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Tote im Stadion : Gewaltausbruch in Ägypten

Protest in Kairo Bild: dpa

Die Gewalt von Port Said zeigt vor allem eines: Die Stabilität, nach der sich die Bevölkerung sehnt, ist fern. Steckt die Militärführung hinter dem Blutbad? War es die Rache des alten Regimes?

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          Feldmarschall Tantawi hatte es zwar eilig, sich nach der Gewaltorgie im Stadion von Port Said als fürsorgliches Staatsoberhaupt zu geben. Als er aber am Militärflughafen der Hauptstadt einige der Verletzten in Empfang nahm, wirkte er eher, als habe ihn die spätabendliche Nachricht vom Tod Dutzender junger Ägypter gerade aus dem Tiefschlaf gerissen.

          In der Sprache des Regimes der Mubarak-Jahre ließ er das Volk wissen, die Sicherheitslage sei gut und die Militärführung werde ihren Weg unbeirrt weitergehen. Das ist keine erbauliche Nachricht für die Ägypter, denn seit Monaten erschüttert nun Gewalt das Land. Die Stabilität, nach der sich die Bevölkerung sehnt, ist fern.

          Die entsprechende Antwort erhielt der ägyptische Militärführer denn auch, als die Anhänger des Vereins Al Ahly am Morgen in Kairo skandierten: „Die Polizisten sind die Schläger.“ Steckt die Militärführung hinter dem Blutbad? War es die Rache des alten Regimes? Schließlich hatten die straßenschlachterprobten „Ultra“-Gruppen der Kairoer Fußballvereine die Revolutionsjugend tatkräftig unterstützt. Sie wurden in Port Said ein Jahr nach den heftigsten Kämpfen um den Tahrir-Platz angegriffen. Damals hatten sie sich an vorderster Front den Schergen Mubaraks entgegengestellt, welche die Demonstranten auf Kamelen und Pferden angegriffen hatten. Nun haben sie eine vielfach höhere Opferzahl zu beklagen.

          Der Sicherheitsapparat hat kläglich versagt

          Die Gewaltausbrüche in einer Gesellschaft, die erst vor einem Jahr ihre Fesseln gesprengt hat, mögen nicht immer politischer Logik folgen - sie sind manchmal spontan und irrational. Jenseits aller Erklärungsversuche, Gerüchte und Halbwahrheiten um „Kräfte des alten Regimes“, bezahlte Schlägerbanden und eine untätige Polizei steht aber eines fest: Der Sicherheitsapparat hat kläglich versagt; die Polizei ist seit Monaten nicht mehr präsent oder schaut weg - das Spiel in Port Said war ein Gewalt-Klassiker, die Anhänger beider Lager sind für ihre Aggressivität bekannt.

          So fällt es dem Militär leicht, die Gewalt für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Und hat nicht der Innenminister erst vor kurzem gefordert, im Namen der Stabilität den Ausnahmezustand, der gerade gelockert worden war, wieder über das Land zu verhängen? Doch lange wird es nicht gutgehen, den Ägyptern bloß die Wahl zwischen einem Sicherheitsvakuum und einem Polizeistaat zu lassen.

          Christoph Ehrhardt
          (cheh.), Politik

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