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Camerons Nachfolgerin : Die Suche nach Gewissheiten

Auch diesem Ende wohnt ein Zauber inne: Premierminister Cameron kündigt vor Downing Street 10 die Machtübergabe an Theresa May an. Bild: Getty

Theresa May wird nach Andrea Leadsoms Rückzug britische Premierministerin. Angela Eagle fordert Jeremy Corbyn heraus. Findet das Land zu Stabilität zurück?

          6 Min.

          Zuerst trat Tim Laughton, Andrea Leadsoms Wahlkampfmanager, aus der Tür. Sein graues, versteinertes Gesicht zeigte an, dass die Gerüchte der vorhergehenden halben Stunde zugetroffen hatten: Leadsom, die erst vor vier Tagen nominiert worden war, würde aus dem kaum begonnenen Rennen um Downing Street 10 ausscheiden. Kurz darauf erschien Leadsom lächelnd auf der obersten Stufe und hielt einen Brief in der Hand, den sie am Morgen an die Fraktionsführung geschickt hatte. Als sie den verlesen hatte, gab es nur noch eine Kandidatin für die Nachfolge David Camerons: Theresa May.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Es war ein weiterer Tag im Königreich, an dem sich die Ereignisse auf beinahe groteske Weise überschlugen. Drei Frauen hatten sich innerhalb nur einer Stunde „erklärt“: In Birmingham legte Theresa May dar, warum sie eine bessere Premierministerin wäre als Andrea Leadsom, in London erklärte Andrea Leadsom, dass sie gar nicht mehr Premierministerin werden will, und ein paar Straßen weiter erklärte Angela Eagle, dass sie Oppositionsführer Jeremy Corbyn aus dem Amt werfen möchte, um nach den nächsten Wahlen ihrerseits Premierministerin zu werden. Im Hintergrund liefen zu diesem Zeitpunkt schon die Drähte zwischen Downing Street 10 und Buckingham Palace heiß. David Cameron, der Premierminister auf Abruf, werde einem zügigen geordneten Übergang nicht im Wege stehen, hieß es aus seinem Amtssitz.

          Nur eine Viertelstunde nach Leadsoms Auftritt trat Graham Brady vor die Presse, der stets etwas steif wirkende Vorsitzende des „1922 Committee“, das das Kandidatenrennen bei den Konservativen organisiert. Er begann mit einem Satz, der Klarheit ausdrücken sollte: „Ich bestätige hiermit offiziell, dass Theresa May jetzt Führerin der Konservativen Partei ist.“ Wie sehr in seinem Komitee auch die Dinge durcheinandergegangen sein müssen, verriet sein nachfolgender Versprecher: Es sei noch nicht klar, wann „Andrea May“ auch in Downing Street einziehen werde. Man müsse nun das konstitutionelle Prozedere beachten, sagte Brady, und gab einen vagen Anhalt: Die Übergabe werde „viel früher als erwartet“ stattfinden – sicherlich werde man nicht neun Wochen warten müssen.

          Sommer des Zweikampfs fällt aus

          Neun Wochen, das war der Zeitraum gewesen, den dasselbe Komitee erst vor kurzem für das Kandidatenrennen bekanntgegeben hatte. Am 9. September, so der Plan, sollte der Nachfolger Camerons aus einem Wahlkampf hervorgegangen sein, dessen unzählige „Hustings“, wie die Kandidatenauftritte im Königreich genannt werden, zum Teil schon geplant waren. Diesen Sommer des Zweikampfs wird es nun nicht geben. Leadsom, die noch am Wochenende betont hatte, dass die Parteimitglieder unbedingt die Wahl zwischen einem „Brexiteer“ und einer „Remainerin“ haben müssten, hatte ihre Meinung geändert.

          „Die Wirtschaft braucht Gewissheit“, sagte sie am Montag und erwähnte auch die um sich greifende Unsicherheit unter den EU-Bürgern im Königreich. Daraus folgerte sie: „Wir müssen jetzt so schnell wie möglich eine Premierministerin im Amt haben.“ May, fügte sie an, sei dafür „ideal positioniert“. Leadsom bedankte sich für die 84 Stimmen, mit denen sie die Fraktion am vergangenen Donnerstag zum zweitstärksten Bewerber (von fünf) gewählt hatte, aber plötzlich war es nicht mehr das Mandat, das sie im Wahlkampf ausbauen wollte, sondern eine Art Misstrauensbeweis. Weniger als 25 Prozent der Abgeordneten hätten sie gewählt, rechnete Leadsom jetzt vor. „Das ist nicht genügend Unterstützung, um die Partei zu führen.“ Mays Lager war voll des Lobes über Leadsom. Nichts, was noch Stunden zuvor über sie an die Presse weitergereicht worden war, galt mehr. Gefeiert wurde nun eine Parteipatriotin, die ihre eigenen Ambitionen dem Wohl der Tories und dem Land untergeordnet habe. „Andrea“ habe bewiesen, dass sie eine „wahre Dienerin der Öffentlichkeit“ sei, schwärmte Fraktionschef Chris Grayling, der Mays Kampagne im Sommer leiten wollte.

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