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Tebartz-van Elst im Vatikan : Hoffen auf Barmherzigkeit

  • -Aktualisiert am

Ein Archivbild: Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im August - den Paparazzi vor dem Priesterhaus in Rom ist bisher kein Schnappschuss gelungen Bild: dpa

Beim Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Müller, soll sich Tebartz-van Elst „ausgeweint“ haben. Tatsächlich hat der Limburger Bischof nur wenige Fürsprecher im Vatikan. Vorerst kann er nicht auf ein Treffen mit dem Papst hoffen – allenfalls auf Milde.

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          Die besten Paparazzi von Rom haben es vergeblich versucht. Ohne Erfolg lagerten sie im „Café della Pace“ an längst geleerten Kaffeetassen und überfüllten Aschenbechern, um ein Foto des Bischofs von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, zu erhaschen. Dieser war am Sonntagmorgen in ein Priesterhaus in die Altstadt von Rom geflohen, verfolgt von dem Vorwurf, er habe die Baukosten seines 30 Millionen Euro teuren Bischofssitzes vor seinen Gremien verheimlicht.

          Doch das Tor des Priesterhauses vom Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima blieb meist zu. Nur einmal wurde Tebartz-van Elst am Montagmittag kurz gesehen, aber da waren die Paparazzi noch nicht aufgetaucht. Seitdem verbirgt sich der Bischof selbst vor den Geistlichen, die im Haus der deutschen Nationalkirche wohnen. Tebartz-van Elst ist abgetaucht. Das wollten seine Sympathisanten von vornherein: Der gejagte Mann solle in Ruhe in die Wirklichkeit zurück finden, rieten sie ihm. Er solle für die nächsten Wochen nicht nach Limburg zurückkehren, denn er könne dort bei dieser aufgebrachten Stimmung seines Lebens nicht mehr sicher sein. Er müsse den Rücktritt einreichen.

          Ohne direkten Zugang zum Papst

          Als Tebartz-van Elst in Rom ankam, mag er gehofft haben, seinen Posten in Limburg mit Hilfe einflussreicher Fürsprecher retten zu können. Er mag vom direkten Zugang zu Papst Franziskus geträumt haben. Tatsächlich aber trifft Tebartz-van Elst auf eine Kirchenwelt, die ihre festen Hierarchien und Abläufe hat. Da könnte der Bischof noch so viele Telefonnummern wählen, nur wenige Gesprächspartner könnten etwas für ihn erreichen. Tatsächlich aber ist der 53 Jahre alte Bischof mehr ein Fremder in der Stadt. Als er im Januar beim Empfang in der vatikanischen Audienzhalle Pauls VI. dem persönlichen Sekretär von Benedikt XVI., Georg Gänswein, zur Bischofsweihe gratuliert hatte, stand er unter den vielen hundert geladenen Gäste meist allein.

          Es heißt, Tebartz-van Elst habe im Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, einen Freund, weil der am Freitag im Rahmen einer Messe im Campo Santo Teutonico über die „Medienkampagne“ gegen den Botschaft schimpfte und von „Erfindungen“ sprach. Doch in der Kurie nimmt man ihn damit nicht ernst. Müller habe aus dem Bauch gesprochen, weil er sich an seine eigenen Probleme mit der Presse als Diözesanbischof von Regensburg erinnert habe; damals ging es unter anderem um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen.

          Hat selbst seine mediale Erfahrungen gemacht: Gerhard Ludwig Müller im vergangenen Jahr in Regensburg

          Dennoch heißt es, Tebartz-van Elst habe sich bei Müller ausgeweint. Aber könnte Müller etwas für ihn tun? Der Präfekt der Glaubenskongregation hat Zugang zum Papst; aber er sitzt nicht in der Kongregation für die Bischöfe, wo die Limburger Angelegenheit verhandelt wird.

          Meisner entzieht Tebartz-van Elst die Unterstützung

          Dazu gehört schon seit 1995 Joachim Kardinal Meisner aus Köln. Der Kardinal ist Metropolit der Rheinprovinz, zu der auch das Bistum Limburg zählt. Er hatte auch in diesen Tagen Kontakt zu Tebartz-van Elst, aber Meisner relativierte letzthin seine Zuneigung zum Bischof. Auch der emeritierte Kurienkardinal Paul Josef Cordes sitzt in der Bischofskongregation. Er gilt als Fürsprecher von Tebartz-van Elst; aber von ihm sind in jüngster Zeit keine Aussagen zum Bischof an die Öffentlichkeit gedrungen.

          Den Konservativen Walter Kardinal Brandmüller, der sich als Historiker der Konzilsgeschichte einen Namen gemacht hat, kann Tebartz-van Elst nicht erreichen: Er ist verreist. Gewiss wird sich Tebartz-van Elst jetzt wieder beim Präfekten des Päpstlichen Haushalts, Erzbischof Gänswein, gemeldet haben – aber der dürfte ihn daran erinnert haben, dass ein Papst seine Termine langfristig plant und eine Audienz für ihn deswegen eher unwahrscheinlich ist.

          Kein Zugang zu Franziskus

          Der Papst lässt sich nicht drängen. Die Kurie sei schon im Verlaufe der Bauarbeiten von 2010 an immer wieder über die Vorgänge in Limburg unterrichtet worden, heißt es in der Kurie. Franziskus wisse Bescheid und halte den beantragten Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst wegen einer falschen eidesstattlichen Erklärung für mindestens genauso bedenklich wie den teuren Bau auf dem Domberg.

          Bilderstrecke

          An diesem Donnerstag werde Franziskus mit dem Chef der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, dem emeritierten Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, auch über Tebartz-van Elst sprechen, aber es sei keineswegs sicher, dass Zollitsch danach mit einer Botschaft des Papstes zu der Limburger Angelegenheit vor die Presse treten könne. Nach Privataudienzen gebe es in der Regel nur eine allgemeine Erklärung über die Gesprächsthemen, aber keine mit Beschlüssen. Zum Fall Tebartz-van Elst könnte sich aber sehr bald die Bischofskongregation erstmals äußern. Doch vor einem abschließenden Urteil werde die Kurie den Bericht der von Zollitsch eingesetzten Kommission zum Bau, zu dessen Kosten und den Entscheidungswegen, studieren – und diese Kommission beginnt gerade erst ihre Arbeit.

          Es bleibt für die Fürsprecher von Tebartz-van Elst in Rom die Gewissheit, dass dieser Papst zwar streng in seinen moralischen Vorstellungen ist und eine Kirche der Armut und Demut will, aber auch barmherzig ist. Bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz wurde Tebartz-van Elst am Mittwoch nicht unter den 70000 Menschen entdeckt. Der Papst predigte über Jesus, das „Herz der Kirche“ und erinnerte daran, wie die Kirche „trotz aller Schwierigkeiten und Probleme, der Schwächen und unseren Sünden die authentische Botschaft Christi vermittelt“. Vielleicht hat Tebartz-van Elst in seinem Zimmer in der „Anima“ vor dem Fernsehen von Radio Vatikan da genau hingehört.

          Mehr Diözesen offenbaren sich

          Am Mittwoch haben weitere Diözesen Angaben über die Vermögenswerte gemacht, die dem Bischof und nicht dem Bistum oder anderen Körperschaften zugerechnet werden. In Mainz hieß es, der sogenannte Bischöfliche Stuhl besitze kein Geldvermögen, sondern nur „einige wenige“ Grundstücke sowie eine Beteiligung am Gemeinnützigen Siedlungswerk (GSW). Erträge aus Beteiligung würden dem Haushalt der Diözese zugeführt. Dieser wiederum unterliege der Kontrolle durch einen Kirchensteuerrat, der überwiegend aus gewählten Mitgliedern besteht.
          Des Bischöfliche Stuhl in Aachen verfügt nach Darstellung des Bistums über ein Eigenkapital von 8,2 Millionen Euro. Über die Verwendung der Mittel entscheide der Vermögensverwaltungsrat. Der Bischof sei an dessen Beschlüsse gebunden. In Trier wird das Vermögen des Bischöflichen Stuhls mit einem Wert von 84 Millionen Euro bilanziert. Den Angaben des Bistums zufolge besteht es das Vermögen aus Kapitalanlagen, Darlehensforderungen und Liquidität. Hinzu kommen insgesamt 38 Immobilien, für die es derzeit keine Marktbewertung gebe.
          Die Diözese Rottenburg-Stuttgart teilte mit, man wolle dereinst über Vermögenswerte des Bischöflichen Stuhls informieren. Eine „stimmige Darstellung“ brauche Zeit, sagte ein Sprecher des Bistums der Katholischen Nachrichten-Agentur. So gebe es bislang keine Bewertung von Immobilien des Bischöflichen Stuhls. Dazu zählten unter anderem das Bischöfliche Ordinariat, das Diözesanmuseum, die Klosterkirche Obermarchtal und die Diözesanbibliothek. Zudem gehörten zu dem Etat treuhänderisch verwaltete Vermögen von kirchlichen Förderstiftungen, deren Erträge zweckgebunden und somit kein frei verfügbares Vermögen seien. Das Haushaltsvolumen des Bischöflichen Stuhls Rottenburg bezifferte der Sprecher für das Jahr 2013 auf rund 9,8 Millionen Euro. Als Aufsichtsgremium diene ein Verwaltungsrat mit sechs Mitgliedern. (D.D.)

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