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Togo : Prügelstrafe und bayerisches Bier

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Nach deutscher Tradition gebrautes Pils in Lomé Bild: picture-alliance/ dpa

Ende des 19. Jahrhunderts sollte Togo zu einer deutschen „Musterkolonie“ werden. Nach Ansicht von Historikern hat die deutsche Herrschaft vor allem aber den Boden für eine der am längsten währenden Militärdiktaturen in Afrika bereitet.

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          Die Wilhelmstraße läuft parallel zum palmengesäumten Sandstrand. An ihrem Ende steht der Gouverneurspalast auf einem mehr als drei Meter hohen und 50 Meter breiten Sockel, damit man ihn auch von den vorbeifahrenden Schiffen aus gut sehen kann.

          Ende des 19. Jahrhunderts war Lomé die Hauptstadt der deutschen Kolonie Togo. Eine „Musterkolonie“ an der westafrikanischen Küste sollte es werden. Aber nach Ansicht von Historikern hat die deutsche Kolonialherrschaft vor allem den Boden für eine der am längsten währenden Militärdiktaturen in Afrika bereitet.

          „Elf Gefängnisse und vier Schulen“

          „Die Deutschen haben in Lomé elf Gefängnisse und vier Schulen gebaut“, sagt Peter Sebald. „Das spricht doch für sich.“ Vermutlich kennt sich kaum jemand in der deutschen Vergangenheit Togos so gut aus wie der Afrikaforscher aus Niesky in Sachsen.

          Fast 50 Jahre beschäftigt er sich schon mit der kleinsten der deutschen Afrika- Kolonien, die er nach der Wende erst zum ersten Mal besuchen konnte. Seitdem überwintert er jedes Jahr im schwülen Lomé und gräbt sich allmählich durch die 35 Aktenmeter aus der Kolonialzeit.

          Rassistisches Regime

          „Insgesamt lebten nur etwa 2.000 Deutsche in Togo“, sagt er. „Fast alle waren aus dem gleichen Grund gekommen: Es gab eine Buschzulage, und hier konnte man sich schnell als Herrscher aufspielen“, meint Sebald weiter.

          Es war ein rassistisches Regime: Afrikanern war der Zugang zu Restaurants verboten, sie durften weder Lehrer noch Arzt oder Offizier werden, und es wurde exzessiv geprügelt. Als „genehmigtes Züchtigungsinstrument“ galt ein „Tauende von 60 Zentimeter Länge“.

          Deutsche Väter und afrikanische Mütter

          Zu den deutschen Hinterlassenschaften in Togo zählen einige Beamtenhäuser, die wegen des heißen Klimas umlaufende Veranden hatten, dicht bewachsene Alleen, und das frühere Verwaltungsgebäude, in dem Afrikaner im stickigen Kellergeschoß arbeiten mußten.

          „Der Togoneger als kaufmännischer Angestellter“ lautet der Titel eines zeitgenössischen Buches. Die Straßen, durch die heute Tausende von Mofas knattern, folgen noch immer dem Muster, das die deutsche Kolonialverwaltung Ende des 19. Jahrhunderts entworfen hat.

          Auch Nachkommen deutscher Väter und afrikanischer Mütter leben noch in Togo. „Es gehörte in der Kolonie zum guten Ton, einen ganzen Harem einheimischer Frauen zu haben“, sagt Sebald. Der Gouverneur verbot dem Nachwuchs aus diesen Beziehungen jedoch, den deutschen Namen des Vaters zu tragen.

          Schnelles Ende der deutschen Herrschaft

          Mit Beginn des Ersten Weltkrieges fand die deutsche Herrschaft in Togo ein schnelles Ende. Frankreich und Großbritannien teilten das Gebiet unter sich auf, der britische Teil wurde später der benachbarten Goldküste, dem heutigen Ghana zugeschlagen. Erst nach deren Unabhängigkeit nahm Deutschland wieder engere Beziehungen zu seiner ehemaligen Kolonie auf.

          So wurde mit deutschem Geld in den 60er Jahren der Tiefseehafen von Lomé gebaut. Außerdem zeigten Deutsche den Togoern, wie man „Bier nach bayerischer Tradition“ braut. In Lomé hängen noch immer Werbeplakate, die einen Mann in Lederhose und mit Maßkrug zeigen, auch wenn die Brauerei längst in französischer Hand ist.

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