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Fall Khashoggi : Trump verlangt von Saudi-Arabien Auskunft

  • Aktualisiert am

Verschwunden: Jamal Khashoggi im Dezember 2014 in Bahrain Bild: AFP

Einem Zeitungsbericht zufolge sollen saudische Behörden versucht haben, dem Journalisten Jamal Khashoggi eine Falle zu stellen. „Wir wollen alles wissen“, sagt der amerikanische Präsident.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat von Saudi-Arabien Auskunft über das Schicksal des in der Türkei verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi verlangt. Er habe „auf höchster Ebene“ mit Vertretern Saudi-Arabiens gesprochen, sagte Trump am Mittwoch. „Wir wollen alles wissen.“ Einem Medienbericht zufolge sollen die Vereinigten Staaten im Vorfeld Hinweise auf eine anstehende Verschleppung Khashoggis gehabt haben. Außerdem soll Kronprinz Mohammed bin Salman selbst eine Operation gegen den Journalisten angeordnet haben.

          Die amerikanische Regierung könne „nicht zulassen“, dass so etwas „einem Reporter“ oder „irgendjemandem“ passiere, sagte Trump. Washington sei „sehr enttäuscht“ und werde der Sache „auf den Grund gehen“. Saudi-Arabien ist für die Vereinigten Staaten ein strategisch wichtiger Partner – und ein wichtiger Absatzmarkt für Rüstungsgüter.

          Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte, Trumps Sicherheitsberater John Bolton, Außenminister Mike Pompeo und Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner hätten in den vergangenen zwei Tagen mit dem saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman über den Fall gesprochen. Sie hätten um „weitere Einzelheiten“ zu dem Fall gebeten und eine „transparente“ Untersuchung angemahnt.

          Türkische Ermittler hegen den Verdacht, dass Khashoggi am Dienstag vergangener Woche beim Besuch des saudischen Konsulats in Istanbul ermordet wurde. Saudi-Arabien weist die Verdächtigungen zurück, ist aber bisher den Beweis schuldig geblieben, dass Khashoggi das Konsulat wieder lebend verließ. Am Dienstag stimmte Saudi-Arabien zu, dass die türkische Polizei das Konsulat durchsucht. Bisher fand die Durchsuchung aber nicht statt.

          Der Fall sorgt seit Tagen international für Aufsehen. Khashoggi war im September 2017 aus Furcht vor einer Festnahme in die Vereinigten Staaten ins Exil gegangen, wo er unter anderem für die „Washington Post“ schrieb. Drei Tage vor seinem Verschwinden äußerte er in einem Interview mit der BBC die Sorge, bei einer Rückkehr nach Saudi-Arabien festgenommen zu werden.

          Die „Washington Post“ berichtete am Mittwoch, saudische Offizielle seien von den amerikanischen Geheimdiensten dabei abgehört worden, wie sie Pläne besprochen hätten, Khashoggi aus dem Bundesstaat Virginia „wegzulocken“ und festzusetzen. Die Zeitung beruft sich dabei auf Regierungsvertreter.

          Die „Washington Post“ schrieb zudem unter Berufung auf Freunde Khashoggis, ranghohe saudiarabische Vertreter hätten dem Journalisten Schutz oder sogar einen wichtigen Regierungsposten angeboten, sollte er in seine Heimat zurückkehren. Khashoggi sei aber misstrauisch gewesen.

          Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums bestritt, dass die Regierung Hinweise auf eine konkrete Bedrohung für Khashoggi gehabt habe. Er könne zwar keine Angaben über Geheimdienstinformationen machen, sagte Sprecher Robert Palladino. „Ich kann aber definitiv sagen, dass wir im Voraus kein Wissen über das Verschwinden von Herrn Khashoggi hatten.“

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