https://www.faz.net/-gpf-7yanw

Terror in Paris : Anschlag auf die Freiheit

  • Aktualisiert am

Innenminister Bernard Cazeneuve traf schon am Mittag in der Redaktion ein und sprach mit Redaktionsmitgliedern. Das Redaktionsgebäude im 11. Arrondissement steht seit Monaten unter Polizeischutz. „Charlie Hebdo“ war seit der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen wiederholt zur Zielscheibe islamistischer Gruppen geworden. Nach Angaben des französischen Innenministers seien drei Täter in den Anschlag verwickelt. Es werde alles getan, um die drei Kriminellen, die hinter diesem „barbarischen Akt“ steckten, außer Gefecht zu setzen, sagte der Minister am Mittwoch nach einer Krisensitzung im Élysée-Palast. Konkrete Angaben zur jeweiligen Rolle der Attentäter machte Cazeneuve nicht.

Die Zeichnerin „Coco“, die für Charlie Hebdo arbeitet, war Zeugin des Anschlags: „Ich wollte gerade meine Tochter aus dem Kindergarten holen gehen. Als ich aus dem Redaktionsgebäude kam, kamen zwei vermummte und bewaffnete Männer und haben uns brutal bedroht. Sie wollten ins Haus, hinauf. Ich habe den Code eingegeben. Sie haben auf Wolinski geschossen und auf Cabu. Das hat etwa fünf Minuten gedauert. Ich bin in mein Büro geflüchtet.... Sie haben perfekt französisch gesprochen. Sie haben sich auf Al Qaida bezogen“, berichtete sie der französischen Zeitung „Le Figaro“.

Der Polizist Emmanuel Quemener berichtet ebenfalls in „Le Figaro“, dass die Attentäter sich offenbar in der Adresse getäuscht hätten: sie seien zuerst ins Haus Nummer 6 in der Rue Nicolas Appert gegangen, dort habe man ihnen gesagt, dass der Sitz von Charlie Hebdo im Haus Nummer 10 sei. Die Attentäter seien während der Redaktionskonferenz gekommen und hätten Kriegswaffen der „ersten Kategorie“ genutzt.

Das linksgerichtete Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ hat sich nie damit abgefunden, dass Mohammed und der Islam insgesamt von Karikaturen und Satire ausgenommen werden soll. Seit Jahren ist das Magazin deshalb zur Zielscheibe für islamistische Gruppen geworden. 2006 zählte Charlie Hebdo zu den wenigen Zeitschriften, welche die Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Jyllands-Posten nachdruckten. Der Dachverband französischer Muslime (CFCM) klagte dagegen, vor Gericht aber wurde das Magazin frei- gesprochen. Am 2. November 2011 brannte das Redaktionsgebäude am Boulevard Davout in Paris nach einem Anschlag aus. Der Brandangriff wurde in Zusammenhang mit einer Karikatur Mohammeds auf der Titelseite gebracht, aber nie vollständig aufgeklärt. Charlie Hebdo wurde ebenfalls Opfer von Hackerangriffen.

Politiker verurteilen Bluttat

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich erschüttert über den „niederträchtigen Anschlag“ gezeigt. „Diese abscheuliche Tat ist nicht nur ein Angriff auf das Leben französischer Bürgerinnen und Bürger und die innere Sicherheit Frankreichs“, schrieb Merkel am Mittwoch in einem Kondolenztelegramm an den französischen Präsidenten François Hollande. „Sie stellt auch einen Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit dar, ein Kernelement unserer freiheitlich-demokratischen Kultur, der durch nichts zu rechtfertigen ist.“

Deutschland stehe „in diesen schweren Stunden eng an der Seite unserer französischen Freunde“, schrieb die Kanzlerin weiter. Sie drückte in dem Telegramm dem französischen Präsidenten und seinen Landsleuten „die Anteilnahme der Menschen in Deutschland und mein ganz persönliches Mitgefühl“ aus.

Sowohl der britische Premier David Cameron als auch der Präsident des EU-Parlaments Martin Schulz taten über den Kurznachrichtendienst Twitter ihren Abscheu kund. Auch der amerikanische Präsident Obama ließ verlauten er verurteile den Anschlag „aufs heftigste“.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach dem Anschlag jede Art von Terrorismus verurteilt. Der Präsident drücke sein „tiefes Mitgefühl für die Angehörigen der Opfer und auch für die Menschen von Paris und alle Franzosen“ aus, sagte ein Kreml-Sprecher am Mittwoch. „Moskau verurteilt scharf jede Form von Terrorismus.“

Die Nato hat derweil ihren Willen zum Kampf gegen den Terror bekräftigt. „Die Nato-Verbündeten halten im Kampf gegen Terrorismus zusammen“, erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in Brüssel. „Wir stehen in voller Solidarität bei unserem Verbündeten Frankreich.“ Terrorismus „in allen seinen Formen“ könne „niemals toleriert oder gerechtfertigt werden“.

Weitere Themen

Topmeldungen

Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.