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Tote Geiseln : Eskalation im Jemen

  • -Aktualisiert am

Seit Jahren schon werden Touristen Opfer von - meist glimpflich verlaufenden - Entführungen jemenitischer Stämme. Der jüngste Fall bedeutet nun offenkundig eine Eskalation.

          Als die berühmte britische Orientreisende Freya Stark alleine den Jemen bereiste, war sie zu keiner Zeit in Lebensgefahr. Diese fast paradiesischen Zeiten sind vorbei. Seit Jahren schon werden Touristen Opfer von - meist glimpflich verlaufenden - Entführungen jemenitischer Stämme, die damit Zugeständnisse von der Zentralregierung erpressen wollen. In Deutschland erregte vor Jahren die kurzzeitige Entführung des früheren Diplomaten Jürgen Chrobog die Öffentlichkeit. Sie endete, Gott sei Dank, unblutig.

          Der jüngste Fall, die Verschleppung von neun Ausländern, darunter sieben Deutsche - Beschäftigte einer Hilfsorganisation und ihre Familienangehörigen -, bedeutet nun offenkundig eine Eskalation: Drei Entführte wurden tot, teilweise verstümmelt aufgefunden; die übrigen gelten als vermisst.

          Bei Radikalen verhasst

          Das spricht dafür, dass gewalttätige Islamisten, möglicherweise Mitglieder von Al Qaida, hinter der Tat stehen. Die Zentralregierung des Jemen geht seit Jahren gegen militante Elemente vor, ohne ihrer Herr werden zu können. Das hat auch damit zu tun, dass der Jemen auch nach seiner Wiedervereinigung zu Beginn der neunziger Jahre noch immer ein zerrissenes, von Gegensätzen zwischen dem einstmals marxistisch regierten Süden und dem religiös-traditionalistischen Norden geprägtes Land ist.

          Über die Urheber der Tat kann man einstweilen nur spekulieren. Das Regime des Staatspräsidenten Ali Abdullah Saleh, der den Jemen schon seit Jahrzehnten lenkt, ist vor allem bei Radikalen verhasst, weil es Terroristen bekämpft und deshalb der Hörigkeit gegenüber dem Westen verdächtigt wird. Saleh hat sunnitische und schiitische Gegner im eigenen Land. Es ist bekannt, dass Dschihadisten und Al-Qaida-Sympathisanten aus dem Irak sich zunehmend in andere Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas abgesetzt haben, um dort ihr blutiges Handwerk fortzusetzen. Der schwache Jemen und auch das im Chaos versunkene Somalia, die nur durch eine schmale Meerenge, das Bab el Mandeb, voneinander getrennt sind, gehören zu ihren bevorzugten Refugien.

          Die ganze Region um das Horn von Afrika sowie die ihr vorgelagerten Gewässer sind längst zu instabilen Gefahrenzonen geworden. Erst vor einigen Tagen kaperten Piraten ein Schiff in Höhe der omanischen Küste, wo es bisher immer ruhig gewesen ist.

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