https://www.faz.net/-gpf-8m5b6

Vor dem zweiten TV-Duell : Die Skandale und Lügen von Trump und Clinton

  • -Aktualisiert am

In der Nacht zum Montag treten Clinton und Trump zum zweiten Mal gegeneinander an Bild: AP

Jetzt beherrscht Trumps Video-Skandal die Debatte, aber auch Hillary Clinton hat mit Skandalen zu kämpfen und wurde beim Lügen ertappt. FAZ.NET zeigt vor der zweiten Fernsehdebatte die größten Schwachpunkte der Präsidentschaftskandidaten.

          7 Min.

          Donald Trump

          Der 70 Jahre alte Unternehmer und Milliardär verfügt über keine politische Erfahrung. Ein vermeintlicher Vorteil, da man ihm so keine Fehler vergangener Legislaturperioden vorhalten kann. Doch diesen Vorteil verspielt er mit seinem Auftreten.

          Sexismus und Hetze gegen Minderheiten

          Zwei Tage vor der nächsten Fernsehdebatte sorgt ein von der Washington Post veröffentlichtes Video mit obzönen und sexistischen Prahlereien von Trump über sein Auftreten und seine Wirkung bei Frauen für Aufruhr. Auch führende republikanische Politiker distanzieren sich so stark wie nie zuvor von Trump, der sich in dem Mitschnitt de facto mit der sexuellen Belästigung auch verheirateter Frauen brüstet.

          Amerikanische Medien sprechen von einer „Bombenexplosion“ im Wahlkampf, die Trumps Chancen auf einen Wahlsieg am 8. November dramatisch sinken ließen.

          Die Aufzeichnung stammt aus dem Jahr 2005, und der damals bereits mit seiner jetzigen Frau Melania verheiratete Trump ist mit der drastischen Beschreibung eines Versuches zu hören, eine andere Frau zu verführen.

          „Ich habe mich an sie rangemacht, bin aber gescheitert“, sagt er. Er habe versucht, „sie zu ficken. Sie war verheiratet.“ Er habe sich hemmungslos (“like a bitch“) an sie rangemacht, aber ohne Erfolg.

          Der republikanische Kandidat Donald Trump fällt durch Rassismus und politische Planlosigkeit auf

          Der Milliardär fährt dann fort, dass er sich „automatisch“ zu schönen Frauen hingezogen fühle. „Ich fange einfach an, sie zu küssen (...). Ich warte nicht einmal. Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Du kannst alles machen.“ Er könne sogar Frauen zwischen den Beinen begrapschen (und sie ließen es geschehen).

          Seit seiner Antrittsrede hetzt der republikanische Kandidat auch gegen Latinos, Schwarze und Muslime und äußerte sich auch schon vor der Veröffentlichung des Skandal-Videos immer wieder sexistisch gegenüber Frauen.

          Damit wird er für einen großen Teil der amerikanischen Gesellschaft praktisch unwählbar. In Zeiten immer wieder ausbrechender Rassenunruhen ist Donald Trump kein Kandidat, der die Gesellschaft einen und befrieden könnte.

          Mit seinen rassistischen Hasstiraden hetzt er die Bürger gegeneinander auf. Am Rande seiner Wahlkampfauftritte kam es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern Trumps. Eine nicht repräsentative Umfrage unter amerikanischen Lehrern zeigte zudem, dass die Äußerungen Trumps bereits einen Effekt auf Schulkinder hätten. Demnach berichteten die Lehrer, muslimische und lateinamerikanische Schüler litten verstärkt unter Mobbing.

          Politische Agenda und Erfahrung

          Trump hat noch kein politisches Amt bekleidet und erweckt häufig den Eindruck, als verfüge er zudem über kein politisches Wissen. Er argumentiert, Amerika gehe es sehr schlecht und er werde es wieder großartig machen. Aber wie?

          In seiner Grundsatzrede zur geplanten Außenpolitik konnte man keine klare Linie erkennen. Obama habe alles falsch gemacht, was man nur hätte falsch machen können. Er hingegen werde als Präsident Nato-Partner für amerikanische Verteidigungslasten zur Kasse bitten. Ansonsten würde Amerika sie nicht mehr beschützen. Er spricht sich gegen militärische Interventionen aus, sagte aber bei der ersten TV-Debatte der Präsidentschaftskandidaten: „Ich denke, wir sollten die Nato dazu bringen, mit uns in den Mittleren Osten zu gehen. Zusätzlich zu umliegenden Ländern, und wir müssen die Hölle aus dem IS rausprügeln.“

          Außerdem möchte er die Streitkräfte neu aufbauen, denn „unsere militärische Dominanz darf künftig von niemandem infrage gestellt werden.“ Doch mit Russland werde man versuchen, freundschaftliche Beziehungen aufzubauen. Allerdings sagte er auch: „Wenn wir unter meiner Amtsführung keinen Deal mit Russland machen können - einen Deal, der großartig wäre für Amerika und auch gut für Russland - dann würden wir den Verhandlungstisch ganz schnell verlassen. So einfach ist das.“ Soweit so gut.

          Weitere Themen

          Offene Worte an einen guten Freund?

          Erdogan bei Trump : Offene Worte an einen guten Freund?

          Trotz diplomatischer Reibereien dürfte Donald Trump den türkischen Präsidenten Erdogan in Washington herzlich empfangen. Aber bei dem Besuch könnte es auch um Menschenrechtsverletzungen gegen Kurden gehen, für die die Amerikaner Videobeweise haben sollen.

          Topmeldungen

          Seit September 2017 gilt das WLTP, ein weltweit harmonisiertes Prüfprogramm. Hier eine Abgasprüfung beim TÜV Rheinland.

          Das Grenzwert-Drama : 95 Gramm

          Von 2020 an dürfen Neufahrzeuge in Europa im Schnitt nur noch vier Liter Benzin oder dreieinhalb Liter Diesel verbrauchen. Wie es zu einem Grenzwert kam, der die Grenzen der Physik sprengt.
          Motorrad-Taxi in der Hauptstadt Yaounde

          Bevölkerungswachstum in Afrika : Kinder als Altersvorsorge

          Kamerun gilt als „Afrika im Kleinen“. Dort lässt sich beobachten, weshalb die Bevölkerung des Kontinents so schnell wächst. Der Gefahren dieser Entwicklung ist sich kaum jemand bewusst.

          Erwärmung der Arktis : Das letzte Eis schmilzt schneller

          Auch Alter und Masse schützen nicht vor dem Klimaschock: Das älteste und dickste Eis – das Walrossen und Eisbären als letzte Refugien dienen soll – schmilzt doppelt so schnell wie der Rest. Die Hitze am Pol ist nicht der einzige Grund.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.