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Probleme mit Bundeswehr-Airbus : Deutsche Soldaten sitzen in Afghanistan fest

  • Aktualisiert am

Bedingt einsatzfähig: Besucher besichtigen einen Bundeswehr-Airbus A310 MRTT am Tag der offenen Tür beim Jagdgeschader 73 im August in Rostock Bild: dpa

Seit fast einer Woche warten rund 150 Bundeswehr-Soldaten auf ihren Heimflug aus Afghanistan. Der Grund: Der Transport-Airbus A310 ist derzeit nicht voll einsatzbereit. Jetzt wird offenbar über eine ungewöhnliche Lösung nachgedacht.

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          Eine Gruppe deutscher Soldaten, die seit fast einer Woche auf ihren Heimflug aus ihrem Afghanistan-Einsatz warten, soll jetzt möglicherweise mit einem Regierungsflugzeug der Bundeskanzlerin abgeholt werden. Das berichtet das Bundeswehr-Blog „Augen geradeaus“ unter Berufung auf das Einsatzführungskommando der Bundeswehr. Demnach ist geplant, dass ein Airbus A340 am Freitag einen Teil der rund 150 Soldaten ausfliegt. Eventuell soll auch der zweite A340 der Bundeswehr-Flugbereitschaft eingesetzt werden, um den übrigen Teil der Gruppe nach Hause zu fliegen. Außerdem werde über den Einsatz eines zusätzlichen Charterflugzeugs nachgedacht, hieß es weiter.

          Hintergrund sind nach einem Bericht von „Spiegel Online“ technische Probleme mit den Sauerstoffmasken im Airbus A310. In einem Verkehrsflugzeug dieses Typs seien vor kurzem Schwierigkeiten mit den Masken für möglichen Sauerstoffabfall aufgetreten; seitdem dürften diese Flugzeuge nur noch 7500 Meter hoch fliegen, bis der Fehler behoben ist.

          „Eurofighter“ nur noch mit halber Lebensdauer

          Am Dienstag waren auch Probleme mit dem Kampfflugzeug „Eurofighter“ publik geworden. Die Bundeswehr teilte auf ihrer Internetseit mit, dass bei Qualitätskontrollen am hinteren Rumpf „Herstellungsfehler an einer großen Anzahl von Bohrungen“ festgestellt worden seien.

          Ein „Eurofighter“ des Jagdgeschwaders 73 „Steinhoff“ der Luftwaffe. Die Bundeswehr besitzt 109 Maschinen, doch nur 42 sind einsatzbereit.

          Als Sofortmaßnahme halbierte der Hersteller die freigegebene Lebensdauer von 3000 auf 1500 Flugstunden, die Rede war von einem „zusätzlichen Sicherheitsfaktor“. Jedoch ist die Bundeswehr auch von diesem Wert derzeit noch entfernt: So kommen die ältesten im Einsatz befindlichen Kampfjets dieses Typs nach Angaben des sicherheitspolitischen Blogs „Augen geradeaus“ nur auf etwa 1000 Flugstunden.

          Die Bundeswehr will nun „zur Vermeidung von Nachteilen und zur Wahrung von Ansprüchen“ infolge dieser „Minderleistung“ dem Hersteller vorerst keine weiteren Jets mehr abnehmen. Gebaut wird der Eurofighter von einem Konsortium, zu dem auch die deutsche Airbus und die britische BAE Systems gehören.

          Erst in diesem Frühjahr hatte der Bundesrechnungshof geschätzt, dass sich die ursprünglich für den Eurofighter geplanten Gesamtkosten auf rund 60 Milliarden Euro verdoppeln werden. In der Rechnung der Prüfer waren auch Folgekosten für die Flugzeuge enthalten gewesen, etwa Kerosin und die technische Wartung. Die nun festgestellten Herstellermängel dürften den Kostenplan ein weiteres Mal sprengen.

          „Flugbetrieb ist sichergestellt“

          Der sogenannte Buchbestand an „Eurofighter“-Kampfjets liegt bei 109. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass davon zurzeit theoretisch 74 Maschinen verfügbar, aber nur 42 einsatzbereit sind. Der knapp 16 Meter lange Jet kann zweifache Schallgeschwindigkeit erreichen.

          Der Fertigungsmangel an den Bohrungen hat laut Hersteller keine Auswirkungen auf die Flugsicherheit und die Einsatzfähigkeit, wie die Bundeswehr berichtete. „Der Ausbildungs- und Einsatzflugbetrieb ist sichergestellt“, hieß es.

          Für den Krisenfall nicht gerüstet

          Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass ein erheblicher Teil der Bundeswehr-Systeme momentan nicht einsatzfähig ist, darunter Dutzende Hubschrauber und Transportfahrzeuge. Die Materialprobleme sind so groß, dass Deutschland zurzeit seine Bündniszusagen an die Nato nicht einhalten kann. In einem Krisenfall wäre die Bundeswehr nicht in der Lage, die zugesagten Flugzeuge und Hubschrauber bereitzustellen. Das hatte von der Leyen am Wochenende eingestanden.

          Am Dienstag musste das Verteidigungsministerium auf Anfrage eines Grünen-Abgeordneten zudem einräumen, dass der Nato-Einsatz zum Schutz der Türkei vor Angriffen aus Syrien die Raketenabwehr-Einheiten der Bundeswehr an die Grenze der Belastbarkeit bringt. Bei gut einem Viertel (28 Prozent) der seit Anfang 2013 eingesetzten Soldaten konnte demnach die Karenzzeit von 20 Monaten zwischen zwei Einsätzen nicht eingehalten werden.

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