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Terrorabwehr : NRW startet Pilotprojekt gegen Salafismus

  • -Aktualisiert am

Gegen salafistische Gewalt: Der Vorsitzende des Vereins „Wegweiser“, Dirk Sauerborn (li.) und der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) stellen ihr Präventionsprojekt vor. Bild: dpa

Neue Wege will Nordrhein-Westfalen gehen, um junge Menschen von einem Abdriften in die gewaltbereite salafistische Szene abzuhalten. Innenminister Ralf Jäger (SPD) stellte das Pilotprojekt vor.

          2 Min.

          Mit einem neuen Projekt soll in Nordrhein-Westfalen das Abrutschen junger Menschen in die gewaltbereite Salafisten-Szene verhindert werden. „Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ sei als „umfassendes Präventionsprogramm“ konzipiert und in Deutschland einmalig, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Montag bei der Eröffnung der Düsseldorfer Projekt-Anlaufstelle in der Deutsch-Islamischen Moschee-Stiftung.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          „Wegweiser“ setze früher an und wirke breiter als ein Aussteigerprogramm. „Wir setzen alles daran, den Einstieg junger Menschen in die gewaltbereite salafistische Szene zu verhindern.“ Wie in Düsseldorf stehen auch in Bonn und Bochum von nun an je zwei vom Innenministerium bezahlte „Wegweiser“ nicht nur für junge Menschen, sondern auch für deren Familien bereit. „Denn Eltern oder Geschwister erkennen meist zuerst, wenn sich ihr Kind oder Bruder verändert“, sagte Jäger. Schon bisher hätten sein Ministerium wöchentlich zwei bis drei Anrufe besorgter Angehöriger erreicht. Habe Hilfe bisher eher zufällig geleistet werden können, gehe es nun um ein strukturiertes Angebot.

          1700 extremistische Salafisten

          Nach neuesten Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes gibt es allein im bevölkerungsreichsten Bundesland 1700 extremistische Salafisten. Etwa 170 von ihnen sind nach Worten des Innenministers gewaltbereit. Die Szene wachse dynamisch, sagte Jäger bei der Vorstellung des „Wegweiser“-Projekts in Düsseldorf. Bei 15 bis 20 Prozent der extremistischen Salafisten handele es sich um Konvertiten. Etwa 120 dschihadistische Salafisten aus Nordrhein-Westfalen befänden sich derzeit in Syrien, um dort im Bürgerkrieg zu kämpfen. „Wegweiser“ solle dabei helfen, junge Menschen davor zu bewahren, überhaupt in die „Radikalisierungsfalle“ zu laufen.

          Aufgabe der „Wegweiser“ ist es auch, sich mit den lokalen Akteuren wie Vereinen, Initiativen, Sozialverbänden, Moscheegemeinden, den Jugend- und Sozialämtern aber auch den Jobcentern und der Polizei in ihrer Stadt zu vernetzen. Ziel sei es, „für gefährdete Jugendliche individuelle Auswege auch den unterschiedlichsten Problemlagen“ zu entwickeln, sagte Jäger. Es gelte, bei den gesellschaftlichen Ursachen anzusetzen. „Zum Beispiel bei der Identitätssuche oder auch bei Diskriminierungserfahrungen.“ Der Innenminister nannte als Beispiel den 22 Jahre alten Yousif, der trotz Schule und Ausbildung keine Arbeit finde und sich von der Gesellschaft ausgegrenzt fühle. „Und genau in dieser Situation bieten ihm extremistische Salafisten scheinbar einfache Erklärungen und Lösungen an.“

          Religiöser Dialog mit Moscheegemeinden

          Wichtig sei auch der religiöse Dialog mit Moscheegemeinden, weil es um junge Menschen gehe, die religiöse Antworten auf ihre Fragen suchen. „Wegweiser‘ toleriert und akzeptiert religiöse Überzeugungen, aber keine Gewalt zur Durchsetzung extremistischer Ziele“, sagte Jäger. Der Mediziner Al Khatib, der ehrenamtlich beim Düsseldorfer Trägerverein „Wegweiser e.V.“ mitwirkt, sagte, Intention des Programms sei nicht, junge Leute von ihrem Glauben abzubringen, sondern vom Extremismus. „Extremismus ist Gift für jede Religion. Der Koran verbietet Terrorismus.“

          Das Projekt „Wegweiser“ wird vom Land finanziert. Zwischen 50.000 und 80.000 Euro pro Jahr überweist das Innenministerium jeder Teilnehmerkommune, um etwa Sozialarbeiter einzustellen. Jäger sagte, der „Mehrwert“ werde ein Vielfaches sein. Auch in anderen nordrhein-westfälischen Kommunen soll es das Projekt bald geben, wenn die ersten Erfahrungen in den drei Modellkommunen ausgewertet sind.

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