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Thüringer Turbulenzen : Der doppelte Ramelow

Bodo Ramelow im Erfurter Landtag am 21. Februar 2020 Bild: dpa

Bodo Ramelow will die DDR nicht „Unrechtsstaat“ nennen. Dafür spricht er von der „Menschenvernichtung“ in einem „Unrechtssystem“. Wie der Linke es schafft, zugleich Bürgertum und frühere Stasi-Leute anzusprechen.

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          Nach dem Gespräch mit Ramelow fragte jemand, ob der gewesene Ministerpräsident denn wieder erzählt habe, wie er damals allein in der Kirchenbank saß. Ramelow hat die Episode ja im Laufe der Jahre quasi zum thüringischen Kulturerbe gemacht: Wie er 1999 als bekennender Protestant der PDS beitrat, der früheren SED, und wie dann in seiner Kirche keiner mehr neben ihm sitzen wollte. Immer wieder hat er es erzählt.

          Konrad Schuller
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das Bild ist ja auch großartig. Es illustriert die Legende von Standhaftigkeit und Aufstieg eines jungen westdeutschen Gewerkschafters, der am Ende zum Thüringer Landesvater und zum ersten linken Ministerpräsidenten der Republik wurde: Da sitzt einer vor seinem Herrgott, und er ist einerseits so christlich, dass er im Westen mit jedem CDU-Dorfbürgermeister mithalten könnte – andererseits ist er bei der Linken, und das heißt: Er ist auch an „den Menschen im Osten“ so nah dran, dass es jedem gewesenen Volkspolizisten warm ums Herz wird.

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