https://www.faz.net/-gpf-8m5b6

Vor dem zweiten TV-Duell : Die Skandale und Lügen von Trump und Clinton

  • -Aktualisiert am

Die Wall Street

Die Königin des Spendensammelns steht bei vielen Wählern im Ruf, korrupt zu sein. Seit der Amtszeit ihres Mannes pflegt sie enge Kontakte zur amerikanischen Börse, die ihre Wahlkämpfe finanziell unterstützte. Geld von der Wall Street ist im amerikanischen Wahlkampf nicht außergewöhnlich und ist erst seit dem Immobiliencrash und der folgenden schweren Finanzkrise 2008 ein Problem.

Laut dem Center for Responsive Politics sammelte Clinton zwischen 1999 und 2016 insgesamt 400 Millionen Dollar Spendengeld für ihre Wahlkämpfe. Dabei sind drei ihrer fünf größten Geldgeber die Wall Street Banken Goldman Sachs, Citibank und JP Morgan. Im Jahr 2013 soll Clinton für drei Reden auf einer geschlossenen Veranstaltung bei Goldman Sachs 675.000 Dollar erhalten haben. Das zeigten ihre veröffentlichte Steuererklärung sowie Recherchen amerikanischer Medien.

Darüber hinaus verfügt sie über persönliche Beziehungen zu mächtigen Wall Street Bankern. Lloyd Blankfein, Chef und Präsident von Goldman Sachs, gilt als einer ihrer treuen Unterstützer. Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, ist ebenfalls langjähriger Unterstützer der Demokraten und unterstützte sowohl Hillarys wie auch Bills Wahlkämpfe.

E-Mail Affäre und Bengasi-Anschlag

In ihrer Zeit als Außenministerin versendete Clinton dienstliche E-Mails von einem privaten Telefon sowie einem privaten Server im Keller ihres Familienhauses. Aus Sicherheitsgründen ist es eigentlich vorgesehen, verschlüsselte Regierungsserver und E-Mail Adressen zu verwenden. Laut Vorschrift müssen ebenfalls alle amtlichen E-Mails auf Speichern des Ministeriums aufbewahrt oder ausgedruckt und archiviert werden. Darüber hinaus hätte sie nach ihrer Amtszeit berufliche Dokumente an das Ministerium übergeben müssen, was sie ebenfalls nicht tat. Clinton erweckt den Eindruck, sie stelle sich bewusst über das Gesetz. Das missfällt vielen Amerikanern.

Die Sache sei zwar ein dummer Fehler gewesen, aber nicht mehr, reagierte sie mit Verspätung auf die Vorwürfe. Sie habe aus Bequemlichkeit gehandelt. Erst nachdem Untersuchungen zu der Terrorattacke auf das amerikanische Konsulat im libyschen Bengasi begannen, händigte Clinton tausende E-Mails aus. Ihr wird vorgeworfen, keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen zu haben, um den Angriff zu verhindern. Bei dem Angriff starben vier Amerikaner, unter ihnen der amerikanische Botschafter Christopher Stevens.

In zahlreichen Untersuchungsausschüssen konnte Clinton jedoch keine Schuld nachgewiesen werden. Angehörige zweier Opfer verklagten sie dennoch und nennen es „sehr wahrscheinlich“, dass Clintons nachlässiger Umgang mit den E-Mails es den Tätern ermöglicht habe, den Angriff auszuführen.

Am Freitag stellte Wikileaks nun den ersten Teil einer riesigen Dokumentensammlung ins Netz, die E-Mail-Korrespondenzen von Clintons Wahlkampfchef John Podesta umfassen soll.

Unehrlichkeit

Clinton stellt sich gerne als Vertreterin der Durchschnittsamerikaner dar. Jedoch hält über die Hälfte der Amerikaner sie für unehrlich. Mittlerweile scheint es unwichtig, welch rationale Gründe sie hatte, gewisse Dokumente nicht zu veröffentlichen. Es wirkt für viele immer so, als wolle sie etwas vertuschen. Clinton weigerte sich der Forderung nachzugeben, die Transkripte ihrer sehr gut bezahlten Rede bei Goldman Sachs zu veröffentlichen.

Sie werde es machen, wenn andere Politiker ebenfalls derartige Reden veröffentlichten. Laut Recherchen amerikanischer Medien habe sie in den Reden ein Loblied auf die Banken gesungen, was bei einer Gage von einer halben Millionen Dollar zu erwarten ist. Dennoch wirken dadurch ihre Aussagen scheinheilig, die Wall Street regulieren zu wollen.

Auch in der E-Mail Affäre log sie nachweislich. Ihr Image hat sie damit derart ramponiert, dass selbst eine verhältnismäßig kleine Lüge, wie die über ihren Gesundheitszustand nach dem Zusammenbruch auf der Trauerfeier zu den Terroranschlägen vom 11. September, Stimmen kosten kann und die Wähler verärgert.

Weitere Themen

Lob aus republikanischem Munde

Impeachment-Prozess : Lob aus republikanischem Munde

Die Ankläger Donald Trumps im Amtsenthebungsverfahren machen ihre Sache so gut, dass ihnen sogar einer der wichtigsten Unterstützer Trumps Anerkennung zollt.

Topmeldungen

In den Krankenhäusern in Wuhan arbeiten die Mediziner auf Hochtouren, um dem Ansturm an Patienten gerecht zu werden.

Coronavirus : Mittlerweile mehr als 40 Tote in China

Die Zahl der bekannten Infektionen hat sich seit gestern auf knapp 1300 Fälle verdreifacht. Die Toten beschränken sich mittlerweile nicht mehr nur auf die Region um Wuhan.
Helikopter über den Schweizer Alpen auf dem Weg nach Davos: In einem sitzt der amerikanische Präsident Donald Trump.

Davos : Jahr der Megatrends

In Deutschland besteht eine verhängnisvolle Neigung zu glauben, wer die Welt verändern wolle, müsse in erster Linie moralisieren. Die Wirtschaft ist aber nicht der natürliche Feind der Klimapolitik. Das zeigte sich gerade in Davos.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.