Norweger rückt nach :
Stoltenberg wird neuer Nato-Generalsekretär

Von Michael Stabenow, Brüssel
Lesezeit: 2 Min.
Schon seit längerem der Favorit für die Rasmussen-Nachfolge: Jens Stoltenberg
Der frühere norwegische Ministerpräsident Stoltenberg soll neuer Nato-Generalsekretär werden. Zuvor hatten mehrere Gegenkandidaten ihre Kandidatur zurückgezogen.

Norwegens früherer Ministerpräsident Jens Stoltenberg soll neuer Nato-Generalsekretär werden. Das teilte die Allianz am Freitag mit. Die Entscheidung sei nach einer nur wenige Minuten dauernden Sitzung des Nato-Rats gefallen, hieß es in Brüssel. Zuvor hatte es unter Diplomaten geheißen, es gebe darüber einen Konsens im Kreis der 28 Mitgliedstaaten.

Stoltenberg soll demnach am 1. Oktober die Nachfolge des derzeitigen, seit 2009 amtierenden dänischen Nato-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen antreten. Der Weg für Stoltenberg war frei geworden, nachdem sich andere genannte Anwärter, nicht zuletzt der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski, aus dem Rennen zurückgezogen hatten. Sikorski hatte am Donnerstagabend über den Onlinedienst Twitter mitgeteilt, dass Polen Stoltenberg unterstützen werde, der ein guter Nato-Generalsekretär sein werde.  Zuvor hatte sich auch der britische Premierminister David Cameron öffentlich für Stoltenberg ausgesprochen. Auch die Unterstützung der Vereinigten Staaten und Deutschlands für den Sozialdemokraten galt als sicher.

Der norwegische Politiker, der von 2000 bis 2001 und von 2005 bis kurz nach der Wahlniederlage seiner Sozialdemokraten im September 2013 Ministerpräsident seines Landes war, wurde schon seit längerem als Favorit für die Rasmussen-Nachfolge gehandelt. Außer Sikorski waren auch der frühere italienischen Außenminister und EU-Kommissar Franco Frattini und der langjährige belgische Verteidigungsminister Pieter De Crem als mögliche Anwärter genannt worden. Zuletzt war in der italienischen Presse auch der Name des im Februar zurückgetretenen früheren italienischen Ministerpräsidenten Enrico Letta gefallen. 

Schon am Rande des Haager Gipfeltreffens Treffens zur nuklearen Sicherheit zu Wochenanfang hatte die seit Herbst amtierende norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg über die Unterstützung einer Reihe von Nato-Staaten für Stoltenberg berichtet und klargestellt, dass ihre Regierung einer Ernennung des aus den Reihen der norwegischen Opposition kommenden Politikers keineswegs im Wege stehen werde.

Weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt geworden war Stoltenberg durch seine umsichtige Reaktion auf den mörderischen Anschlag des Amokläufers Anders Behring Breivik, bei dem im Juli 2011 insgesamt 77 Menschen ums Leben gekommen waren. Stoltenberg soll die Nachfolge Rasmussens wenige Wochen nach der Anfang September im walisischen Newport stattfindenden Nato-Gipfelkonferenz antreten. Bei dem Strategietreffen der Allianz soll das für dieses Jahr geplante Ende der sogenannten Isaf-Mission in Afghanistan und die daraus zu ziehenden Konsequenzen ganz oben auf der Tagesordnung stehen.