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Terror-Warnungen : Islamisten planen angeblich gleichzeitige Terroranschläge

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Islamistische Terrororganisationen haben die Absicht, gleichzeitige Terroranschläge in europäischen Großstädten zu begehen. Konkrete Pläne, etwa für Anschläge in Deutschland, sind allerdings nicht bekannt.

          Islamistische Terrororganisationen haben die Absicht, gleichzeitige Terroranschläge in europäischen Großstädten zu begehen. Das wissen europäische und amerikanische Nachrichtendienste aus der Befragung von gefangenen Islamisten aus Europa, die in Pakistan und Afghanistan festgenommen wurden. Konkrete Pläne, etwa für Anschläge in Deutschland, sind allerdings nicht bekannt. Es gebe, so teilte das Bundesinnenministerium am Mittwoch lediglich mit, ein „nachrichtendienstliches Aufkommen“, das auf längerfristige Vorhaben schließen lasse.

          Anders als in Frankreich, beziehen sich die hiesigen Nachrichten auf Vermutungen. Eine Quelle solcher Informationen soll ein Deutscher afghanischer Herkunft sein, der seit dem Sommer auf dem Rückweg von einem Terror-Ausbildungslager in Pakistan festgenommen wurde. Der Mann, dessen Name mit Ahmad S. angegeben wird, befindet sich demnach in einem Militärgefängnis auf dem amerikanische Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan. Dort soll er - unter welchen Umständen auch immer - Angaben zu geplanten Anschlägen gemacht haben, die von mehreren Kommandos gleichzeitig verübt werden sollten. Als Vorbild diene der Angriff auf das Luxushotel „Taj Mahal“ in der indischen Stadt Bombay vor etwa zwei Jahren, bei dem ein Terrorkommando die Stadt über viele Stunden in Atem gehalten hatte.

          Der Internierte gehört zum Umfeld der im August von der Polizei geschlossenen Taiba-Moschee in Hamburg. Im vergangenen Jahr hatte eine Gruppe von elf Hamburger Dschihadisten, unter ihnen zwei Frauen, aus dem Umkreis der Moschee versucht, nach Pakistan oder Afghanistan auszureisen, vermutlich zu Ausbildungszwecken. „Die Gruppe hatte sich in der Taiba-Moschee formiert und konspirativ verhalten“, teilte der Hamburger Verfassungsschutz mit. Zumindest einem Teil der Gruppe ist nach Angaben von Sicherheitsbehörden die Ausreise gelungen. Zwei wurden von pakistanischen Sicherheitsbehörden festgenommen und nach Deutschland zurückgeschickt. Ein weiterer ist den Erkenntnissen zufolge Ende 2009 nach Deutschland zurückgekehrt.

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          „Die Bedrohung ist real“

          In Frankreich warnen die Sicherheitsbehörden seit Wochen vor einer konkreten Terrorgefahr. „Die Bedrohung ist real, unsere Überwachung ist verstärkt“, sagte Innenminister Brice Hortefeux kürzlich. Der Direktor der nationalen Polizei, Frédéric Péchenard, ergänzte, dass auch französische Interessen im Ausland bedroht seien. Zur Zeit sind fünf Franzosen in der Gewalt der Al Qaida für den Islamischen Maghreb, vermutlich in Mali. Am Dienstagabend war zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen der Eiffelturm in Paris wegen einer Bombendrohung geräumt worden. Die Informationen über weitere Anschlagsgefahren wollte Paris nicht kommentieren. Das Außenministerium teilte mit, in der Terrorismusbekämpfung funktioniere der Datenaustausch mit befreundeten europäischen Ländern und Amerika hervorragend. Die neuen Informationen würden sorgfältig analysiert, hieß es im Außenministerium.

          In Washington bekräftigten sowohl die amerikanische Heimatschutzministerin Janet Napolitano als auch Geheimdienstkoordinator James Clapper, dass der „hausgemachte Terrorismus“ (homegrown terrorism) weiterhin die größte Gefahr für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Länder darstelle. „Wir wissen, dass Al Qaida Europa und die Vereinigten Staaten angreifen will“, heißt es in einer Mitteilung Clappers von der Nacht zum Mittwoch. Deshalb arbeiteten die amerikanischen Behörden „eng mit unseren europäischen Verbündeten zusammen, um der Gefahr durch internationalen Terrorismus zu begegnen“, ließ Clapper mitteilen. Heimatschutzministerin Napolitano sagte jüngst bei einer Anhörung im Senat, mit Angriffen gegen sogenannte weiche Ziele wie Hotels, Einkaufszentren und leicht zugängliche öffentlich Gebäude müsse auch in naher Zukunft gerechnet werden. Bei einem Treffen des Internationalen Verbands für Zivilluftfahrt in Montreal in Kanada forderte Frau Napolitano zudem den verbreiteten Einsatz von Körperscannern an Flughäfen in aller Welt. Schließlich müssten örtliche Behörden wachsamer sein, um mögliche Terroranschläge zu vereiteln. „Heimatschutz beginnt mit Heimatstadtschutz“, sagte Frau Napolitano.

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