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Teil II des großen Gore-Vidal-Gesprächs : „Das Pentagon gerät außer Kontrolle“

  • Aktualisiert am

Praeceptor Americae: Gore Vidal Bild: dpa

Wenn es um Amerika geht, dann spart der Schriftsteller Gore Vidal, Vetter Al Gores, nicht mit Kritik. FAZ.NET sprach mit ihm über das Land nach den Wahlen.

          3 Min.

          Wenn es um Amerika geht, dann spart der 75-jährige Gore Vidal, Schriftsteller und Cousin Al Gores, nicht mit Kritik. Im zweiten Teil des Gesprächs mit FAZ.NET warnt er vor der Macht der Generäle.

          In der Zeitschrift „Vanity Fair“ haben sie gefordert, dass der nächste Präsident die Macht des Pentagons begrenzen müsse. Wie kann das Verteidigungsministerium mehr als ein Jahrzehnt nach dem Ende des Ost-West-Konflikts noch so mächtig sein?

          Indem es immer neue Feinde erfindet. So war es schon im Kalten Krieg. Der Kommunismus war keine Bedrohung für uns, bis wir begannen, aufzurüsten. Es gab niemals einen aggressiven Kommunismus, der die USA gefährdet hätte. Der war eine Erfindung. Wann das geschah, ist bekannt. Am 27. Februar 1947 fand im Weißen Haus eine Sitzung statt, an der neben Präsident Harry Truman auch der republikanische Senator Arthur Vandenberg teilnahm. Vandenberg wusste um Trumans Plan, Wirtschaft und Militär eng zu verzahnen. Vandenberg machte Truman eines klar: die militarisierte Wirtschaft werde er nur haben können, wenn er dem amerikanischen Volk mit der russischen Bedrohung die Hölle heiß mache. Truman und das Pentagon setzten dann die Behauptung in die Welt, dass die Russen kommen, und ganz Amerika schlotterte vor Angst. In Wahrheit rückten die Sowjets in Prag und Budapest ein, ihren geopolitischen Einflußzonen, aber doch nicht in Washington.

          Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts brauchte das Pentagon neue Feinde, um seine Machtgier zu rechtfertigen. Jetzt hießen die Bösewichte Noriega, Gaddafi und Saddam. Dazu gesellen sich eine Milliarde Muslime. Sie sind für das Pentagon ohnehin durchgedrehte Fanatiker, die sich nur einem Ziel verschrieben haben: alles Gute auf Erden, also uns, zu vernichten.

          Zur Zeit will das Pentagon uns einreden, dass die Bösewichte und ihre Schurkenstaaten früher oder später unsere Städte überfallen werden, vorzugsweise von Raumschiffen aus. Daraus wird die Forderung abgeleitet, so schnell wie möglich im All den Ronald-Reagan-Memorial-Schutzschild zu installieren, der uns die Kleinigkeit von 60 Milliarden Dollar kosten wird. Und das sind nur die Anlaufkosten. Zur Erinnerung: Seit dem Zweiten Weltkrieg hat Amerika 7,1 Billionen Dollar in seine Landesverteidigung gesteckt. Da ist es kein Wunder, dass sich unsere Schulden auf 5,6 Billionen Dollar belaufen.

          Unser jüngster Gegner ist der Terrorismus. Bushs Parteifreund James Baker hat es gerade verkündet: Der größte Feind der USA ist der internationale Terrorismus. Die Zeitungen sind voll davon. Nun gibt es zwar Terrorismus, aber nicht so etwas wie einen organisierten Welt-Terrorismus. Wir werden aber mit unserer aggressiven Haltung sicherstellen, dass es ihn geben wird.

          Wird Amerika unter Bush militaristischer werden?

          Wir wissen genau, was Vizepräsident Dick Cheney tun wird, und Cheney ist der „Kanzler“. Er wird das Zepter führen. Bush wird regieren wie Caligula. Er wird auf seiner Farm sitzen, und das Volk wird ihn kaum zu Gesicht bekommen. Durch den gespaltenen Kongreß wird die Gesetzgebung oft genug blockiert sein. Die Macht wird bei den Pentagon-Veteranen Cheney und Ex-General Collin Powell liegen.

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