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Terrorprozess : Lange Haftstrafe für Redouane E. H.

  • Aktualisiert am

Gerichtszeichnung: Redouane E.H. vor dem Oberlandesgericht in Schleswig Bild: ddp

Das Oberlandesgericht von Schleswig-Holstein hat den Deutsch-Marokkaner Redouane E. H. zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der 38 Jahre Marokkaner mit deutschem Pass hatte eingestanden, Al Qaida unterstützt zu haben. So rekrutierte er „Gotteskämpfer“ für den Einsatz im Irak.

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          Das Oberlandesgericht von Schleswig-Holstein hat den Deutsch-Marokkaner Redouane E. H. am Donnerstag zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es, der 38 Jahre alte Mann aus Kiel habe Al Qaida unterstützt und sich der Gründung einer ausländischen terroristischen Vereinigung schuldig gemacht.

          Der Marokkaner mit deutschem Pass war in Schleswig angeklagt, Selbstmordattentäter für den Einsatz im Irak rekrutiert und Geld für die Schleusung und Ausrüstung von „Gotteskämpfern“ überwiesen zu haben. Die Generalbundesanwaltschaft als Ankläger hatte sechseinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung auf Freispruch plädiert. Seit Juli des vergangenen Jahres stand Redouane E. H. vor Gericht.

          Eid auf Usama bin Ladin geleistet

          Der 38 Jahre alte Marokkaner mit deutschem Pass war vor zwei Jahren bei einer spektakulären Polizeiaktion am Dammtorbahnhof in Hamburg festgenommen worden, als die Gefahr bestand, dass er sich in den Sudan absetzen würde. Die Verteidigung argumentierte, es sei nie zu der vorgeworfenen Gründung einer terroristischen Vereinigung gekommen, gab aber auch zu, dass Redouane E. H. eine solche gründen wollte. Er selbst gestand ein, Geld überwiesen zu haben. Auch war es sein Ziel, in Algerien an einem Kurs zur Sprengstoffherstellung teilzunehmen.

          Er bestätigte, einen Eid auf Usama bin Ladin geleistet zu haben. Dieser sei für ihn eine religiöse Autorität, sagte Redouane E. H. In dem Prozess wurden nicht nur zahlreiche Zeugen gehört, sondern auch Chatprotokolle aus dem Internet als Beweismittel herangezogen. Redouane E. H. war als Student nach Kiel gekommen. Das Studium gab er nach eigenen Aussagen vor Gericht auf, weil das Geld nicht reichte. Zunächst arbeitete er in einer Diskothek. Später betrieb er in Kiel zwei Internet-Cafés.

          Kontakt zu den Hintermänner des 11.September

          Vor Gericht gab er an, dass er sich 2003 durch den plötzlichen Tod eines älteren Bruders verändert habe und religiös geworden sei. Per Internet versuchte er schließlich, Selbstmordattentäter anzuwerben und im Sudan ein Trainingscamp aufzubauen. Außerdem traf er sich - anscheinend mit Auftrag - in Hamburg mit der dort lebenden früheren Ehefrau von Said Bahaji, einem der noch immer am meisten gesuchten Hintermänner der Terroranschläge in Amerika vom 11. September 2001.

          Während des Prozesses in Schleswig machte Redounae E. H. unter anderem auch Angaben darüber, wie man sich in der Terroristenszene verständigte. So sagte er, „Taxifahrer“ stehe für Selbstmordattentäter, „Teig“ für Sprengstoff und „altes Haus“ für Afghanistan. „Heiraten“ bedeute, als Märtyrer zu sterben.

          Die Ermittlungen gegen Redouane E. H. führten auch zu zwei internationalen Haftbefehlen gegen einen Marokkaner und einen Syrer, die im vergangenen Jahr in Schweden verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert wurden. Sie sollen Redouane E. H. unterstützt haben.

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