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Jaber Albakr : Syrer wehren sich gegen Vorwürfe der Mitwisserschaft

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In dem Wohnblock hinter dem Straßenschild überwältigten die Syrer den mutmaßlichen Terroristen Jaber Albakr Bild: dpa

Vor seinem Selbstmord hatte der mutmaßliche Terrorist Jaber Albakr die drei Syrer, die ihn der Polizei ausgeliefert hatten, als Mitwisser bezeichnet. Diese wehren sich jedoch gegen die Vorwürfe. Sie erhielten nun Drohungen des IS.

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          Die drei Syrer, die den Terrorverdächtigen Jaber Albakr überwältigt und dann der Polizei ausgeliefert haben, wehren sich gegen den Vorwurf des mittlerweile toten Albakr, sie seien Mitwisser in seinen Anschlagsplänen gewesen. Der „Bild“ sagte Mohamed A.: „Wir wussten nicht, wer er war.“ Er vermute, dass sich Albakr mit seinen Äußerungen an ihnen rächen wollte. Außerdem erhielten sie nun Drohungen der Terrormiliz „Islamischer Staat“, würden aber nicht geschützt. Albakr hatte am Mittwochabend in seiner Zelle im Leipziger Gefängnis Selbstmord begangenen.

          Nach dem Suizid wächst die Kritik an Sachsens Regierung.  Linken-Chefin Katja Kipping wirft ihr völliges Versagen vor. Es handele sich um ein totales Fiasko der Staatsregierung, sagte die Dresdner Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Renate Künast, pochte auf einen Untersuchungsausschuss wegen zahlreicher Ungereimtheiten bei dem Todesfall.

          Der als hochgefährlich eingestufte 22 Jahre alte Syrer hatte sich am Mittwoch in seiner Zelle mit seinem T-Shirt erhängt. Laut Verfassungsschutz hatte der als Flüchtling eingereiste Islamist einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant.

          Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) beteuerte, man habe alles unternommen, um einen Suizid zu verhindern. Kipping verlangte, Gemkow müsse zurücktreten. „Der Justizminister wiegelt ab und flüchtet sich in absurdeste Erklärungsversuche, anstatt einfach mal die Verantwortung zu übernehmen – und zu gehen“, sagte Kipping. Sie sagte, der Selbstmord verhindere die so wichtige Aufklärung über die möglichen Hintermänner des vermeintlichen Attentäters und seine Pläne und Ziele. „Die CDU-Sachsen redet immer von Recht und Ordnung, ist aber in Wahrheit ein Sicherheitsrisiko für das ganze Land.“

          Leipzig : Sächsische Justiz verteidigt ihr Vorgehen nach Suizid Albakrs

          Die Grünen-Politikerin Künast sagte, es müsse eine unabhängige Aufklärung geben. „Es geht nicht, dass das die Landesregierung und die sächsische Justiz allein bestimmen“, sagte sie der „Berliner Zeitung“. Aus ihrer Sicht gebe es nur zwei Möglichkeiten, um dies zu gewährleisten: „Entweder man setzt eine unabhängige Untersuchungskommission ein oder gleich einen Untersuchungsausschuss.“

          Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach klagte ebenso über mangelnde Sorgfalt bei der Bewachung in der Leipziger JVA. „Angesichts der Bedeutung des Tatvorwurfs und der gesamten Umstände wäre eine lückenlose Überwachung des Häftlings nicht unverhältnismäßig gewesen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“.

          Renate Künast hat kein Verständnis für die Verhältnisse in Sachsens Justiz.
          Renate Künast hat kein Verständnis für die Verhältnisse in Sachsens Justiz. : Bild: Frank Röth

          Albakr wurde offenbar nach seiner Überstellung an die Justizvollzugsanstalt Leipzig nicht mehr von den Strafverfolgungsbehörden vernommen. Das berichten die Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ unter Berufung auf Sicherheitskreise. Demnach durften die sächsischen Strafverfolger den Syrer nicht mehr vernehmen, nachdem der Generalbundesanwalt das Verfahren an sich gezogen hatte. Die Bundesanwaltschaft selbst gab demnach allerdings kein Verhör mehr in Auftrag.

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