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Terrorismus : Die willigen Dschihad-Krieger aus Deutschland

Der Türke aus Bayern: Cüneyt Ciftci Bild: AP

Mehr als dreißig Dschihad-Anhänger werden nach wie vor in Pakistan zu Terroristen ausgebildet. Seht her, lautet die Botschaft: Wir können zuschlagen, wann wir es wollen. Der nächste Selbstmordattentäter könnte ein Deutscher sein.

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          Die Rauchsäule stieg achtzig Meter hoch, als sich vor einem Monat Cüneyt Ciftci in einem Toyota-Lastwagen in die Luft sprengte. Um kurz nach vier Uhr nachmittags hatte der 28 Jahre alte Mann mit dem Vollbart die Sprengladung im amerikanischen Stützpunkt Sabari District Center in der ostafghanischen Region Khost gezündet. Er riss zwei Afghanen und zwei amerikanische Soldaten, 22 und 23 Jahre alt, mit in den Tod. Ciftci ist der erste Selbstmordattentäter aus Deutschland - ein Türke aus Bayern. Geboren in Freising, wohnhaft bis vor einem Jahr im fränkischen Ansbach, in einer Neubauwohnung, mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern. Acht Jahre lang arbeitete er bei Bosch.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Unauffällig soll er gewesen sein. Vor einem Jahr kündigte er seine Stelle, ging in die Türkei, wo er seine Familie zurückließ. Dann zog er weiter, sein Ziel war Pakistan, die Ausbildungslager der Islamischen Dschihad Union (IJU). Die Terrorgruppe, die im vergangenen Jahr als Auftraggeber der im September verhafteten „Sauerland“-Bomber zum Begriff in Deutschland wurde, hat auch den Kamikaze-Akt des Manns aus Bayern im Internet für sich reklamiert.

          Alle Verhafteten schweigen

          Um die Tat propagandistisch auszuschlachten, hat die IJU ein Video über die letzten Tage im Leben von Cüneyt Ciftci gedreht. Es zeigt ihn stets fröhlich lächelnd, wie er die Säcke mit Sprengstoff in den Wagen trägt, die Drähte beim Fahrersitz zurechtlegt, die Freunde zum Abschied umarmt. Es zeigt einen Talibanführer, der die Tat als gottgefällig preist. Es zeigt die gewaltige Explosion, die Filmer rufen „Allah Akbar“, Gott ist groß. Die Botschaft ist: Wir können zuschlagen, wenn wir es wollen. Auch mit Dschihad-Kriegern aus Deutschland.

          Ciftci, der einer streng religiösen Familie entstammte und einen Teil seiner Kindheit in einem islamischen Internat in der Türkei verbracht haben soll, war den Behörden als einer aus dem Umfeld der „Sauerland“-Gruppe bekannt. Er wurde observiert. Man wusste, dass er ausreisen wollte. Aber hindern konnte man den Türken, dessen Einbürgerungsanträge wenige Jahre zuvor abgelehnt worden waren, nicht daran. Für den Dschihad geworben hatte ihn Adem Ylmaz, einer der „Sauerland“-Bomber. Der Türke aus dem hessischen Langen hat vielen Islamisten aus Deutschland den Weg in die Lager der IJU geebnet. Mit Ciftci stand er in engem E-Mail-Kontakt. Anders als seine Mittäter, die Konvertiten Fritz Gelowicz und Daniel Schneider, gilt Ylmaz den Behörden als einer, der selbst zum Selbstmordattentäter taugte. In ihren E-Mails sollen Ylmaz und Ciftci diese Anschläge gerechtfertigt haben. Wie die anderen Verhafteten schweigt auch Ylmaz.

          Junge Führer und 200 Kämpfer

          Dabei haben die Ermittler viele Fragen. Besonders interessiert sie, was Konvertiten und Türken aus Deutschland zu einer kleinen Terrorgruppe ins pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet führte. Denn die IJU gilt als eine Splittergruppe usbekischer Herkunft, die sich von der größeren Islamischen Bewegung Usbekistans abgespalten hat. Zwar hat auch die IJU 2004 durch Anschläge auf die amerikanische und die israelische Botschaft in Usbekistan auf sich aufmerksam gemacht - doch will sie die nationale Agenda ihrer Mutterorganisation erweitern durch die Teilnahme am internationalen Dschihad.

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