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Tödliche Barrieren : Die Renaissance der Grenzzäune

  • -Aktualisiert am

Dieser Stacheldraht trennt Nordkorea und Südkorea Bild: Getty Images

Nach dem Fall der Berliner Mauer glaubte man, Grenzzäune würden bald der Vergangenheit angehören. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus: Grenzzäune haben Konjunktur. Auf fast jedem Kontinent trennen sie Staaten. Die meisten sind hochmodern.

          Es ist nur ein kleiner Zettel, den Joonsuh Park an den rostigen Maschendrahtzaun heftet. Aber darauf steht sein größter Wunsch geschrieben, in zwei koreanischen Schriftzeichen: Pyeong-hwa. Frieden. Herr Park ist an diesem wolkenverhangenen Tag nach Imjingak gekommen, an die Grenze zwischen Nord- und Südkorea. „Wir Südkoreaner hängen hier unsere Wünsche auf und hoffen, dass sie in Erfüllung gehen“, sagt Park und zeigt auf den Grenzzaun. Er ist voller Papier. Oben rasiermesserscharfer Stacheldraht, unten die bunten Wunschzettel. Oft sind es Wünsche nach einem Wiedersehen mit den Verwandten.

          Griechenland und die Türkei befinden sich zwar nicht im Krieg wie die beiden koreanischen Staaten. Dennoch will die Regierung in Athen an der 206 Kilometer langen Grenze zur Türkei einen Zaun errichten. Mit ihm solle die illegale Einwanderung in die Europäische Union gestoppt werden, teilte die griechische Regierung am Samstag vor einer Woche mit. Nach Angaben der EU-Kommission kommen mehr als 80 Prozent der illegalen Einwanderer über Griechenland in die EU. Geplant ist deshalb ein Grenzzaun, nicht höher als drei Meter und zunächst lediglich 12,5 Kilometer lang.

          Wunschzettel am innerkoreanischen Grenzzaun

          Das ist bloß ein Zwanzigstel der innerkoreanischen Grenze, die ohnehin als die am stärksten befestigte Grenze der Welt gilt. Auf einer Länge von 248 Kilometern durchschneidet sie die koreanische Halbinsel. Im Süden schließt sich eine vier Kilometer breite, streng kontrollierte Zone an, in der mehr als eine Million Minen vergraben liegen. Zusammen mit Panzern, Apache-Hubschraubern und Patriot-Raketen sollen sie einen Blitzangriff des Nordens verhindern. Denn die südkoreanische Hauptstadt Seoul liegt nur knapp 50 Kilometer von der Grenze entfernt. Auch Nordkorea vertraut auf sein Militär: Von Zehntausenden Artilleriegeschützen ist die Rede, die täglich bis zu 20 Millionen Geschosse Richtung Süden abfeuern könnten. Panzersperranlagen, Schützengräben und Hochspannungszäune bilden zusätzlich tödliche Barrieren.

          Die Menschen heften ihre Wunschzettel an den Zaun in Imjingak

          1953 wurde die demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea eingerichtet. Es war das Jahr des Volksaufstandes in der DDR, und der Bundeskanzler hieß noch Konrad Adenauer. Man könnte glauben: Der trennende Stacheldraht von Imjingak ist Relikt einer längst vergangenen Zeit. Heute wächst doch die Welt zusammen. Zölle und Handelsschranken fallen, Kommunikationswege werden ausgebaut. Spätestens nach dem Fall der Berliner Mauer glaubte man, Grenzzäune würden bald ganz der Vergangenheit angehören. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus: Grenzzäune haben Konjunktur. Und das zeigen nicht nur die griechischen Pläne.

          Auf gute Nachbarschaft

          Eine amerikanische Redewendung lautet: „Good fences make good neighbors.“ Sie stammt aus der Feder des Dichters Robert Frost und wird gern als Rechtfertigung von Zäunen und Mauern bemüßigt - so auch für die Grenze zwischen Mexiko und Amerika, die Griechenland jetzt das Vorbild für die eigenen Pläne genannt hat. Legt man die Kosten und den Aufwand zugrunde, müsste es sich bei der Grenze am Rio Grande um einen wahrlich „guten Zaun“ handeln. Das sei auch notwendig, sagen viele Amerikaner. Denn nirgendwo sonst gibt es eine derart lange Grenze, an der Erste und Dritte Welt direkt aneinanderstoßen. Sie misst mehr als 3100 Kilometer, reicht von San Diego und Tijuana im Westen bis ins texanische Brownsville im Osten.

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