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Terrorismus : „Das ist unser 11. September“

  • -Aktualisiert am

Die Szenen erinnern an die Selbstmordanschläge in Israel: Mitten im größten Abendtrubel haben die Anschläge die Menschen überrascht.

          Den vier jungen Schweden, die am Sonntag im Hauptflughafen von Bali auf ihr Flugzeug warteten, stand nach dem verheerenden Bombenanschlag der vergangenen Nacht der Schock ins Gesicht geschrieben. „Wir wollen hier nur noch weg“, sagte John Andersson unter Tränen. „Dies ist ein Albtraum“, fügte der 21-Jährige hinzu. „Wir waren zu sechst hier, vermissen jetzt aber zwei Freunde - Charlotte und Anna. Wir wissen nicht, wo sie sind, und ich befürchte, sie sind tot. Sie wollten ausgehen und sind nicht zurückgekommen.“

          Am Tag nach dem Anschlag in der beliebten Touristenmeile von Kuta versuchten Einheimische und Urlauber auf unterschiedliche Art, das Geschehene zu verarbeiten. Dutzende von Touristen erschienen im örtlichen Hauptkrankenhaus, um Blut zu spenden oder ihre Hilfe anzubieten. Tausende Einheimischer kamen am Sonntag zum Ort der Explosion, der von der Polizei abgeriegelt worden ist. Junge Frauen stellten an einem Kontrollpunkt Kerzen und Weihrauchstäbchen auf, einige weinten.

          Allgemeine Ratlosigkeit nach dem Anschlag

          „Das ist unser 11. September“, sagte I Made Suraya. „Das ist das Schlimmste, was jemals hier geschehen ist. Wir wissen gar nicht, was zu tun ist oder wen wir zur Verantwortung ziehen könnten.“ Sie hoffe, dass Staatspräsidentin Megawati Sukarnoputri den Fall lösen könne, sagte die junge Frau weiter. Die Präsidentin, Tochter von Staatsgründer Sukarno, wird in Bali besonders verehrt.

          Örtliche Einwohner, die nicht aus Bali stammen, zeigten sich am Sonntag besonders besorgt. Die einheimische Bevölkerung, größtenteils Hindus, gilt als weltoffen und gastfreundlich. In den vergangenen Jahren gab es in Bali aber Spannungen mit Moslems, nachdem immer mehr moslemische Einwanderer aus Java gekommen sind. Vor drei Jahren kam es in Denpassar zu Straßenschlachten zwischen einheimischen Jugendlichen und Einwanderern aus Java. Örtliche Jugendliche befürchteten, dass die Neuankömmlinge aus Java den lukrativen Handel an den Strandkiosken an sich reißen wollten. Dutzende von Javanesen wurden verletzt, und mehrere hundert Kioske in Brand gesteckt.

          Moslems ziehen sich erst einmal zurück

          „Ich befürchte, dass man hier den Islam für den Anschlag verantwortlich machen wird und dass manche Leute dies ausnutzen werden“, meinte Subianto. Er betreibt in unmittelbarer Nähe der ausgebrannten Discothek einen Telefonkiosk. „Ich werde mein Geschäft einige Tage lang schließen und mich erst einmal mit meinen Nachbarn beraten, um mögliche Missverständnisse auszuräumen.“

          Nach Einschätzung von Beobachtern wird sich der Anschlag auf das örtliche Geschäftsklima auswirken. Touristen geben in den Bars und Restaurants von Kuta viel Geld aus. Am Sonntag wollten sie nur noch fort. Die großen Fluggesellschaften hatten schnell Sonderflüge organisiert.

          Manche befürchten den Tod der Insel

          Dementsprechend niedergeschlagen war die Stimmung unter den Geschäftsleuten. „Jetzt werden die Touristen bestimmt alle gehen. Das wird hier jetzt eine regelrechte Wüste. Was sie jetzt beobachten ist der Tod der Insel Bali“, meinte Purtri Kusuma, eine Kellnerin aus Java, die seit mehr als zwölf Jahren in Bali lebt.

          Am Sonntagnachmittag saß ein junges Ehepaar aus Großbritannien ein letztes Mal am Strand von Kuta. Ihre beiden kleinen Söhne spielten unbekümmert im Wasser. „Wir sind erst seit drei Tagen hier, und werden jetzt abreisen“, sagte John Russell. „Wir haben uns fast daran gewöhnt, dass Bomben manchmal in London hochgehen. Aber ich erwarte doch nicht, dass so etwas in den Ferien passiert. Wir sind eine Viertelstunde vor dem Anschlag noch an dieser Bar vorbeigegangen. Was wäre denn aus unseren Kindern geworden, wenn wir ums Leben gekommen wären?“

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