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Teil 2: Die Karriere der Ursula von der Leyen : „Ein Geflecht aus Intrigen“

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„Intrigen, Machenschaften, Kungeleien“

In diesen Monaten führten sie und Ernst Albrecht sowie der mittlerweile verstorbene Ehrenvorsitzende der CDU in Hannover, Wilfried Hasselmann, persönliche Gespräche mit den Delegierten des Wahlkreises 39, flankiert von einer Kampagne der „Bild“ Hannover, geschrieben vom damaligen „Bild“-Redakteur Andreas Beuge. In sieben Artikeln, die meist das strahlende Foto von „Röschen“, der „Frauenärztin, Wissenschaftlerin und siebenfachen Mutter“ zeigten, war von „Polit-Intrige“ die Rede, der umstrittende Stimmzettel wurde zum „gefälschten Wahlschein“.

Am Pranger: Lutz von der Heide. „Wer wollte ,Röschen' stürzen? Tochter von Ex-MP Albrecht Opfer einer schmutzigen Polit-Intrige“, hieß es in der „Bild“-Zeitung. Und weiter: „Gleich beim Start kämpft sie gegen ein Geflecht aus Intrigen, Machenschaften, Kungeleien.“

Vom agilen Politiker zum Nestbeschmutzer

Diese Kampagne beschädigte das Ansehen von der Heides, der nicht der Jäger, sondern der Gejagte war. Wenn man von Intrige sprechen will, so war er jedenfalls deren Opfer. Seit 13 Jahren war er Abgeordneter im Hannoverschen Landtag, nun machte ihn auch die übrige Regionalpresse bestenfalls zum Hinterbänkler.

Dabei war der CDU-Mann ein agiler Politiker, unter anderem als Vorsitzender des Expo-Arbeitskreises und als Vorsitzender des Arbeitskreises Bundes- und Europaangelegenheiten der CDU-Landtagsfraktion. Auf einmal galt er - auch innerhalb der Partei - als Nestbeschmutzer. Und das hatte Folgen.

Die Wahlwiederholung gewann von der Leyen mit einer Zweidrittelmehrheit. Damit war auch ihr Einzug in den Landtag schon so gut wie gesichert. „Bild“-Redakteur Beuge wurde nach der Landtagswahl Pressesprecher im niedersächsischen Wirtschaftsministerium von Walter Hirche (FDP), der schon unter Albrecht Minister war. Lutz von der Heide kehrte der Politik den Rücken.

„Lieber Papa, das habe ich von Dir gelernt“

Ursula von der Leyens steilem politischen Aufstieg stand nichts mehr im Weg. Sie war nun nicht nur Abgeordnete, sondern am 4. März 2003, dem ersten Tag der neuen Legislaturperiode im Niedersächsischen Landtag, sogleich Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit im Kabinett Wulff. Das nun kann man wirklich eine Karriere nennen. Wahrscheinlich sogar eine einmalige. Und insoweit ist von der Leyen tatsächlich ein Musterfall für eine ganz spezielle Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Noch am Wahltag lief Ursula händchenhaltend mit ihrem Vater durch den Landtag. Die Presse berichtete darüber mit größtem Wohlwollen. Es schien, als sei mit der Tochter zugleich der Vater zurückgekehrt. In der ersten Kabinettssitzung des neugewählten Ministerpräsidenten Christian Wulff saß Ernst Albrecht sogar mit am Kabinettstisch.

„Röschen“ hätte auch keinen Grund gehabt, hier Vorsicht walten zu lassen - im Gegenteil. Sie war für die niedersächsische CDU die lebendige Erinnerung an deren beste Zeit, Jahre, die sie Ernst Albrecht zu verdanken hatte. Als Weihnachtsgruß schmückte die Landesministerin denn auch ihre Homepage mit einem Foto der Familie, auf dem sie dem Betrachter ein Blech voller Plätzchen entgegenhielt. In der „Bild“ Hannover erschien jeden Samstag ihre neue Kolumne „Was mir am Herzen liegt“, in der sie wiederum aus dem Familienalltag plauderte. Zum 75. Geburtstag ihres Vaters erschien dort auch ihr Gratulationstext: „Lieber Papa, das habe ich von Dir gelernt.“

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