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Trauerfeier in Madrid : Die Welt nimmt Abschied von den Anschlagsopfern

  • Aktualisiert am

Trauer um Terroropfer: Ein Mann vor der Almudena-Kathedrale in Madrid Bild: REUTERS

Tausende Menschen haben in Madrid der Opfer der Terroranschläge vom 11. März gedacht. In der Almudena-Kathedrale forderte Erzbischof Varela zum Kampf gegen Rassismus, Nationalismus und Intoleranz auf.

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          Mit einer bewegenden Trauerfeier haben Hinterbliebene sowie Staats- und Regierungschefs der 190 Terroropfer gedacht, die vor zwei Wochen bei den verheerenden Anschlägen in der spanischen Hauptstadt um Leben gekommen waren. Am Staatsakt in der Almudena-Kathedrale nahmen die spanische Königsfamilie, Bundeskanzler Gerhard Schröder, der französische Staatspräsident Jacques Chirac, der britische Premierminister Tony Blair und rund 600 Angehörige der Opfer teil. Neun Verdächtige befinden sich wegen der Attentate in Untersuchungshaft, vier weitere in Polizeiarrest.

          Kardinal Antonio Rouco Varela sagte zu den Trauernden: „Euer Schmerz ist der Schmerz unserer geliebten Stadt Madrid geworden, Spaniens und schließlich der ganzen Welt.“ Zum ersten Mal seit Wiedereinführung der Demokratie in Spanien wurde die Ehre eines Staatsbegräbnisses Verstorbenen zuteil, die nicht zur Königsfamilie gehörten. „Großer Schmerz hat euer Leben und das eurer Familien ergriffen seit dem schwarzen Tag, an dem brutale Terrorgewalt - mit unbeschreiblicher Grausamkeit geplant und ausgeführt - das Leben derer nahm, die ihr am meisten liebtet“, sagte Varela, der Erzbischof von Madrid.

          Aznar von Angehörigen beschimpft

          Königin Sofia hatte während der Messe Tränen in den Augen, König Juan Carlos hielt sich ein Taschentuch vors Gesicht. Nach der Zeremonie schritten die Mitglieder der Königsfamilie die Reihen entlang und drückten die Hände der Trauernden oder küßten sie auf die Wange. Zahlreiche Polizisten bewachten die Kathedrale, die im Umkreis von rund 500 Metern abgeriegelt worden war. Die Messe wurde auf Großbildschirmen vor der Kirche, im Garten des Königspalastes und auf der Puerta del Sol live übertragen.

          Auf einer Leinwand vor der Kathedrale verfolgen Madrilenen die Trauerfeier

          Überwältigt von Emotionen rief ein Trauernder vor Beginn der Messe dem scheidenden Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar zu: „Herr Aznar, ich mache sie für den Tod meines Sohnes verantwortlich.“ Wegen Hinweisen auf eine Urheberschaft muslimischer Extremisten wird ein Zusammenhang zwischen den Anschlägen und Spaniens Beteiligung am Irak-Krieg nicht ausgeschlossen. Der designierte Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero bekräftigte in einem Gespräch mit Blair die Absicht, die spanischen Truppen aus Irak abzuziehen, wie ein Sprecher sagte. Auch Schröder wollte mit Zapatero zusammentreffen, dessen Partei wenige Tage nach den Anschlägen die Parlamentswahl gewonnen hatte.

          Fünf Verdächtige identifiziert

          Die spanische Polizei identifizierte unterdessen Medienberichten zufolge fünf Verdächtige, die als mögliche Täter der Bombenserie von Madrid gelten. Unter ihnen sei auch der mutmaßliche Anführer ihrer Terrorzelle. Unter Berufung auf die Polizei berichtete die Zeitung „El Mundo“ am Mittwoch, zwei der Verdächtigen befänden sich im Zusammenhang mit den Anschlägen bereits im Gefängnis, gegen die drei anderen sei Haftbefehl erlassen worden. Außerdem seien die Fingerabdrücke des bereits inhaftierten Marokkaners Jamal Zougam an dem Lieferwagen festgestellt worden, der nach den Anschlägen an einem Bahnhof außerhalb Madrids gefunden wurde, berichtete die Zeitung „Periodico de Catalunya“. In dem Wagen waren Zünder und eine auf Arabisch besprochene Kassette sichergestellt worden.

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