https://www.faz.net/-gpf-p7gv

Terrorismus : „Iranische Behörden haben Al Qaida unterstützt“

  • Aktualisiert am

Sind Attentäter vor den Anschlägen in den Iran und in Pakistan eingereist? Bild:

Die Kommission, die die Vorgeschichte der Terroranschläge vom 11. September 2001 untersucht hat, hat Hinweise auf aktive Kontakte zwischen den Attentätern und den iranischen Behörden. Iran weist die Vorwürfe als Propaganda zurück.

          2 Min.

          Etwa die Hälfte der Attentäter des 11. September 2001 sollen über Iran aus Afghanistan weiter in die Vereinigten Staaten gereist und dabei von den iranischen Behörden indirekt unterstützt worden sein.

          Das berichteten amerikanische Medien wie die Zeitschriften "Time" und "Newsweek" sowie die Tageszeitung "New York Times" am Wochenende übereinstimmend unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter, die mit dem Abschlußbericht des unabhängigen Ausschusses zur Untersuchung der Vorgeschichte der Anschläge vertraut sein sollen. Die Veröffentlichung des Berichts mit einem Umfang von mehr als 500 Seiten wird für Donnerstag erwartet.

          Versäumnisse vor Anschlägen

          In dem Bericht werden zahlreiche Versäumnisse und Fehleinschätzungen der Geheimdienste und Behörden vor den Anschlägen vom 11. September 2001 aufgezählt. Teheran hat die Berichte über eine Verbindung mit dem Terrornetz Al Qaida als amerikanische Propaganda zurückgewiesen und stattdessen am Wochenende die vollständige Zerschlagung aller Al-Qaida-Zellen im Land gemeldet.

          Zwischen acht und zehn der späteren Attentäter sollen zwischen Oktober 2000 und Februar 2001 einmal oder mehrfach über Iran von und nach Afghanistan gereist sein. Die iranischen Behörden hätten ihre Grenzposten angewiesen, ihre Pässe nicht mit Einreisestempeln zu versehen.

          Kontakt zwischen Teheran und Bin Ladin

          Teheran habe zudem dem Kopf von Al Qaida, Usama bin Ladin, nach dem Anschlag vom Oktober 2000 auf das amerikanische Kriegsschiff "USS Cole" die Zusammenarbeit im Kampf gegen die Vereinigten Staaten angeboten. Bin Ladin habe das Angebot abgelehnt, weil er seine Unterstützer in Saudi-Arabien nicht mit einer Kooperation mit Iran habe vor den Kopf stoßen wollen.

          Die Informationen über die angebliche Zusammenarbeit Teherans mit Al Qaida sollen aus Verhören verhafteter Al-Qaida-Mitglieder wie des Jemeniten Walid Mohammed bin Attash sowie aus mehr als hundert abgefangenen Kommunikationen stammen. Die Erkenntnisse seien erst in der vergangenen Woche dem Weißen Haus zur Prüfung zugeleitet worden.

          Nationalen Geheimdienstdirektor gefordert

          Der republikanische Vorsitzende des Ausschusses, Thomas Kean, hatte schon im Juni angedeutet, der Abschlußbericht des Ausschusses werde zeigen, daß es "viel mehr aktive Kontakte (von Al Qaida) mit Iran und mit Pakistan gab als mit dem Irak". Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums in Teheran schloß die Einreise einiger Al-Qaida-Terroristen vor den Anschlägen vom 11. September 2001 nach Iran nicht aus; das sei dann aber ohne Wissen der iranischen Grenztruppen entlang der langen Wüstengrenze zu Afghanistan geschehen.

          Der "9/11-Ausschuß" fordert in seinem Bericht unter anderem die Schaffung des Postens eines nationalen Geheimdienstdirektors mit Kabinettsrang, der künftig die Arbeit und die Budgets der insgesamt 15 amerikanischen Geheimdienste überwachen soll. Bisher wurde die Arbeit der verschiedenen Dienste ex officio vom Direkor des Auslandsgeheimdienstes CIA koordiniert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abwahl Brandners : Hetzen als System

          Der Rechtsausschuss hat seinen Vorsitzenden Stephan Brandner abgewählt. Seit Jahren beschimpft der AfD-Politiker alle politischen Gegner – und zeigt dabei eine Vorliebe für sexuell aufgeladene Pöbeleien.
          Baukräne stehen auf einem Baugrundstück neben neugebauten Wohnhäusern in Köln.

          Pläne der KfW : Wer baut, bekommt Geld geschenkt

          Die Staatsbank will erstmals Kredite mit Negativzinsen vergeben. Profitieren sollen Privatleute, Mittelstand und Kommunen. Bis die Negativzinsen beim Endkunden ankommen, könnte es allerdings noch dauern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.