https://www.faz.net/-gpf-6vjff

Thüringer Terrorzelle : Verbindung zu Völklinger Brandstiftungen

  • -Aktualisiert am

Zwölf DVDs wurden von Beate Z. verschickt Bild: dpa

Seit Jahren verunsichert eine Serie von Brandanschlägen das Saarland, nun gibt es Hinweise auf eine Verbindung zur Zwickauer Terrorzelle. Der mutmaßliche Serienmörder Uwe Mundlos war nach F.A.S.-Informationen Mitte der neunziger Jahre bei der Bundeswehr in Sachsen.

          2 Min.

          Zwischen dem Bombenanschlag im Frühjahr 1999 auf die Wehrmachtsausstellung in Saarbrücken, einer Anfang September vorerst geendeten Serie von Brandstiftungen im saarländischen Völklingen mit hauptsächlich türkischen Opfern und der rechtsextremen Terrorgruppe aus Zwickau gibt es offenbar einen Zusammenhang. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung erfuhr, erhielt eine türkische Einrichtung in Völklingen die zwölfte DVD, welche die mutmaßliche Komplizin der beiden Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, Beate Z., nach deren Tod am 4. November an verschiedene Organisationen und Medien verschickt hatte.

          Thomas Holl

          Redakteur in der Politik.

          Überdies fanden sich in einem Drohschreiben, das nach dem Bombenanschlag auf das Volkshochschulzentrum in Saarbrücken am 9. März 1999 bei den Behörden einging, Hinweise, die auf einen ostdeutschen Verfasser deuten.

          Mundlos diente bei der Bundeswehr

          Mindestens einer der beiden mutmaßlichen rechtsextremistischen Serienmörder aus Thüringen war bei der Bundeswehr. Verteidigungsminister Thomas de Maizière bestätigte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.): „Uwe Mundlos hat vom 1. April 1994 bis zum 31. März 1995 seinen Grundwehrdienst geleistet.“ Nach Informationen der F.A.S. leistete Mundlos seinen Dienst im 6. Panzergrenadierbataillon 381 im sächsischen Frankenberg.

          Der saarländische Generalstaatsanwalt Sahm sagte der F.AZ., dass in dem Drohschreiben zu dem Bombenanschlag im Saarland etwa die Abkürzung „O.U.“ auftauche. Die Volkspolizei habe dieses Kürzel für das in der DDR, aber auch in der Wehrmacht und im Deutschen Heer gebräuchliche Wort „Ortsunterkunft“ verwendet. Ein Journalist, der jetzt noch einmal befragt werden soll, will zudem damals kurz nach der Tat zwei Männer und eine Frau im Alter zwischen 20 und 25 Jahren beobachtet haben, die sich mit dem Anschlag gebrüstet hätten. Bei ihrem Untertauchen Ende 1998 war Beate Z. in diesem Alter.

          Die DVD belegt: Es gibt eine Verbindung vom Terror-Trio um Beate Z. zu den Brandanschlägen im Saarland

          Eine weitere „Kongruenz“ in diesem Fall könnte nach Ansicht der Justiz darin bestehen, dass der als Unterstützer der Gruppe in Niedersachsen festgenommene Holger G. an Demonstrationen gegen die in der rechtsextremen Szene besonders verhasste Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ teilgenommen haben soll.

          Die zehn Brandstiftungen zwischen dem 3. September 2006 und dem 3. September 2011 in Völklingen richteten sich gegen Wohngebäude im Zentrum der Stadt, in denen vor allem türkischstämmige Einwanderer, aber auch Araber und Schwarzafrikaner lebten. Bei den Bränden wurden 20 Personen verletzt; es entstand hoher Sachschaden. In allen Fällen wurden die Ermittlungen eingestellt, die Polizei hatte nach eigenen Angaben keine Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund.

          Hochburg der rechtsextremen NPD

          Das knapp 40.000 Einwohner zählende Völklingen ist seit Jahren eine Hochburg der rechtsextremen NPD, die im Stadtrat sitzt. Auch „Freie Kameradschaften“ sind in Völklingen aktiv. Auf Anweisung von Innenminister Toscani und der für Justiz zuständigen Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer (beide CDU) werden nach dem von einem türkischen Brandopfer erhobenen Vorwurf der einseitigen Ermittlung die Fälle noch einmal überprüft. Dabei soll auch ein mögliches Fehlverhalten der Polizei untersucht werden.

          Der saarländische Generalstaatsanwalt Sahm sagte der F.A.Z., dass ein „rechtsextremer Hintergrund nicht auszuschließen, sondern eher wahrscheinlich“ sei. Es werde aber „kriminalistisch schwierig“ sein, die Taten aufzuklären. Bei der Aufklärung werde man auch dem Verfassungsschutz die „eine oder andere Frage stellen“. Auch werde man im Internet in einschlägigen rechtsextremen Foren recherchieren, ob es dort Hinweise gebe.

          Auffällig an der Brandserie sind die Daten. In drei Fällen brannte es an einem 3. September, drei Häuser wurden am Abend des 5. August 2007 angezündet, ein Haus am 20. April 2010, dem Geburtstag Hitlers. Am 3. September 1933 endete in Nürnberg der Reichsparteitag der NSDAP, auf dem die „Machtergreifung“ und das Ende der Weimarer Republik gefeiert wurden. Am 5. August 1716 schlug der habsburgische Feldheer Prinz Eugen von Savoyen bei Peterwardein ein türkisches Heer.

          Der innenpolitische Sprecher der saarländischen SPD-Fraktion Pauhlun erwartet, dass Generalstaatsanwalt, Innenministerium und Vertreter des Landeskriminalamtes am 15. Dezember im Rechtsausschuss des Landtags über die bisherigen Erkenntnisse zu der Brandserie berichten.

          Weitere Themen

          Ein historischer Moment im Bundestag

          F.A.Z.-Newsletter : Ein historischer Moment im Bundestag

          Im Bundestag gedenken Reuven Rivlin und Frank-Walter Steinmeier der Opfer des Nationalsozialismus. Im Nahen Osten fallen die Reaktionen auf Trumps Friedensplan heftig aus. Was sonst noch wichtig ist, steht im Newsletter für Deutschland.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.