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Amerikas First Lady : Desperate White-House-Wife

  • -Aktualisiert am

Melania Trump unterwegs zu einem Familienwochenende in Florida Bild: Reuters

Dass Melania Trump zunächst nicht nach Washington gezogen ist, können viele Amerikaner verstehen. Gleichzeitig sind sie irritiert, dass sie als First Lady kaum in Erscheinung tritt. Hat sie keine Lust auf ihre neue Rolle?

          Es ist ja nicht so, dass man Melania Trump nach der Amtseinführung ihres Mannes gar nicht mehr gesehen hätte. Auf dem aktuellen Cover der mexikanischen Ausgabe der Zeitschrift „Vanity Fair“, die man natürlich auch in den Vereinigten Staaten kaufen kann, lächelt die Ehefrau des neuen amerikanischen Präsidenten geneigten Lesern zu, während sie - warum auch immer - Juwelen auf eine Gabel dreht.

          Ansonsten aber blieb sie in den letzten zwei Wochen tatsächlich weitgehend unsichtbar. Während Donald im Weißen Haus eine Verordnung nach der anderen unterzeichnete, ließ sich Melania, die bereits einen Tag nach der Inauguration zurück nach Manhattan in den „Trump Tower“ gereist sein soll, öffentlich nicht mehr blicken.

          Das muss sie selbstverständlich auch nicht, schließlich bekleidet sie als „First Lady“ kein offizielles Amt. Die Erwartungshaltung in Amerika ist trotzdem enorm. Es gilt die Fußstapfen von starken und einflussreichen Frauen wie Nancy Reagan, Jackie Kennedy oder Michelle Obama zu füllen.

          Aus Rücksicht auf ihren zehn Jahre alten Sohn Barron, der zunächst das Schuljahr in New York abschließen solle, hatte sich Frau Trump bereits unmittelbar nach der Wahl entschieden, vorerst nicht nach Washington zu ziehen. Manche Kommentatoren wunderten sich über diesen ungewöhnlichen Schritt, schließlich hatten andere Präsidenten ihre schulpflichtigen Kinder gleich bei Amtsantritt mitgebracht, doch es gab auch viel Lob. Eine Mutter, die vor allem das Wohl ihres Kindes im Blick hat – dafür hatten viele Amerikaner Verständnis.

          Im Weißen Haus stapeln sich unbeantwortete Anfragen

          Inzwischen allerdings dreht sich die Stimmung im Land, denn es wirkt so, als interessiere sich Melania überhaupt nicht für ihre neue Rolle. Zwar hat sie in dieser Woche mit Lindsay Reynolds endlich eine Stabschefin eingestellt, doch noch immer sind viele wichtige Positionen in ihrem Büro unbesetzt. Wie die „New York Times“ berichtet, stapeln sich im East Wing des Weißen Hauses bereits tausende unbeantwortete Anfragen.

          Auch bleibt weiterhin unklar, ob und wenn ja welchen gesellschaftlichen Themen sich die neue First Lady widmen wird. Vor der Wahl deutete sie mehrmals an, sich vor allem für Opfer von Cyber-Mobbing einsetzen zu wollen. Das ist insofern bemerkenswert, als dass ihr eigener Ehemann seine Gegner nach wie vor am liebsten via Twitter beleidigt. Entsprechend groß sind Häme und Spott.

          Nein, die gebürtige Slowenin hat es nicht leicht. Unvergessen bleibt ihre Ansprache auf dem Parteitag der Republikaner im Juli, die in großen Teilen von ihrer Vorgängerin Michelle Obama abgekupfert war. Trumps Redenschreiberin bat um Entschuldigung für das Plagiat, Melania treffe keine Schuld. Peinlich war es trotzdem.

          Strohwitwer Trump

          Nun also ihr seltsam stiller Start als Präsidentengattin. „Es ist noch nicht viel Zeit seit der Inauguration vergangen“, wirbt Melanias Beraterin Stephanie Winston Wolkoff für Verständnis. „Die First Lady nimmt ihre Rolle auf eine pragmatische und wohlüberlegte Weise an, die sie einzigartig und authentisch macht.“

          Und ja, ab Sommer werde Melania zusammen mit dem Präsidenten im Weißen Haus wohnen, das Pendeln zwischen Washington und New York aber nicht aufgeben, so Wolkoff. Ob er einsam sei in seinem neuen Zuhause, wurde Donald Trump bereits gefragt. „Nein, ich arbeite einfach länger“, so die Antwort des Strohwitwers

          Unter dem Hashtag #SadMelania sammeln User Bilder, auf denen die Präsidentengattin unglücklich aussieht.

          Viele Amerikaner wissen derweil nicht, was sie von Melania Trump halten sollen. Einer Gallup-Umfrage zufolge hat sich ein Viertel der Befragten bisher keine Meinung über das frühere Model gebildet. Ihre Zustimmungsrate liegt mit 37 Prozent deutlich unter den Werten anderer First Ladys zu einem vergleichbaren Zeitpunkt. Das allerdings dürfte auch mit den historisch schlechten Beliebtheitswerten ihres Mannes zusammenhängen.

          Hat sie einfach keine Lust auf Charity und Co.?

          Überhaupt machen viele Beobachter den Präsidenten für Melanias unglückliche Auftritte verantwortlich. Im Internet kursieren Fotos und Videos, die belegen sollen, wie schlecht Trump seine Frau behandelt. Unter dem Hashtag #SadMelania macht vor allem ein Clip von den Amtseinführungsfeierlichkeiten die Runde, in dem der 46 Jahre alten Melania für einen kurzen Moment die Gesichtszüge entgleisen, als der Präsident irgendetwas in ihre Richtung sagt.

          Auffällig ist, dass Trump seine erwachsenen Kinder viel intensiver in seinen politischen Terminkalender einbindet als seine Frau. Als Trump am Mittwoch in Delaware eine Gedenkfeier für einen gefallenen Soldaten besuchte, begleitete ihn Tochter Ivanka. Als er am Abend zuvor den neuen Supreme-Court-Richter Neil Gorsuch vorstellte, waren seine Söhne Eric und Donald Junior mit von der Partie.

          Vielleicht hat Melania Trump ja aber auch einfach keine Lust, eine politisch aktive First Lady zu sein. Auf dem Flughafen von West Palm Beach in Florida wartete sie am Freitagnachmittag am Fuß der Gangway der „Air Force One“ auf ihren Ehemann. Hand in Hand spazierten die Trumps ins gemeinsame Familienwochenende. Videoaufnahmen belegen: Melania hat gelächelt.

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