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Terror-Prozess : Zeuge: 'Kofferbomber' erwogen Anschlag auf WM-Stadion

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Der Mann mit der 13 Bild: AP

„Sie hatten vor, Menschen zu töten, und zwar so viele wie möglich“, berichtete ein BKA-Beamter als Zeuge vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Die beiden Libanesen hätten nach deren Aussagen auch Anschläge auf das Kölner WM-Stadion oder die Hohenzollernbrücke erwogen.

          Die Kofferbomber von Köln wollten nach Angaben eines der beiden Täter mit den Sprengsätzen in zwei Regionalzügen ein Blutbad anrichten. Von entsprechenden Aussagen des 23-jährigen Dschihad H. bei Vernehmungen im Libanon berichtete ein Beamter des Bundeskriminalamtes (BKA) am Donnerstag als Zeuge vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. „Sie hatten vor, Menschen zu töten, und zwar so viele wie möglich“, sagte der 58 Jahre alte BKA-Beamte unter Berufung auf Angaben von H. Im Prozess gegen dessen mutmaßlichen Komplizen Youssef Mohamad E.H. bestätigte der Zeuge zudem, dass die beiden Libanesen H. zufolge auch Anschläge auf ein Stadion während der Fußball-WM sowie auf die Kölner Hohenzollernbrücke erwogen hatten.

          Der in Düsseldorf wegen Mordversuchs angeklagte 23-jährige Youssef Mohamad E.H. äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen der Bundesanwaltschaft. Er soll mit Jihad H. am 31. Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof Bombenkoffer in zwei Regionalzügen platziert haben, um gegen die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen zu protestieren. Die Sprengsätze detonierten den Ermittlern zufolge nur wegen Fehlern beim Bombenbau nicht. E.H. war am 19. August 2006 in Kiel festgenommen worden; wenige Tage später stellte sich Jihad H. den Behörden im Libanon. Er wurde am 18. Dezember in Beirut zu zwölf Jahren Haft verurteilt, gegen Youssef Mohamad E.H. verhängten die libanesischen Richter in Abwesenheit eine lebenslange Freiheitsstrafe.

          „Sie hatten vor, die Bomben hochgehen zu lassen“

          Nach Angaben des BKA-Beamten belastete H. bei Verhören im Libanon seinen in Deutschland angeklagten Komplizen schwer. „Er hat den Angeklagten als denjenigen bezeichnet, der ihn einer Gehirnwäsche unterzogen hat“, sagte der Polizist, der als BKA-Verbindungsbeamter in Beirut bei Vernehmungen von H. zugegen gewesen war. Bei den Befragungen im Libanon ergaben sich nach Aussagen des Zeugen auch keine Hinweise darauf, dass die Sprengsätze nicht explodieren sollten und die beiden Libanesen mit den Bombenkoffern lediglich ein symbolisches Zeichen gegen die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen setzen wollten. „Es gab nie einen Zweifel daran, dass die Tat zur Vollendung gelangen sollte“, sagte der BKA-Beamte vor Gericht.

          Vor Gericht in Düsseldorf: Der Libanese Youssef Mohamad E.H.

          Auch auf die ausdrückliche Frage des Vorsitzenden Richters Ottmar Breidling, ob die Libanesen womöglich einen „perfekten Fehlschlag“ inszenieren wollten, sagte der Zeuge: „Das war nie ein Thema. Ich gehe nicht davon aus, dass das in den Hinterköpfen steckte“. Er fügte hinzu: „Sie hatten ganz klar vor, die Bomben hochgehen zu lassen.“ Mit Blick auf die zuvor bereits bekannt gewordenen weiteren Anschlagspläne der beiden Männer sagte der BKA-Beamte, ein Attentat auf ein Fußballstadion sei ihnen letztlich wegen der scharfen Sicherheitsvorkehrungen während der WM als zu riskant erschienen. Einen Anschlag auf die Kölner Rheinbrücke hätten sie verworfen, weil die Sprengkraft von selbst hergestellten Bomben dazu nicht ausgereicht hätte.

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