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Trump und Kim Jong-un : Gipfeltreffen in der „Oase der Ordnung“

Kim Jong-un und Donald Trump (Fotomontage) Bild: AFP

Es soll ein historischer Gipfel werden. Nun steht der Ort für ein Treffen zwischen Trump und Kim Jong-un fest: Singapur erscheint ideal – denn der Stadtstaat hat Erfahrung mit heiklen politischen Begegnungen.

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          Nach langer Vorplanung stehen Ort und Zeit des Gipfeltreffens zwischen Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un fest. Wie der amerikanische Präsident am Donnerstag über Twitter ankündigte, soll es am 12. Juni in Singapur stattfinden. Die Regierung des tropischen Stadtstaats reagierte auf die lang erwartete Ankündigung mit einer kurzen Stellungnahme. Singapur sei „erfreut“, den historischen Gipfel ausrichten zu dürfen. „Wir hoffen, das Treffen wird die Aussichten auf Frieden auf der koreanischen Halbinsel befördern“, hieß es in der Mitteilung des Außenministeriums. Das klang dann doch etwas zurückhaltender als in dem Tweet Trumps, in dem er von „einem besonderen Moment für den Weltfrieden“ gesprochen hatte. 

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Donald Trumps Berater sollen auf Singapur als Austragungsort gedrängt haben. Tatsächlich erscheint der südostasiatische Stadtstaat, der für seine Ordnung und seine strengen Gesetze bekannt ist, als fast idealer Gipfelort. Eine entscheidende Rolle dürfte gespielt haben, dass der Stadtstaat wohl in Reichweite des nordkoreanischen Staatsflugzeugs liegt. Trump kann sich in der hochmodernen Metropole außerdem Hoffnung auf schöne Bilder vor beeindruckender Kulisse machen. Mit seinem hoch entwickelten Sicherheitsapparat kann Singapur auch garantieren, dass es nicht zu unvorhergesehenen Zwischenfällen kommt.

          Darüber hinaus gilt Singapur politisch als weitgehend „neutral“. Das heißt, dass der Stadtstaat zwar enge Beziehungen zu Amerika unterhält, aber allein durch die historischen Verbindungen schon immer einen besonderen Draht nach Peking hatte (rund Dreiviertel der Einwohner sind ethnische Chinesen). Auch das Treffen zwischen Xi Jinping und Ma Ying-jeou, das erste eines chinesischen Staatschefs mit einem hohen Repräsentanten Taiwans, im Jahr 2015 hatte aus ähnlichen Gründen in Singapur stattgefunden. Der Stadtstaat hat also auch Erfahrung mit heiklen politischen Treffen.

          Singapur pflegt diplomatische Beziehungen zu Pjöngjang

          Hinzu kommt, dass Anfang Juni auch der Shangri-La-Dialog in Singapur abgehalten wird, das alljährlich stattfindende, wichtigste Sicherheitsforum Asiens. Dazu reisen bereits diverse Regierungschefs, Minister und Militärs an. Die hochkarätige Konferenz findet stets unter sehr hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. In diesem Jahr hat Singapur außerdem den Vorsitz über die Vereinigung der südostasiatischen Staaten (Asean) inne und veranstaltet in diesem Zusammenhang mehrere weitere Gipfeltreffen. 

          Die südostasiatische Finanzmetropole pflegt darüber hinaus auch diplomatische Beziehungen zu Pjöngjang. In Singapur gibt es eine nordkoreanische Botschaft. Bis vor ein paar Jahren durften Nordkoreaner sogar ohne Visum in Singapur einreisen. Der reiche Stadtstaat gehörte in den Vorjahren auch zu den zehn wichtigsten Handelspartner Nordkoreas. Im Zuge der UN-Sanktionen gegen Nordkorea hat Singapur die Handelsbeziehungen allerdings ausgesetzt.

          Doch auch das Verhältnis Singapurs zu den Vereinigten Staaten ist nicht frei von Irritationen. Als wichtiger Handelsstandort macht sich Singapur insbesondere Sorgen über die Tendenz zu Protektionismus der Trump-Regierung. Singapur gehörte auch zu den Vertragspartnern der Transpazifischen Partnerschaft, die Donald Trump mit einer seiner ersten Amtshandlungen begraben hatte und die nun von den restlichen Mitgliedern weitergeführt wird.  Seit Trumps Amtsübernahme muss die Vertretung der Vereinigten Staaten in Singapur außerdem ohne Botschafter auskommen. Die schon nominierte Kathleen Troia McFarland hatte sich zurückgezogen, als bekannt geworden war, dass sie nicht die volle Wahrheit über die Russland-Kontakte ihres früheren Chefs und Trumps erstem Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn gesagt hatte.

          Freuen können sich die beiden Gipfelteilnehmer Kim Jong-un und Donald Trump dafür auf eine diplomatische Eigenheit, die in Singapur gepflegt wird. Dort bekommen besondere Staatsgäste oft eine eigens für sie gezüchtete Orchidee überreicht, für die der Gast dann auch als Namensgeber Pate steht. Diese Ehre wurde unter anderen schon Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zuteil. Für Kim Jong-un wäre es auch ein Schritt in die Fußstapfen seines Großvaters Kim Il-sung. Dieser hatte in Indonesien einst eine von einem südostasiatischen Züchter gekreuzte Orchidee bekommen. Die Kimilsungia wird in Nordkorea bis heute fast wie eine Nationalblume verehrt. 

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