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Trumps Ausfälle : Aus der Bauchhöhle

Donald Trump liegt sehr gut im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Irgendwann aber wird Schluss sein. Die Mehrheit der amerikanischen Wähler wird keinen Kandidaten ins Weiße Haus befördern, der allen Muslimen die Einreise verweigern will.

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          Diejenigen, die ihm zu Füßen liegen, begründen ihre Begeisterung so: Er sagt, wie es ist. Und was hat Donald Trump, die Grobheit in Person, bisher nicht alles gesagt? Wen hat er nicht alles beleidigt, welche Gruppe hat er nicht verunglimpft? Doch jedes Mal, wenn der Milliardär und Antipolitiker, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden will, wieder eine Handgranate geworfen hat, blicken seine Fans nicht betreten zu Boden, sondern brechen in Jubel aus. Und: Seine Umfragewerte gehen nicht zurück, sie sind stabil geblieben oder noch gestiegen. Trump liegt nach wie vor gut, ja sehr gut im Rennen; seine Konkurrenten, die dem Parteiestablishment zugerechnet werden, sind weit abgeschlagen.

          Das Phänomen Trump hat den Sommer und den Herbst überdauert - möglich, dass ihn viele republikanische Wutwähler auch über die ersten Vorwahlen tragen. Geld genug hat er ja, und bislang zahlt sich Krawall aus.

          Irgendwann aber wird Schluss sein, wird auch der Furor nicht mehr zünden. Die Mehrheit der amerikanischen Wähler wird keinen Kandidaten ins Weiße Haus befördern, der Spaltung zum Programm erhebt und allen Muslimen die Einreise verweigern will (solange nicht klar sei, woher der Hass auf Amerika komme). Fehlen noch die Internierungslager. Kommt vielleicht noch.

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          Die Reaktion der Konkurrenten, der alten Garde und des politischen Gegners fiel erfreulich einhellig aus; sie reichte von „verwirrt“ bis „faschistischer Demagoge“. Spricht Trump seinen Fans auch mit dieser maximale Aufmerksamkeit erheischenden Eingebung aus der schwarzen Seele?

          Viele Amerikaner sind verunsichert

          Unmittelbar nach „9/11“ suchte der damalige Präsident Bush einige Moscheen auf. Er beeilte sich, den amerikanischen Muslimen zu versichern, dass er die Vereinigten Staaten nicht im Krieg mit dem Islam sehe. Das war nach dem „Angriff auf Amerika“. Wie leicht wäre es gewesen, diesen Monsteranschlag in das Theorem vom Zusammenprall der Zivilisationen einzubetten. Aber Bush unterschied zwischen Muslimen und islamistischen Terroristen.

          Solche Mörder haben jetzt wieder Anschläge verübt; einige wurden gesteuert, andere handelten auf eigene Faust als Teil des weltweiten Dschihads. Viele Amerikaner sind verunsichert angesichts der Taten radikalisierter Muslime. Natürlich. Aber derjenige, der behauptet, das Zeug zu haben, ihr Präsident zu sein, sollte diese Verunsicherung nicht durch unamerikanische Parolen verschlimmern.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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