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Terror in San Bernardino : Schwarze Witwe am Sturmgewehr

  • -Aktualisiert am

Waffen der beiden Attentäter von San Bernardino Bild: dpa

Noch können die Ermittler viele Fragen nicht beantworten. Fest steht aber: Der amerikanische Ehemann galt vor dem Anschlag von San Bernardino als politisch liberal und religiös moderat. War die Frau die radikalere Hälfte des Terrorpaars?

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          Manche Kommentatoren halten Tashfeen Malik für die „Schwarze Witwe“ von San Bernardino: eine Spinne, die nach der Paarung das Männchen verspeist. Hat die Pakistanerin ihren amerikanischen Mann Syed Rizwan Farook seiner vor Jahren erklärten „liberalen politischen Ansichten“ und „modernen religiösen Werte“ beraubt? Hat erst die Ehe den 28 Jahre alten Autobastler in einen Dschihadisten verwandelt?

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          In den Minuten unmittelbar vor, nach oder gar während des gemeinsamen Sturmgewehr-Angriffs auf die Weihnachtsfeier von Farooks Arbeitskollegen unterwarf Malik sich am Mittwoch Abu Bakr al Bagdadi. Seit der Facebook-Treueschwur zum „Kalifen“ des „Islamischen Staats“ entdeckt wurde, behandelt das FBI das Massaker mit 14 Toten als Terrorakt.

          „Vieles in diesem Fall ergibt keinen Sinn“, klagte FBI-Direktor James Comey dennoch. Warum sollten Islamisten die Belegschaft eines Kreisgesundheitsamts attackieren? Wozu hortete das Paar so viele weitere Waffen und Bomben? Ein Ermittler jammerte, die Täter hätten „nicht den Grundkurs Dschihad befolgt“.

          Tashfeen Malik

          Offenbar versuchten sie nie, Kontakt zum IS aufzunehmen. Die Terrormiliz selbst schien am Samstag zu bestätigen, dass die Täter nicht in ihrem Auftrag handelten, sondern lediglich in ihrem Ungeist. Ihr Radiosender bezeichnete die im Gefecht von der Polizei getöteten „Märtyrer“ aus Kalifornien nur als „Unterstützer“ des „Islamischen Staats“. Die Terroristen von Paris hatte die Gruppe als „Ritter“ oder „Soldaten“ des IS gefeiert.

          Farook brachte Malik aus Saudi-Arabien mit

          Der in Illinois als Sohn pakistanischer Einwanderer geborene Gesundheitsinspektor Farook soll die Pharmazeutin Malik über eine Internet-Partnerbörse gefunden haben. Malik wurde in Pakistan geboren, wuchs aber im saudischen Dschidda auf. Ihr Studium absolvierte sie wieder im pakistanischen Multan, wo islamistische Extremisten verwurzelt sind.

          Im Juli 2014 flog Farook wie schon 2013 zur Hadsch nach Saudi-Arabien. Diesmal kam er mit Malik heim, für die er ein sogenanntes Verlobtenvisum beantragt hatte. Sie heirateten, zeugten eine Tochter und überzeugten das Amt, dass ihre Ehe nicht nur vorgetäuscht war. Malik erhielt eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.

          Weder die Abfrage von Terrordatenbanken noch ihre Befragung durch amerikanische Konsularbeamte in Pakistan hatten Alarmglocken in Gang gesetzt. Der Präsident ließ nun vorsichtshalber mitteilen, dass syrische Flüchtlinge strenger überprüft würden. Doch derlei Details gehen im Wahlkampf unter. Alle republikanischen Präsidentschaftsbewerber warfen Barack Obama vor, die Bedrohung des IS weiterhin zu unterschätzen.

          „Unser Land ist belagert“, sagte Chris Christie, der „nächste Weltkrieg“ habe begonnen. Auch Jeb Bush forderte, dem „islamischen Terrorismus“ endlich „den Krieg zu erklären“. Donald Trump hatten die Namen der Attentäter genügt, um die Tat schon Donnerstag als ein Werk von Islamisten zu bezeichnen, denen er als Präsident „die Scheiße aus dem Leib bomben“ will. Marco Rubio mokierte sich, dass Obama auf „islamischen Terror“ mit einer Debatte über das Waffenrecht reagiere, „als ob sich Terroristen um Gesetze scheren“.

          Doch viele Demokraten sehen darin keinen Widerspruch. Hillary Clinton schloss sich Obamas Appell an, den Terrorverdächtigen von der Flugverbotsliste den Waffenerwerb zu verbieten.

          Republikaner gegen strengere Waffengesetze

          Die „New York Times“ hielt am Samstag in einem Leitartikel auf der ersten Seite fest, dass es den Toten egal sei, ob Dschihadisten oder andere Fanatiker den Finger am Abzug hatten. Die Politik schaffe Märkte für „Möchtegernmörder“. Auf Seite 15 erläuterte die Zeitung, dass es sich um ihren ersten Titelseitenkommentar seit 1920 handle.

          Der Republikaner Ted Cruz war am Freitag auf einem Schießstand in Iowa aufgetreten. „Man hält die Bösen nicht auf, indem man uns die Waffen wegnimmt“, rief er. Die Amerikaner hätten das „göttliche Recht“, ihre Familien zu beschützen.

          Im August hatte Cruz Speck um den Lauf eines Maschinengewehrs gewickelt, einige Salven abgegeben und den Bacon so gebraten. Sein Kollege Rand Paul ließ sich filmen, wie er mit einem Sturmgewehr Schachteln durchsiebte, die laut Aufschrift Amerikas Steuergesetze enthielten. Nach dem Massaker von San Bernardino forderte er, auch in der Hauptstadt Washington Sturmgewehre zu erlauben.

          „Vielleicht können wir nicht jede Tragödie verhindern“, sagte Obama in seiner Radioansprache. „Doch allermindestens sollten wir es potentiellen Terroristen und Verbrechern weniger leicht machen, eine Waffe zu erlangen, die sie gegen Amerikaner richten könnten.“

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