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Terror in Barcelona : Der Weg der Mörder

Polizisten sperren das Gebiet rund um den zerstörten Lieferwagen am Donnerstagabend weiträumig ab. Bild: AP

Der Terror ist nach Spanien zurückgekehrt. Er wird uns abermals nicht von unserer Art zu leben abbringen. Ein Kommentar.

          Nizza und Berlin im vergangenen Jahr, London, Stockholm und Paris in diesem – und nun Barcelona. Dreizehn Jahre nach den Anschlägen auf die Madrider Vorortzüge, bei denen fast 200 Personen starben und mehr als zehnmal so viele verletzt wurden, ist der Terror nach Spanien zurückgekehrt. Damals mordeten die Attentäter im Namen von Al Qaida. Der Weg, den der oder die Mörder am Donnerstag mit einem Kleintransporter über den Prachtboulevard der katalanischen Metropole nahmen, trägt wie die fünf anderen Attentate der vergangenen dreizehn Monate die Handschrift des IS.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Die Attentäter vom März 2004 hatten nicht nur das Ziel, möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen und – nicht einmal drei Jahre nach „9/11“ – die westliche Welt wieder in Furcht und Schrecken zu versetzen. Drei Tage später wurde in Spanien ein neues Parlament gewählt. Die konservative PP, die im Irakkrieg fest an der Seite Amerikas stand und zunächst die baskische Terrororganisation Eta verdächtigt hatte, verlor die Macht. Die Sozialisten kündigten die „Koalition der Willigen“ umgehend auf.

          Die Ausführung der Tat ist eine Inszenierung

          Geopolitische Ziele dieser Art hatten die Attentäter von Nizza bis Barcelona nicht. Der IS-Terror ist inzwischen eher das Werk Einzelner. Ihre Waffen sind leicht zu beschaffende Fahrzeuge, die Ausführung der Tat ist eine Inszenierung. Es geht den Attentätern nicht nur um möglichst viele Tote und Verletzte, vor möglichst vielen Augen wahllos niedergewalzt. Ebenso bedeutsam sind die Kulissen ihres abscheulichen Tuns. Boulevards und Brücken westlicher Metropolen stehen für den öffentlichen Raum, in dem sich freiheitliche Gesellschaften entfalten.

          Es ist nicht möglich, diesen Raum und diejenigen, die ihn bevölkern, umfassend vor dem Hass islamistischer Terroristen zu schützen. Das Leben Unschuldiger ist ihnen auch dann nicht heilig, wenn sie wissen, dass auch Glaubensbrüder unter ihren Opfern sind. Aber auch ein „Weiter so“ oder ein „Jetzt erst recht“ kann weder die erste noch die einzige Antwort auf eine grausame Tat wie die von Barcelona sein. Jetzt sind die Tage der Trauer um die Toten, der Hoffnung mit den Verletzten, des Mitgefühls mit den Angehörigen. Und was immer wir über die Mörder und ihre Hintermänner erfahren werden – sie werden nicht die letzten sein. Aber auch sie dürfen und werden uns nicht von unseren Werten und unserer Art zu leben abbringen.

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