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F.A.Z. Woche : Zwischen Mann und Frau

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Viele plagen sich mit Selbstmordgedanken

In einer anderen Befragung, an der 197 Trans-Personen in Spanien teilnahmen, gaben knapp 80 Prozent an, mindestens einmal im Leben physisch attackiert worden zu sein. Laut der Studie, die die Zeitschrift „The Archives of Sexual Behavior“ veröffentlichte, plagten sich mehr als die Hälfte der Befragten mit Selbstmordgedanken. Rund 45 Trans-Personen versuchten mindestens einmal, diese Gedanken in die Tat umzusetzen.

Auch wenn die Anzahl der Befragten niedrig ist: Die Studien werfen ein Schlaglicht auf das Unverständnis und sogar auf den Hass, dem Trans-Menschen ausgesetzt sind. Der Interessenorganisation Transgender Europe zufolge sind zwischen 2008 und 2015 auf der ganzen Welt mehr als 2000 Trans-Personen gewaltsam ums Leben gekommen. Mehr als drei Viertel dieser Morde ereigneten sich in Nord- und Südamerika, in Asien waren es knapp 180. In 16 europäischen Ländern wurden 112 Fälle gemeldet, allen voran die Türkei mit 41 Morden in acht Jahren.

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Erst vor kurzem wurde die Leiche der transsexuellen Aktivistin Hande Kader, die als Prostituierte arbeitete, in einem Istanbuler Stadtteil gefunden. Während in Deutschland darüber viel berichtet wurde, haben nur wenige türkische Medien diesen Vorfall bekanntgemacht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter* und queere (kurz: LGBTIQ) Menschen in der Türkei ausgeschlossen, diskriminiert und vor allem stigmatisiert werden. Da ihnen nur wenige andere Berufe offenstehen, arbeiten viele als Prostituierte. Mancher Freier entpuppt sich dann als kaltblütiger und hasserfüllter Täter – und entgeht einer harten Verurteilung: Mörder von Prostituierten, Homo- oder Transsexuellen werden im Land häufig nur milde bestraft.

Derartiges scheint in Deutschland unmöglich. Hierzulande hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan – auch wenn es Kritikern nicht ausreicht. So erzählen Betroffene und Angehörige von Schullehrern und Direktoren, die darauf bestehen, dass Paula immer noch Paul genannt wird, nicht auf die Mädchentoilette gehen darf und sich zwischen Jungs umkleiden muss. Oder von Freunden der Familien, die raten, härter durchzugreifen und die Gefühle der Kinder zu unterbinden.

Ausgerechnet: Kinder sind besonders verletzlich. Sie wissen genau, wenn das, was sie empfinden, nicht übereinstimmt mit dem, was sie – im biologischen Sinne – sind. Leo ist zwar erst sechs Jahre alt, aber er weiß seine Gedanken seiner Mutter darzulegen: „Es ist wie bei einem falschen Puzzle. Das Junge-sein-Gefühl ist ein Viereck, und das Mädchen-Sein ist ein Dreieck. Das Viereck passt nicht aufs Dreieck. Es passt einfach nicht.“

Seine Geschichte und viele andere findet man auf der Internetseite von Trans-Kinder-Netz, einem Verein, der sich für Trans-Kinder und -Jugendliche einsetzt. Kati Wiedner, Christian Gredig und Karoline Haufe von Trans-Kinder-Netz betonen, dass Trans* kein Erwachsenenphänomen sei: „Kinder sind in der Lage, eine subjektive Einschätzung von sich selbst, ihrem geschlechtlichen Sein zu geben.“ Bei Trans-Kindern stehe diese Selbstbeschreibung des Seins im Gegensatz zu dem sogenannten Zuweisungsgeschlecht bei der Geburt aufgrund der Genitalien. Diese geschlechtliche Zuschreibung durch andere könne zu einem Leiden beitragen, das sich aus dem Unverständnis der Umwelt ergebe.

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