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Terroranschläge : Verdächtiger lebte in Greifswald

  • Aktualisiert am

Einer der mutmaßlichen Täter der Terroranschläge in den USA lebte nach Medienberichten über ein Jahr lang in Greifswald. Weitere Wohnungen in Hamburg wurden durchsucht.

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          Die Spur eines der mutmaßlichen Selbstmordpiloten bei den Terroranschlägen in den USA führt nach Greifswald. Ziad Samir Jarrah soll nach Medienberichten dort über ein Jahr lang gelebt haben. Jarrah soll am Steuer der United-Airlines-Maschine gesessen haben, die in Pennsylvania abstürzte. Das FBI hält ihn sicher für einen der Entführer.

          1996 soll der 26-jährige Libanese sich in Greifswald erfolglos um ein Medizinstudium bemüht haben. 1997 ging er nach Hamburg und studierte dort Flugzeugbau. Sein Cousin blieb in Greifswald und eröffnete ein Restaurant.

          Spuren in Hamburg

          In Hamburg wurden nach den Wohnungen, die schon kurz nach dem Anschlag mit mutmaßlichen Tätern in Verbindung gebracht wurden, am Wochenende weitere durchsucht. Bislang überprüfte die „Soko USA“ 15 Wohnungen in der Hansestadt und ging rund 850 Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Drei der mutmaßlichen Terror-Piloten sollen zeitweilig in Hamburg gelebt und studiert hatten. Neben Jarrah handelt es sich laut Nehm um den 33-jährigen gebürtigen Ägypter Mohammed El Atta und den 23-jährigen Marwan Al-Shehhi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. El Atta soll in der ersten Maschine gesessen haben, die ins World Trade Center stürzte, Al-Shehhi in der zweiten. Weiterhin suchen die deutschen Ermittler zudem nach einem ihnen namentlich bekannten Mann „mit arabischen Hintergrund“, der in Deutschland lebte, sich aber vor den Anschlägen abgesetzt habe. Er soll sich nicht mehr in Deutschland aufhalten. Nehm sagte, die Hamburger Terror-Gruppe, die seit Anfang des Jahres bestand, habe „hochkonspirativ gearbeitet“. Insgesamt seien bislang bundesweit 13 Wohnungen durchsucht worden.

          In der vergangenen Woche hatten die Spuren der Attentäter die Ermittler aus Hamburg ins Ruhrgebiet geführt. In Bochum durchsuchte die Polizei zwei Wohnungen; in einer lebte die Freundin Jarrahs. Wie Generalbundesanwalt Kay Nehm am Wochenende in Karlsruhe sagte, fand die Polizei dort am Freitag einen Koffer mit „Flugzeug bezogenen Unterlagen“, den der Jarrah zurück gelassen hatte. Bislang haben die Ermittler keine Hinweise auf Kontakte der Hamburger Terrorgruppe zum Topterroristen Usama bin Ladin.

          „Höchst gläubige Moslems“

          Der 33-jährige Mohammed El Atta gründete laut Presseberichten an der Technischen Universität in Hamburg-Harburg eine Islam-Arbeitsgemeinschaft. Wie die „Bild“-Zeitung und das „Hamburger Abendblatt“ berichteten, sorgte er während seiner Studienzeit zudem dafür, dass ein eigener Gebetsraum für Moslems eingerichtet wurde.

          Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, bestand El Atta seine Diplomprüfung im Fachbereich „Stadtplanung“ im Frühjahr 1999 mit der Bestnote 1,0 im Mündlichen und mit 1,7 für seine Diplomarbeit zum Thema „Ein gefährdeter Altstadtteil in Aleppo (Syrien); Stadtteilentwicklung in einer islamisch-orientalischen Stadt“.

          Ein Professor des Fachbereichs erinnerte sich an El Atta als „liebenswürdigen, gar nicht radikalen, höchst gläubigen Moslem“ und als Menschen „mit dem man wunderbar klar kam, der in keiner Weise durch radikale Verhaltensweisen aufgefallen war“. Nach dem Diplom habe er die Hochschule ohne Vorankündigung verlassen und sei später ebenso wie sein 23-jähiger mutmaßlicher Komplize Marwan Al-Shehhi zwangsexmatrikuliert worden. Al-Shehhi lebte nach Recherchen der „Bild am Sonntag“ vor seinem Umzug nach Hamburg bei einer ahnungslosen Gastfamilie in Bonn zur Untermiete. Der Kontakt wurde den Angaben zufolge von dem bislang unbekannten Araber Fares A. hergestellt. Dieser habe sich im Mai von der Familie mit den Worten verabschiedet: „Wir werden uns nie mehr wiedersehen.“

          Dementi: Kein vierter Tatverdächtiger

          Die Bundesanwaltschaft hat Medienberichte dementiert, es gebe Erkenntnisse zu einem vierten, zeitweise in Bonn lebenden Tatverdächtigen der Terrorserie in den USA. Ein Sprecher sagte am Sonntag, es gebe keinen neuen Sachverhalt. Die am Samstag von Generalbundesanwalt Kay Nehm in Karlsruhe bekannt gegebenen Einzelheiten zur Fahndung seien nach wie vor Stand der Dinge. Die Ermittlungen stünden am Anfang und würden „mit starker Dynamik“ betrieben.

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