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Ukrainer über ihr Land : Wie blickt die Ukraine auf Europa?

  • Aktualisiert am

Auf nach Westen: Viele Ukraine wollten die Grenze zur Freiheit überspringen. Bild: Anatoliy Belov

Die Menschen auf dem Majdan demonstrierten für Europa, bevor im Osten der Ukraine ein Krieg ausbrach. Europa hält sich dort weitgehend heraus. Wie wirkt sich das auf die Haltung der Ukrainer aus? Teil vier der FAZ.NET-Serie „Stereoscope Ukraine“.

          Wie sollte Europa auf die Vorgänge in der Ostukraine reagieren und was können die Ukrainer von Europa erwarten? Diese Fragen sind der Ausgangspunkt der vierten Folge unserer fünfteiligen Reihe „Stereoscope Ukraine“. Wie in allen fünf Beiträgen stellt die Künstlerin und Schriftstellerin Yevgenia Belorusets die Frage und die Gastautoren - ukrainische Blogger, Wissenschaftler und Journalisten - antworten.

          „Steroscope Ukraine“ ist ein Projekt von FAZ.NET in Zusammenarbeit mit dem Journalisten-Netzwerk „N-Ost“, dass sich einer Verbesserung der Berichterstattung über Osteuropa zum Ziel gesetzt hat. Die Beiträge werden auch bei dem Online-Magazin von „N-Ost“ „Ostpol“ sowie den internationalen Partnern „Colta.ru“ (ein russisches, spenden-finanziertes Online-Magazin), „Tygodnik Powszechny“ (eine renommierte polnische Wochenzeitung) und „Transitions online“ (ein spenden-finanziertes Online-Magazin) veröffentlicht.

          Yevgenia Belorusets

          Die Einteilung der Welt in einen „Westen“ und einen „Osten“ existiert für mich nicht. Wo diese in der Vorstellung angesiedelten Sphären beginnen oder enden, kann ohnehin niemand sagen.

          Yevgenia Belorusets ist ukrainische Künstlerin und Schriftstellerin.

          Dennoch haben die Ereignisse in der Ukraine zahlreiche Veröffentlichungen provoziert, die „Europa“ oder „dem Westen“ oder einer Zurückweisung der „westlichen Werte“ gewidmet waren. Dabei wurden widersprüchliche Thesen vorgetragen: „Die Ukraine gehört zu Europa“, „die Ukrainer auf dem Majdan waren bereit, für die europäische Idee zu sterben“, „Europa hat das heldenhafte Verhalten auf dem Majdan nicht wertgeschätzt“ und schließlich: „Russland gehört zu Europa“ wie auch „Russland kämpft auf dem Territorium der Ukraine gegen Europa“.

          Der Krieg setzt sich derzeit Tag für Tag fort. Die Ukraine und viele andere Länder sollen so dazu gedrängt werden, eine Welt anzuerkennen, die in Einflusssphären aufgeteilt werden kann wie ein Stadtteil, um den sich kleine Mafiagruppen ihre Kämpfe liefern. Die Ukraine wird gezwungen, die ganze Last der Verantwortung für diesen Krieg auf sich zu nehmen, während Russland sich gegenüber den Einwohnern der von der russischen Armee zerstörten Städte in keiner Weise verantworten muss.

          Welche Rolle sollte der größere Teil der blühenden Länder Europas in dieser Konfrontation spielen? Welche Schritte erwarten wir von denen, die ungewollt in diesen Krieg hineingezogen wurden  – weil Russland ihnen einen Konflikt aufgezwungen hat, von dem kein einziges der an ihm beteiligten Länder irgendeinen Vorteil haben wird?

          Boris Chersonskij

          Die Begriffe „Westen“ und „Europa“ haben mich nie weiter aufgeregt. Mit der Auseinandersetzung zwischen Slawophilen und „Westlern“ bin ich seit meiner Schulzeit vertraut. Ich nenne nur Dostojewskijs „Tagebuch eines Schriftstellers“, seinen Roman „Der Idiot“, in dem die Hauptfigur Fürst Myschkin darlegt, dass ein Katholik schlimmer sei als ein Atheist, Puschkins Gedicht „Den Verleumdern Russlands“ oder Tjuttschews „patriotische Verse“. Von der öden Sowjetpropaganda will ich gar nicht erst reden.

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