https://www.faz.net/-gpf-9m4gr

Mehr Klimaschutz : Tausende protestieren in Rom mit Greta Thunberg

„Wir werden unseren Kampf für unsere Zukunft fortsetzen“, sagt Greta Thunberg in Rom. Bild: AFP

Auf der zentralen Piazza del Popolo wird die 16 Jahre alte schwedische Aktivistin begeistert begrüßt. Strom für die Bühne kommt von auf Generatoren montierten Fahrrädern.

          2 Min.

          Am Freitag sprach die 16 Jahre alte schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg im Rahmen der Bewegung „Fridays for Future“ auf dem Platz des Volkes im Herzen Roms. In Italien ist der Karfreitag normaler Arbeits- und Schultag, aber faktisch haben auch in Rom schon die Osterferien begonnen. Die Piazza del Popolo begann sich am späten Vormittag allmählich zu füllen. Den Strom für die Lautsprecheranlage lieferten 120 Radler, die sich während Stunden auf ihren stationären Rädern abwechselnd abstrampelten. Allerlei Organisationen und Aktivisten hatten zu der Kundgebung aufgerufen. Nur selbstgemalte Poster und Transparente waren erlaubt, keine der üblichen Flaggen und gedruckten Plakate, mit welchen sonst Parteien und Gewerkschaften ihre Anhänger auf den Platz der Volkskundgebungen schicken.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Es sind vor allem junge Leute gekommen, auch Eltern mit ihren kleinen Kinder, dazu Aktivisten gegen Viehzucht, die Ausbeutung von Rohstoffen und Plastikflaschen. Die pakistanischen Zeitungsverkäufer auf der Piazza haben heute neben ihrem üblichen Sortiment auch die druckfrische italienische Ausgabe des Buches im Angebot, das Greta und ihre Eltern Svante Thunberg und Malena Ernman gemeinsam verfasst haben: „Unser Haus ist in Flammen – Unser Kampf gegen den Klimawandel“, 12,90 Euro. Auf dem Titelbild ist Greta zu sehen, eingepackt in zwei Kapuzenpullover und eine dicke gelbe Regenjacke – als drohe der Erde eine neue Eiszeit und nicht der Hitzekollaps.

          Gretas Auftritt lässt auf sich warten, erst mit einer Stunde Verspätung ergreift sie das Mikrofon. Die Veranstalter überbrücken die Wartezeit mit vielen Reden und etwas Musik. Die Zeit vergeht zäh, immerhin ist schönes Wetter. Auf der Bühne spricht jemand von 25.000 Leuten auf dem Platz – das ist so übertrieben wie bei Parteien und Gewerkschaften, die ebenfalls die Teilnehmerzahlen bei ihren Kundgebungen aufzublähen pflegen. „Zusammen, mit Greta, retten wir den Planeten“, ruft es von der Bühne, die Menge – vielleicht 5000 Leute, aber nie und nimmer 25.000 – skandiert mit.

          Endlich spricht Greta, auf Englisch wie üblich. Viel Beifall brandet auf. „Wir werden unseren Kampf für unsere Zukunft fortsetzen“, verspricht sie und erinnert die jubelnde Menge daran, dass der Einsatz „nicht Wochen, nicht Monate, sondern Jahre“ dauern müsse. In spätestens elf Jahren sei es zu spät, dann sei der Klimakollaps nicht mehr aufzuhalten, warnt sie. Und sie kritisiert die Politiker, die Erwachsenen überhaupt, dass sie die Jugend mit „Lügen und falschen Hoffnungen“ abzuspeisen versuche: „Wir haben die Nase voll.“ Am Ende sagt sie „Grazie Roma, grazie Italia“. Nochmals Beifall und Jubel. Nach dem langen Warten ist der Höhepunkt – die kurze Rede Gretas – rasch vorbei.

          Die italienischen Medien haben den Rom-Besuch Gretas nicht so enthusiastisch begleitet. Viele Kommentatoren vermuten Geschäftsinteressen, fragen nach Hintermännern. Vielleicht weil sie es gewöhnt sind, mit erhöhtem Misstrauen auf politische oder weltanschauliche Äußerungen zu schauen, die den großen Wandel fordern oder gar versprechen statt pragmatische Schritte von überschaubarem Maß. Viele Flugblätter und Broschüren, die auf der Piazza del Popolo verteilt wurden, liegen nach dem Ende der Kundgebung auf den Straßen der Umgebung. Dabei hatten die Stadtwerke extra viele Recyclingcontainer aufgestellt.

          Weitere Themen

          Barcelona versinkt im Chaos

          Neue Proteste in der Nacht : Barcelona versinkt im Chaos

          Nach der Verurteilung von katalanischen Unabhängigkeitskämpfern gehen Demonstranten in Barcelona seit Tagen auf die Straße. In der Nacht eskalieren die Proteste abermals. Es fliegen Steine, die Polizei wehrt sich mit Tränengas.

          Topmeldungen

          Suzanna Randall: Eine von zwei Kandidatinnen für den Flug zur Internationalen Raumstation ISS

          Nach erstem Frauenduo auf ISS : Wie männlich ist der Weltraum?

          Die Nasa fremdelte lange mit der weiblichen Biologie. So vermuteten Ingenieure, weiblicher Urin sei schleimbasiert und könne im All Leitungen verstopfen. Raumanzüge in der richtigen Größe sind heute noch ein Problem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.