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Tobin-Steuer : "Sand ins Getriebe der Finanzmärkte"

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          1 Min.

          Täglich fließen Devisen im Wert von etwa 1,5 Billionen Dollar rund um den Globus - der weitaus überwiegende Teil allein mit dem Zweck, kurzfristig von Wechselkursschwankungen zu profitieren. Die destabilisierende Wirkung dieser enormen Geldströme wurde vom amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler James Tobin Anfang der 70-er Jahre kritisiert. Zur Eindämmung der Spekulation und somit zur Glättung allzu starker Wechselkursschwankungen ersonn er eine nach ihm benannte Steuer, die „Sand ins Getriebe der Finanzmärkte“ werfen sollte.

          Auch als Devisenumsatzsteuer bezeichnet, soll sie all jene internationalen Geldströme besteuern, die rein spekulativen Charakter haben. Langfristige Engagements wie Direkt- oder Portfolioinvestitionen wären von einer solchen Taxierung ausgenommen. Wird das Geld hingegen in der Hoffnung auf kurzfristige Gewinne aus Wechselkursschwankungen in ausländischen Währungen angelegt, dann werden - je nach Konzeption der bis heute nur theoretischen Steuer - zwischen 0,1 und 0,5 Prozent fällig. Da die Gewinne aus den kurzfristigen Transaktionen selten mehr als diesen Betrag ausmachen, würde sich ein Großteil der Spekulation nicht mehr rentieren.

          Unklar ist, wer die Steuer letztlich erheben soll - die einzelnen Staaten oder eine supranationale Behörde - und was mit den nicht unbeträchtlichen Einnahmen passiert. Globalisierungskritische Gruppen wollen mit den Geldern aus der Steuer Entwicklungshilfe- und Umweltprojekte finanzieren, Gegner der Steuer befürchten neue bürokratische Wasserköpfe.

          Hauptkritikpunkt an der Tobin-Steuer ist jedoch die fehlende Aussicht auf eine möglichst breite internationale Einführung. Um nämlich eine simple Verlagerung der wichtigsten Devisenhandelsplätze zu verhindern, müsste die Tobin-Steuer an allen derzeit relevanten Finanzplätzen erhoben werden. Trotz Unterstützung einzelner Parlamente und Regierungen sowie vieler Initiativen ist die Tobin-Steuer von einer Realisierung jedoch weit entfernt. So spricht der grüne Finanzexperte Oswald Metzger von einer „Sankt-Nimmerleins-Tag-Steuer, die nie kommt.“

          Für seine Analysen der internationalen Finanzmärkte erhielt der mittlerweile 83-jährige Amerikaner 1981 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Tobin steht in der Tradition des britischen Ökonomen John Maynard Keynes.

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