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Terrorismus : Mutmaßliches Al-Qaida-Mitglied gefasst

Stuttgarter Flughafen: Hier hat die Polizei einen mutmaßlichen Helfer der Terrororganisation Al Qaida festgenommen Bild: dpa

Fahndungserfolg im Kampf gegen den Terrorismus: Ein mutmaßliches deutsches Al-Qaida-Mitglied ist bei der Einreise in die Bundesrepublik am Flughafen Stuttgart festgenommen worden. Wie die Bundesanwaltschaft am Samstag mitteilte, handelt es sich um den 30 Jahre alten deutschen Staatsangehörigen Sermet I.

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          Die Polizei hat am Stuttgarter Flughafen einen mutmaßlichen Helfer der Terrororganisation Al Qaida festgenommen. Den Mann, einen 30 alten deutschen Staatsbürger mit dem Namen Sermet I., hatte die Bundesanwaltschaft mit Haftbefehl gesucht. Er soll in mindestens drei Fällen Ausrüstungsgegenstände und Bargeld für mutmaßliche Terroristen über Pakistan nach Afghanistan geschmuggelt haben. Der Verhaftete gilt als Komplize des Aleem N., von dem er Beschaffungsaufträge erhalten haben soll.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Aleem N. war im Februar 2008 festgenommen worden, gegen ihn wurde Anklage erhoben, seit Anfang Dezember wird am Oberlandesgericht Koblenz gegen den 46 Jahre alten Deutschen pakistanischer Herkunft verhandelt. Sermet I. soll Entfernungsmesser, Nachtsichtgeräte und Geld an Aleem N. übergeben haben. Dieser unterhielt vor seiner Verhaftung auch direkte und mittelbare Kontakte zu mutmaßlichen Angehörigen der „Sauerland“-Gruppe, die im September 2007 bei Vorbereitungen für Autobombenattentate festgenommen wurden. Am 24. März beginnt vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf der Prozess gegen die „Sauerland“-Gruppe.

          Kofferbomber verurteilt

          In Baden-Württemberg gelten nach Analysen der Landesverfassungsschützer vor allem Ulm an der bayerischen Grenze und der Großraum Stuttgart als Gebiete, in denen sich mutmaßliche islamistische Terroristen und Al-Qaida-Mitglieder organisieren und betätigen. Der jetzt festgenommene Sermet I. ist dringend verdächtig, Mitglied einer ausländischen terroristischen Vereinigung zu sein. Zudem soll er in drei Fällen gegen das Außenwirtschaftsgesetz verstoßen haben.

          Die Bundesanwaltschaft hatte es erst kürzlich als Genugtuung bezeichnet, dass der sogenannte Kofferbomber vom Oberlandesgericht Düsseldorf nach 60 Verhandlungstagen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden war. „Der Rechtsstaat hat ein Zeichen gesetzt“, kommentierte der stellvertretende Generalbundesanwalt Griesbaum das Urteil auf der Jahrespressekonferenz der Behörde. Der verurteilte Kofferbomber Youssef El Hajdib habe aus dem Internet die Anleitung zum Bombenbau heruntergeladen. Es müsse noch geklärt werden, ob das Einstellen von Terrorpropaganda ins Netz dann in Deutschland verfolgt werden könne, wenn die Botschaften in Deutschland empfangen werden könnten.

          Das Internet als Propagandaplattform

          Weiter stellte der Bundesanwalt fest, dass die Täter, die sich im Internet an der Verbreitung islamistischer Propaganda beteiligen, immer jünger würden. Auch Generalbundesanwältin Harms wies wiederholt auf die zentrale Rolle des Internets für den islamistischen Terrorismus hin. Das Netz werde zur Propaganda für den Heiligen Krieg, aber auch zur Verbreitung von Anleitungen zum Bombenbau und zur Rekrutierung neuer Unterstützer genutzt. „Das Internet ist der Heimwerkermarkt der Do-it-yourself-Dschihadisten geworden“, sagte Frau Harms. Die Schreibtischtäter seien ein wesentlicher Bestandteil des Dschihad.

          Unterdessen ist zum Anschlag vor dem Botschaftsgebäude der Bundesrepublik in Kabul ein Selbstbezichtigungsschreiben bekannt geworden. Nach Angaben der Zeitschrift „Focus“ sei das Schreiben auf einer offiziösen Seite der Taliban veröffentlicht worden. In einem Brief „an das deutsche Volk und an seine mit Amerika verbündete Regierung“ sei von „Strafe und Warnung“ die Rede. Bei dem Autobombenanschlag waren am 17. Januar auf einer Straße vor der deutschen Botschaft vier Zivilisten und ein amerikanischer Soldat ums Leben gekommen. Auch der Attentäter starb.

          Das Dienstgebäude der Botschaft war schwer beschädigt worden. Ein Sprecher des Bundeskriminalamtes sagte nach Agenturangaben, das Schreiben sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit von den Taliban“. Es stärke die Einschätzung der Sicherheitsbehörden, „dass Deutschland und deutsche Interessen im Ausland im Zielspektrum von Al Qaida und den Taliban liegen“.

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