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Reaktionen im Bistum : „Wir atmen im Bistum endlich auf“

Endlich befriedet: Der Limburger Dom Bild: dpa

Priester und Laien der Diözese reagieren erleichtert auf die Entscheidung des Papstes, Bischof Tebartz-van Elst nicht nach Limburg zurückkehren zu lassen. Manche hätten sich allerdings eine schnellere Entscheidung gewünscht.

          2 Min.

          Mit Erleichterung haben gestern in der Diözese Limburg Priester und Gläubige auf die Entscheidung des Papstes reagiert, Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht in sein Amt in Limburg zurückkehren zu lassen. „Wir atmen im Bistum auf, dass die Sache endlich entschieden ist“, sagte Reinhold Kalteier, ehemaliger Sprecher des Priesterrats. Sein Pfarrer-Kollege Ludwig Reichert sprach von einer „entlastenden Klarheit“, die es nun nach langer Hängepartei gebe. Schließlich habe es „Verunsicherung und Reste von Sorge“ gegeben, dass Tebartz-van Elst doch noch zurückkehren könnte.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kalteier, der Pfarrer in Hofheim ist, und Reichert hatten schon vor zwei Jahren mit 18 weiteren Geistlichen den „Hofheimer Kreis“ gegründet, der in einem Schreiben an den Bischof massiv dessen Führungsstil kritisierte. Die Entscheidung des Papstes sei dennoch kein Grund zum Jubel, sagte Kalteier. Dafür habe es zu viele Verletzungen gegeben. Doch: „Es hätte uns schlimmer treffen können – etwa, wenn Tebartz-van Elst im Amt geblieben wäre.“

          „Ein Segen“

          Als „einen Segen, weil die Periode der Unsicherheit beendet ist“, bezeichnete auch der CDU-Politiker und langjährige Frankfurter Kirchendezernent Ernst Gerhardt die Entscheidung zugunsten eines Neuanfangs: „Das Bistum kann durchatmen.“ Während sich Kalteier eine schnellere Entscheidung gewünscht hätte, hält Gerhardt es für richtig, dass sich Rom Zeit gelassen habe. Heute gibt es seiner Ansicht nach kaum noch eine Stimme in der Diözese, die sich die Rückkehr des Bischofs wünsche. Vor zwei Monaten habe das noch anders ausgesehen. In der Zwischenzeit sei bei allen die Einsicht gewachsen, „dass es keinen anderen Weg mehr geben darf, als das Bischofsamt neu zu besetzen.“ Gerhardt, der Mitglied des Diözesankirchensteuerrats ist, hofft, dass auch die Einsetzung des Paderborner Weihbischofs Manfred Grothe als Administrator in Limburg eine „gute Ausgangslage für ein neues Miteinander im Bistum unter den Gläubigen und mit dem Klerus“ schafft.

          Ingeborg Schillai, Präsidentin der Diözesanversammlung, des obersten Laiengremiums im Bistum, sieht allenthalben Zufriedenheit über die Nicht-Rückkehr von Tebartz-van Elst. „Endlich können wir normal weiterarbeiten.“ Sie hoffe, so Schillai, dass schnell ein neuer Bischof gewählt werde, wisse aber, dass eine solche Wahl üblicherweise neun Monate brauche. „Vielleicht kann es in unserem Fall einmal schneller gehen.“ Pfarrer Reichert, der auch Sprecher des „Hofheimer Kreises“ ist, setzt vor allem darauf, dass der Bischof wie üblich vom Domkapitel gewählt und nicht wie der Administrator, „so gut er auch sein mag“, von Rom eingesetzt wird.

          Eine „gute Wiederbesetzung des Bischöflichen Stuhls“, wünscht auch der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann, der bereits vor Tagen davon gesprochen hatte, dass Tebartz-van Elst nicht zurückkommen könne. Lehmann teilte gestern mit, dass er sich auch „eine Sanierung der Schäden und Verluste“ wünsche, denn die seien nicht nur in Limburg, „sondern überall in unserem Land entstanden“. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Volker Jung lobte die Entscheidung des Papstes als „außerordentlich wichtig für einen Neuanfang im Bistum. Er selbst wolle dem Bistum „ein „guter ökumenischer Partner sein“.

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