auf die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang vor.

          Das Verteidigungsministerium in Tokio erklärte am Dienstag, Nordkoreas militärische Aktivitäten stellten immer noch die größte Bedrohung für Japan dar. In einem veröffentlichten Weißbuch heißt es, es gebe „keinen Wandel in unserer grundlegenden Beurteilung der Bedrohung durch Nordkoreas Atomwaffen und Raketen“. Pjöngjang bedrohe weiterhin „erheblich“ den „Frieden und die Sicherheit in der Region und der internationalen Gemeinschaft“.

          Der Streit über das nordkoreanische Atomwaffen- und Raketenarsenal gilt als einer der gefährlichsten Konflikte der Welt. Seit Jahren versucht die internationale Gemeinschaft, die Führung in Pjöngjang zum Verzicht auf die atomare Aufrüstung zu bewegen.

          Weitere Themen

          Demokraten wollen Leid an der amerikanischen Grenze lindern Video-Seite öffnen

          Katastrophale Zustände : Demokraten wollen Leid an der amerikanischen Grenze lindern

          An der Grenze zu Mexiko herrschen wegen der gestiegenen Einwandererzahlen katastrophale Zustände in den Auffangeinrichtungen der amerikanischen Grenzbehörde. Ein Gesetz der Demokraten bewilligt insgesamt 4,5 Milliarden Dollar, um die Situation zu verbessern. Trump überlegt, ein Veto einzulegen.

          Topmeldungen

          Seit mehr als einer Woche sitzt Stephan E. bereits in der JVA Kassel I im Gefängnis. Nun soll er dem Mord an Walter Lübcke gestanden haben.

          Sitzung des Innenausschuss : Stephan E. gesteht Mord an Lübcke

          Der dringend Tatverdächtige Stephan E. hat gestanden, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet zu haben. Das bestätigte Bundesinnenminister Seehofer. E. habe ausgesagt, allein gehandelt zu haben.

          Streit um May-Nachfolge : Johnson schlägt zurück

          Boris Johnson stand im Verdacht, den Medien ausweichen zu wollen, nun stellt er sich ihnen jedoch immer öfter. Das zeigt aber auch, dass er ins Stocken gerät, wird er auf exakte Zahlen und Fakten angesprochen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.