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Terrorismus : Anklage gegen „Sauerland-Gruppe“ erhoben

  • -Aktualisiert am

Bereits festgenommen: Die drei Terrorverdächtigen sollen Bombenanschläge in Deutschland geplant haben Bild:

Zum Jahrestag der Festnahme der „Sauerland-Gruppe“ hat die Generalbundesanwältin Anklage gegen die drei mutmaßlichen Haupttäter erheben. Der hessische Verfassungsschutzpräsident warnt, es gebe vergleichbare Netzwerke.

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          Es war ein spektakulärer Fahndungserfolg, den Verfassungsschutz und Polizei am 4. September 2007 erzielten: Im sauerländischen Medebach-Oberschlehdorn verhafteten Polizeibeamte drei mutmaßliche Terroristen und stellten zwölf Fässer Wasserstoffperoxid, Elektronikbauteile und Zünder sicher. Die Menge der Chemikalien hätte ausgereicht, um mehr als 500 Kilogramm Sprengstoff herzustellen. Die Sprengkraft wäre höher gewesen als die bei den Anschlägen in London und Madrid. Es wäre der größte Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik geworden – mit Dutzenden, wenn nicht Hunderten Toten und Verletzten.

          Obwohl die technischen Planungen weit vorangeschritten waren, hatte die Gruppe sich offenbar noch für kein konkretes Ziel entschieden: Sie hatte eine amerikanische Kaserne in Hanau-Lamboy ausgespäht, aber auch den amerikanischen Militärflughafen Ramstein ins Auge gefasst. Als „weiches Ziel“ mit vielen zivilen Opfern wäre der Frankfurter Flughafen für sie in Frage gekommen, aber offenbar auch amerikanische Fast-Food-Restaurants und Diskotheken.

          Anklage gegen drei mutmaßliche Haupttäter

          Neben dem Bundeskriminalamt, dem Bundesamt für Verfassungsschutz und einigen Landesbehörden war auch das Hessische Landesamt für Verfassungsschutz intensiv mit der „Sauerland-Gruppe“ befasst. Deren Mitglieder tarnten sich nach Kräften: Sie schafften es, Telefonüberwachungen ins Leere laufenzulassen; sie kommunizierten zwar über E-Mails, jedoch in verschlüsselter Form und aus weit voneinander entfernt liegenden Internet-Cafés. Sie versahen gemietete Fahrzeuge mit anderen Kennzeichen, kauften Materialien unter falschem Namen. Auch beim Erwerb des Wasserstoffperoxids achteten sie darauf, keine Spuren zu hinterlassen: Für eine fünfzigprozentige Lösung hätten sie Ausweise vorlegen müssen, daher kauften sie nur eine fünfunddreißigprozentige Lösung.

          „Islamistische Gruppen auf dem Weg zur Radikalisierung”: Alexander Eisvogel, Direktor des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz

          Die Generalbundesanwältin hat zum Jahrestag der Festnahme Anklage gegen die drei mutmaßlichen Haupttäter erhoben: den damals 28 Jahre alten deutschen Konvertiten Fritz Gelowicz aus Neu-Ulm, den 28 Jahre alten Türken Adem Yilmaz aus dem hessischen Langen sowie den 21 Jahre alten deutschen Konvertiten Daniel Schneider aus dem Saarland.

          Vierzig weitere Verdächtige

          Den drei Beschuldigten wird Mitgliedschaft in einer in- sowie ausländischen terroristischen Vereinigung und die Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens vorgeworfen. Im Umfeld der Gruppe wird gegen mehr als 40 weitere Verdächtige und mögliche Helfer ermittelt, darunter auch gegen den in der Türkei in Auslieferungshaft sitzenden Deutschen türkischer Herkunft Attila S., der die Zünder für die Bomben besorgt haben soll. Andere Verdächtige wurden aber bisher nicht festgenommen.

          Das Hessische Landesamt für Verfassungsschutz war auf Adem Yilmaz und die islamistische Szene in Langen bereits aufmerksam geworden, bevor ein alarmierender Anruf der Amerikaner die Fahndungsaktion in Gang setzte, die sich über neun Monate hinzog und immer größere Kreise zog. „Wir waren auf der richtigen Spur“, sagt Alexander Eisvogel, seit zwei Jahren Präsident des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz und zuvor Leiter der Abteilung Islamismus des Verfassungsschutz-Bundesamtes. Zu Spitzenzeiten waren mehr als 600 Beamte mehrerer Sicherheitsbehörden im Einsatz, mehr als vierzig Gebäude standen rund um die Uhr unter Beobachtung.

          Mehrere Gruppen auf demselben Weg?

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