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Terrorismus : Dschihad Jane

  • -Aktualisiert am

Colleen LaRose Bild: dpa

Seit Oktober sitzt Colleen LaRose in einem Bundesgefängnis in Pennsylvania. Sie ist dringend verdächtig, einen terroristischen Mordanschlag geplant zu haben. Wollte die Amerikanerin den schwedischen Karikaturisten Vilks töten?

          2 Min.

          Die Nachbarn im Städtchen Pennsburg nördlich von Philadelphia mochten es nicht glauben. „Mein Gott, was für eine erstaunliche, schockierende Überraschung“, ließ sich einer im Sender ABC vernehmen. Doch es stimmt: Seit Oktober sitzt Colleen LaRose, 46 Jahre alt, kaum 1,50 Meter groß und 45 Kilogramm schwer, blaue Augen und blondes Haar, in einem Bundesgefängnis in Pennsylvania. Sie ist dringend verdächtig, einen terroristischen Mordanschlag geplant zu haben.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Verhaftung und Anklage von Colleen LaRose hielten die amerikanischen Behörden bis zum Dienstagabend geheim. Denn erst jetzt wurden nahe Cork in Irland vier Männer und drei Frauen verhaftet, die offenbar das gleiche Opfer ins Visier genommen hatten wie die zierliche Frau aus Pennsylvania. Es handelt sich um den schwedischen Zeichner Lars Vilks, der 2007 eine Karikatur des Propheten Mohammed veröffentlicht hatte, in welcher der Gründer des Islams in Hundegestalt dargestellt ist.

          Blonde Amerikanerin entspricht so gar nicht dem Klischeebild

          Der Fall Vilks erinnert an jenen des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard, der schon 2005 mit einer von Muslimen als gotteslästerlich empfundenen Zeichnung des Propheten (mit einer Bombe als Turban) den Zorn radikaler Islamisten auf sich gezogen hatte und am Neujahrstag 2010 in seinem Haus knapp dem Mordanschlag eines mit einer Axt bewaffneten jungen Somalis entging.

          Ob Colleen LaRose mit den am Dienstag in Irland festgenommenen Verdächtigen in Verbindung stand, oder ob es sich um zwei getrennte Mordkomplotte gehandelt hat, ist bisher unklar. Der Fall LaRose aber hat in den Vereinigten Staaten die Debatte über die Gefahr des einheimischen islamistischen Terrorismus neu entfacht. Denn die blonde Amerikanerin, die sich im Internet „Fatima LaRose“ oder gar „Dschihad Jane“ nannte, entspricht so gar nicht dem Klischeebild eines gewaltbereiten Dschihadisten. Der ist gewöhnlich männlich, stammt aus dem Nahen Osten oder ist ein junger Konvertit in einem westlichen Staat.

          Ob von Colleen LaRose tatsächlich akute Gefahr ausging - für Vilks im Besonderen und für die Öffentlichkeit in Amerika oder in Schweden im Allgemeinen -, oder ob ihre Einlassungen im Internet bloß die Gewaltphantasien einer desorientierten, aber letztlich harmlosen Person waren, wird sich vielleicht nicht einmal in ihrem Strafverfahren herausstellen. Im Falle einer Verurteilung droht ihr aber lebenslange Haft und eine Geldstrafe in Höhe von bis zu einer Million Dollar.

          Die Anklage lautet unter anderem auf Verschwörung zur Unterstützung von Terroristen und zum Mord im Ausland. Die Staatsanwaltschaft wirft Frau LaRose vor, über Internetforen Kontakt mit Mitverschwörern in Südasien, in Ost- und in Westeuropa sowie in den Vereinigten Staaten aufgenommen und Komplizen rekrutiert zu haben. In den E-Mails und Blogeinträgen ging es um mögliche Selbstmordattentate, um die Finanzierung von Anschlägen, den Diebstahl von Pässen.

          „Es ist gut, dass ich nicht auffalle“

          Im August 2009 schließlich reiste sie nach Schweden, nahm dabei auch den amerikanischen Pass eines offenbar ahnungslosen Freundes mit und suchte sich eine Unterkunft in der Künstlerkolonie, in der auch Vilks lebt. In der Mail eines angeblichen Auftraggebers hatte es kurz zuvor geheißen: „Gehe nach Schweden, mache ihn ausfindig und töte ihn!“ Colleen LaRose schrieb zurück: „Es ist gut, dass ich nicht auffalle“, und im September gelobt sie, es sei „eine Ehre und ein großes Vergnügen“, den Mordanschlag zu verüben: „Nur der Tod wird mich aufhalten, jetzt, da ich dem Ziel schon so nahe bin.“

          Warum sie im Oktober 2009 unverrichteter Dinge wieder nach Amerika zurückgekehrt ist, bleibt zumindest für die Öffentlichkeit rätselhaft. Kurz nach ihrer Ankunft in Amerika wurde sie festgenommen.

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